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Rolltreppen sollen wieder rollen

Seit Februar stehen die Treppen still. Der Stadtbezirksrat Innenstadt will, dass sie endlich repariert werden. Selbst vier neue Fahrtreppen plus Aufzug wären mit rund 800 000 Euro viel günstiger als die Spanne zwischen 1,3 und 1,7 Millionen Euro, die die Verwaltung als Zahlen angibt. Das sagt Heiner Höltje (CDU), der von einer Fachfirma selbst einen Kostenvoranschlag eingeholt hat. Foto: T.A.

Stadtbezirksrat hat sich vehement für Reparatur eingesetzt – und hat damit wohl Erfolg.

Von Marion Korth. 11.12.2013. Braunschweig. Sie rollen schon lange nicht mehr, die Bohlwegtunnel-Rolltreppen. Reparatur oder Rückbau – darum geht’s im Wesentlichen in der Debatte, die eine überraschende Wendung genommen hat.

Das ist ärgerlich für die CDU-Ratsfraktion, die jetzt für ihren Lösungsvorschlag Rückbau und ein zusätzlicher behindertengerechter Aufzug keine Mehrheit mehr sieht – und dies nicht zuletzt, weil die CDU-Parteikollegen im Stadtbezirksrat Innenstadt nicht mitspielen. Die haben sich im Schulterschluss mit der SPD für die Reparatur eingesetzt und für ihren Lösungsvorschlag zuletzt im Finanzausschuss mehrheitliche Zustimmung erhalten. „Das ist gegen unseren Willen, denn es macht keinen Sinn, 40 Jahre alte Rolltreppen zu reparieren“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Wendroth. Enttäuscht ist er über die Grünen, die eigentlich auch gegen eine Reparatur sind, mit ihrer Enthaltung aber jetzt doch den Weg dafür freimachen. „Ich halte den Tunnel für eine planerische Fehlleistung, das ist er schon immer gewesen, aber ich will auch nicht mit dem Kopf durch die Wand“, begründet Holger Herlitschke seine Haltung. Der starke Widerstand des Stadtbezirksrates habe ihn dazu gebracht, sich der Stimme zu enthalten. „Das werde ich auch durchziehen“, sagte der Fraktionschef der Grünen mit Blick auf die Ratssitzung am nächsten Dienstag, bei der endgültig über die Zukunft der Fahrtreppen entschieden werden soll.
Der Stadtbezirksrat misst dem Tunnel eine große Bedeutung als direkte Verbindung zum Damm zu. „Ohne Rolltreppen ist es einfacher, aus der Tiefgarage ins Schloss zu gehen und dort den Aufzug zu benutzen“, sagt SPD-Stadtbezirksratsmitglied Jürgen Johannes. Es gehe also nicht nur um die Geschäfte in der Unterführung, sondern auch um die in der Innenstadt.
Wie Jürgen Johannes (SPD) sieht sich auch CDU-Stadtbezirksratsmitglied Heiner Höltje als Wahrer der innerstädtischen Interessen, weshalb ihn die andere Meinung der CDU-Ratsfraktion, die eine Reparatur für nicht mehr wirtschaftlich ansieht, auch nicht anficht.
Er ärgert sich darüber, dass die Reparatur, die rund 136 000 Euro kosten soll, nicht schon längst, gleich, nachdem die vier Fahrtreppen wegen Sicherheitsmängeln außer Betrieb gesetzt wurden, ausgeführt worden ist. „Danach hätte man dann nach Lösungen suchen können, so hat man jetzt Pflöcke gesetzt“, sagt Höltje. Stadt und Verwaltung hätten in Kauf genommen, dass Fußgänger die defekten Treppen und damit den ganzen Tunnel meiden – zum Nachteil der Geschäfte in der Innenstadt. Ähnlich wie auch Baustellen dazu führen, dass bestimmte Bereiche gemieden und neue Wege gesucht werden.
Wenn die Reparatur gut gemacht und ein entsprechender Wartungsvertrag abgeschlossen werde, sagt Höltje, sei dies auch eine zukunftsfähige Lösung. Nach wie vor sei der Tunnel die schnellste Verbindung von der einen auf die andere Bohlwegseite: „Das habe ich ausprobiert, sogar ohne funktionierende Fahrtreppen.“ Im Tunnel gibt es eben keine Ampeln.
Auch wenn die Reparatur mit rund 136 000 Euro zunächst als günstigste Lösung erscheint, ist Klaus Wendroth (CDU) völlig anderer Ansicht: „Hier verbrennt man Geld.“ Es sei schon jetzt abzusehen, dass in wenigen Jahren wieder Reparaturen fällig werden und die Diskussion von neuem beginnt …
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