Anzeige

Ryanair ab Braunschweig – heiße Diskussionen

Nur selten starten Chartermaschinen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg – zum Beispiel wenn der VfL Wolfsburg zu internationalen Spielen aufbricht (auf dem Bild: das Team im November 2015 auf dem Weg nach Moskau). Foto: rs24/Simka

Neuer Vorstoß von EX-VW-Chef Carl Hahn: Angbote vom Billigflieger – Stadt Braunschweig und MIT erklären „Zurückhaltung“.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 24.05.2017.

Braunschweig. „Ziel der Stadt Braunschweig ist es, das Profil des Flughafens als Forschungsflughafen zu schärfen. Darin liegt sein Entwicklungspotenzial. Die Stadt Braunschweig steht deshalb Vorschlägen, was die Einrichtung von Linienflügen oder sonstigen zusätzlichen Flugangeboten angeht, mit großer Zurückhaltung gegenüber“, erklärt Pressesprecher Rainer Keunecke auf Anfrage der NB.

Im Strategieausschuss der Stadt Wolfsburg hatte Ex-VW-Chef Carl Hahn vergangene Woche erneut für seine Idee geworben, die Fluggesellschaft Ryanair an den Flughafen Braunschweig-Wolfsburg zu holen, berichtet news38. Zwei Maschinen, die von Braunschweig aus Ziele in Europa anfliegen, habe Ryanair angeboten, sagte Hahn. In zehn Jahren sei das ein entscheidender Standortvorteil.
Hahns Argumente stießen auf positive Resonanz: „Wir müssen uns bald Gedanken über die strategische Ausrichtung machen. Es darf kein Fass ohne Boden werden“, sagte der Ausschussvorsitzende Jens Tönskötter und verwies auf die voraussichtlichen Subventionen in diesem Jahr in Höhe von 4,7 Millionen Euro.
„Das Konzept, den Flughafen Braunschweig zu einem Linienflughafen – auch mit Billigfliegern – auszubauen, leidet unter mehreren Denkfehlern“ – so heißt es in der Stellungnahme der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Braunschweig dazu. Die Vorstandsmitglieder Antoinette von Gronefeld, Oliver Schatta und Jan Hackenberg lehnen den Vorstoß aus Wolfsburg ab. Pikant dabei: Die CDU-Mittelstandsvereinigung in Wolfsburg unterstützt den Vorschlag. „Jegliche Erweiterung der verkehrstechnischen Anbindung einer Region auf den Verkehrswegen Land, Wasser und Luft bringt Vorteile für selbige“, berichtet Kai Kronschnabel, Vorsitzender der MIT in Wolfsburg. Aus Sicht des Mittelstandes müsse vonseiten der Politik alles getan werden, an dieser Stelle einen Mehrwert für den Bürger zu schaffen.

Das sehen die MIT-Kollegen in Braunschweig ganz anders:
„1. Wenn zusätzlich noch Linienflüge von Billigfliegern aufgenommen werden, muss die Politik umso mehr Geld zuschießen, um die fehlenden Landegebühren auszugleichen und um den Flughafen noch zu erweitern. In der Regel versuchen die Billiganbieter mit Hilfe öffentlicher Fördermittel ihre günstigen Preise zu erzielen. Solche Subventionen helfen den Gesellschaften und selten den Gemeinden. Das Konzept ist bereits mehrfach gescheitert: die Flughäfen Lübeck und Hahn versuchten sich aus einer ähnlichen Position als Regionalflughafen erfolglos als Linienflughafen zu positionieren.

2. Die Kapazität der Räumlichkeiten vor Ort ist längst erschöpft, ein Konzept für eine dann notwendige Erweiterung ist gar nicht ersichtlich. Eine Erweiterung wäre gegebenenfalls bequem für diejenigen, die nicht am Flughafen wohnen. Eine Erweiterung wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Es ist eine Milchmädchenrechnung, ausgerechnet Billiganbieter zu bewegen, Linienflüge vom Verkehrsflughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH anzubieten.

3. Seit Jahren gibt es wieder Untersuchungen dazu, in welchem Segment der Flughafen erfolgreich wirtschaften kann. Der klassische Linienflughafen gehörte nie dazu. Daran wird vermutlich auch die nächste jetzt von den Gesellschaftern des Flughafens in Auftrag gegebene Untersuchung nichts ändern. Als ,Forschungsflughafen‘ ist das Areal Sitz vieler Unternehmen, die Arbeitsplätze besonders im Ingenieursbereich anbieten. Hier sollte der Flughafen sich weiter entwickeln. Wir sprechen uns für Konzepte aus, die durchdacht sind – aber keine kurzfristigen Angebote, die schon in anderen Städten nicht funktioniert haben.“

Unterstützung kommt von den Grünen in Wolfsburg: Fraktionsgeschäftsführerin Sandra Jördens findet das „mehr als bedenklich“, so die Reaktion auf den Vorstoß der Mittelstandsvereinigung (MIT) der CDU. „Die Anwohner werden dadurch jetzt schon massiv gestört. Hannover ist nicht mal ausgelastet“, sagte sie gegenüber den Wolfsburger Nachrichten. Bevor es keine eindeutigen Zahlen und Lärmpegelmessungen gäbe, „werden wir nicht einmal ansatzweise über eine Veränderung der Strukturen am Forschungsflughafen nachdenken“, so Strategieausschussmitglied Katrin Weidmann.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
6 Kommentare
6
Ingo Bittner aus Heidberg-Melverode | 24.05.2017 | 17:44  
6
Jens Binding aus Wabe-Schunter-Beberbach | 25.05.2017 | 09:39  
197
S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 25.05.2017 | 14:37  
197
S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 25.05.2017 | 15:01  
6
Frank Sager aus Braunschweig - Innenstadt | 28.05.2017 | 21:29  
197
S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 29.05.2017 | 14:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.