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Schäfer kämpfen für die Zukunft

Ankunft in Brüssel für den 16. September geplant – Hirtenzug war am Freitag in Thune.

Von Marion Korth, 11.07.10

Thune. Siesta im Schatten. Fürs satte Grün auf der Wiese interessiert sich keine Sau. Erst recht kein Schaf. Zwischenstopp des Hirtenzuges auf dem langen Weg von Berlin nach Brüssel.

Es ist weniger ein Protest- als ein Informationszug. Egal ob der Landwirt auf dem Trecker oder der zufällig vorbeikommende Radfahrer: „Jeder erhält von mir diesen Flyer, ob er will oder nicht.“ Klaus Seebürger ist Schäfer. Für seinen Berufsstand will er sich einsetzen, Verständnis wecken. „Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben“ steht auf dem Flyer. Die weidenden Schafe halten Heideflächen frei und tragen zum Deich- und allgemein zum Umweltschutz bei. „Ohne sie sähe unsere Landschaft anders aus“, sagt Seebürger.
Er möchte keinen anderen Beruf haben, aber: „Ich muss an 365 Tagen im Jahr 100 Prozent geben“, sagt er. Während er jetzt drei Wochen auf Wanderschaft ist, kümmert sich sein Sohn zu Hause um die anderen Tiere. Selbstverständlich ist das nicht. Lange Arbeitszeiten, schlechte Entlohnung und immer mehr Vorgaben, Verwaltungsrichtlinien und gekürzte Fördermittel drohen einen alten Beruf und die Schafhaltung kaputtzumachen. Das wollen die Schäfer mit ihrem Zug durch Deutschland, die Niederlande und Belgien verhindern.
Am 24. Juni ist Seebürger in Lüneburg mit 220 Schafen, zwei Ziegen, zwei Eseln und seinen Hunden aufgebrochen. Kurz hinter der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen wird er abgelöst, dann geht ein anderer Kollege mit neuer Herde weiter.
Aber bis dahin ist es noch weit. Den Weg, den er am nächsten Tag nehmen wird, hat der Schäfer schon ausgekundschaftet. Bleibt es so heiß, wird er wohl an der Schattenseite am Kanal gehen. Zehn bis zwölf Kilometer schaffen er und die Herde am Tag. Bei den Temperaturen trinken die Tiere viel – bis zu 1000 Liter aus dem Tränkefass. Die Hitze sei jedoch weniger das Problem, aber es gibt ein anderes. „Ich habe festgestellt, dass es kaum noch vernünftige Feldwege gibt“, sagt Seebürger. Stattdessen Asphalt und schlimmer noch Schotter.
Am Freitag war wieder „Pausentag“. Friedrich und Katrin Steinborn aus Thune halten selbst noch 70 Schafe plus Lämmer. Die gepachtete Weide am Waldrand haben sie gern für den Hirtenzug zur Verfügung gestellt. Bei ihnen daheim dürfen die Schäfer duschen und das Laptop aufladen, weil der Ladeanschluss im Begleitauto defekt ist.
Am Abend wird die Biologiestudentin Leonie Schaefer (23) nicht Schafe, sondern Samen zählen, die sich in der Wolle festgesetzt haben. Resis Rücken ist farblich in lauter Quadrate aufgeteilt, um das Ganze systematisch anzugehen. „In so einem Quadranten habe ich bis zu 50 Samen gefunden“, sagt die Studentin. In ihrer Arbeit geht es darum, zu untersuchen, wie wandernde Schafe zur Auffrischung genetischer Ressourcen auf isolierten Flächen und zur Pflanzenartenvermehrung beitragen.
• Infos unter: www.hirtenzug.eu
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