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Risikogruppe Radfahrer

Plus 29 Prozent: Radfahrer sind häufiger an Unfällen beteiligt – Mit schlimmen Folgen.

Von Marion Korth, 01.04.2012.

Braunschweig. Sowohl Autofahrer als auch Radfahrer dürfen sich in diesem Jahr auf mehr Polizeikontrollen gefasst machen. „Wir wollen die Unfälle mit schweren Folgen reduzieren, das ist unser Ziel“, sagte Polizeipressesprecher Joachim Grande bei der Vorstellung der Statistik für 2011.

Grande weiß schon jetzt, dass es für solche Ankündigungen böse Anrufe gibt, aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Gesamtzahlen der Unfälle (8165 auf 8564) und auch der Verletzten (1004 auf 1170) sind, wenn auch geringfügig, angestiegen. Vier Menschen, darunter ein Kind, verloren bei Unfällen im Stadtgebiet ihr Leben.
In 749 Fällen waren Radfahrer an den Unfällen beteiligt, das entspricht einem Anstieg von fast 29 Prozent. Ein Mensch wurde getötet, 59 wurden schwer, 377 leicht verletzt. „Die wenigsten tragen einen Helm, so sind die Verletzungen oft schwerwiegend“, erläutert Polizeipressesprecherin Ines Fricke. Häufige Ursachen, ist der Unfall selbst verschuldet: Die Fahrradfahrer sind auf der falschen Straßenseite unterwegs, missachten die Vorfahrt oder machen Fehler beim Abbiegen. Mit Kontrollen – offen und verdeckt – will die Polizei gegenlenken.
An einem Unfall beteiligt zu sein, heißt nicht zwangsläufig, ihn verursacht zu haben. Dennoch ist die Polizei alarmiert. Auffällig ist nämlich auch, dass Kinder im Alter ab zehn Jahren besonders gefährdet sind. Bei Radunfällen wurden 35 und damit 15 Kinder mehr als im vergangenen Jahr verletzt. Die Jungen liegen bei den Unfallzahlen vorn. „In dem Alter wollen die cool sein, das drückt sich auch im Fahrstil aus“, berichtet Ines Fricke. Für die Präventionsarbeit bedeutet das: „Wir müssen den Schwerpunkt anders setzen und müssen rein in die fünften, sechsten und siebten Klassen.“ Die Fahrräder der Kinder seien zum Teil in einem erbärmlichen Zustand, da sind Bremsen defekt, das Licht funktioniert nicht. An dieser Stelle sieht die Polizei auch die Eltern in der Pflicht, auf Mängel zu achten.
Auf dem Schulweg passierte relativ wenig: Sechs Unfälle bei rund 8000 Wegen, die die Kinder in Braunschweig an einem Tag zurücklegen, sei nicht viel. Gefährlicher werde es in der Freizeit, wenn die Jungen und Mädchen ihren Aktionsradius vergrößern und auch auf weniger bekannten Strecken unterwegs sind. Regelkunde und Übungen, um die Beweglichkeit beim Radfahren zu erhöhen, sollen in die Präventionsarbeit aufgenommen werden.
Gleiches gilt für ältere Erwachsene. Fast die Hälfte der bei Unfällen schwer verletzten Senioren waren mit dem Rad unterwegs. Programme wie „Rauf aufs Radl“ und „sicher mobil“ sollen für diese Zielgruppe intensiviert werden.
Dies auch vor dem Hintergrund eines Trends, der gerade so richtig ins Rollen kommt: Immer mehr Menschen steigen nicht nur allgemein aufs Rad, sondern auf E-Bikes oder Pedelecs mit elektrischer Fahrunterstützung um. „Die ersten Diebstähle haben wir schon“, sagt Polizeipressesprecher Joachim Grande. In der Unfallstatistik der Polizei werden die Fahrräder der neuen Generation noch nicht gesondert erfasst, dennoch sieht die Polizei hier ein besonderes Risikopotenzial. Das höhere Tempo erfordere eben auch eine höhere Reaktionsschnelligkeit, das könne leicht unterschätzt werden.
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