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Region gehen die Fachkräfte aus

Oliver Syring, Geschäftsführer der Allianz für die Region. Foto: Allianz/oh

Mit „Welcome Centern“ will die Allianz für die Region ausländische Absolventen halten.

Von Birgit Leute, 19.02.2016.

Braunschweig. Der Region gehen die Fachkräfte aus. Allein im Landkreis Goslar hat inzwischen jedes zweite Unternehmen Schwierigkeiten, eine offene Stelle zu besetzen, vermeldet die Industrie- und Handelskammer. Abwanderung und demografischer Wandel machen sich in Südostniedersachsen besonders stark bemerkbar, stellt auch die Allianz für die Region GmbH fest. Sie richtet deshalb in Wolfsburg und Braunschweig „Welcome Center“ ein, die ausländische Fachkräfte und regionale Unternehmen informieren und beraten. Ein Interview mit Geschäftsführer Oliver Syring.

?Die Klage über fehlende Fachkräfte ist nicht neu. Gerade, was die Vermittlung ausländischer Fachkräfte betrifft, gibt es bereits Internetportale, wie „Make it in Germany“ oder die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung, kurz ZAV, der Agentur für Arbeit. Welche Funktion hat das „Welcome Center“ hier?

!Es möchte vor allem einen direkten, persönlichen Ansprechpartner für ausländische Fachkräfte und hiesige Unternehmer bieten. Nach wie vor gibt es rund um die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer immer noch viele Fragen. Welche Qualifikationen werden anerkannt? Welche Aufenthaltstitel gibt es? In ihrem Alltagsgeschäft haben Unternehmen oft nicht die Zeit, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.
Bewerber haben dagegen Fragen, die konkret den Alltag betreffen: Wo kann ich meine Kinder unterbringen, wie und wo richte ich ein Konto ein? Die „Welcome Center“ sind ein erster Anlaufpunkt und vermitteln dann gezielt an die richtigen Ansprechpartner weiter: Zum Beispiel an die Agentur für Arbeit, an die Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammern.

?Welche Fachkräfte sind konkret gemeint? Nur EU-Bürger?

!Nein. Wir haben den Begriff absichtlich weit gespannt. So studieren an der TU Clausthal-Zellerfeld, an der TU Braunschweig und auch an der Ostfalia zum Beispiel viele ausländische Studenten, die gerne hierbleiben würden. Hier wollen die „Welcome Center“ weiterhelfen – beispielsweise bei der Beantragung einer „Blauen Karte“. Aber nicht nur die Hochschulabsolventen sind angesprochen, sondern alle potenziellen Bewerber für eine Fachausbildung. Ein großer Bedarf besteht zum Beispiel aktuell an Erziehern oder Sozialarbeitern – mit Aussicht auf eine Führungsaufgabe.


?Wer steckt genau hinter den Centern?

!Trägerin des Projekts ist die Allianz für die Region, die mit weiteren Partner aus Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden zusammenarbeitet – darunter den Agenturen für Arbeit, den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern, Kommunen und Gewerkschaften. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und wird mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Das erste Büro wurde vergangene Woche in Wolfsburg eröffnet, das zweite wird am 23. Februar in Braunschweig folgen. Was uns besonders freut: Schon jetzt zeichnet sich eine große Nachfrage ab, denn es sind bereits zahlreiche Anfragen von Fachkräften und Unternehmen eingegangen.

?Wie viele Mitarbeiter sind dort beschäftigt?

!Insgesamt werden es vier Teilzeitkräfte sein – alle mit Erfahrungen bei der Integrationsarbeit und großer sozialer Kompetenz, die wissen, was den ausländischen Arbeitnehmern auf den Nägeln brennt. Derzeit suchen wir noch eine Kraft, die möglichst arabische Sprachkenntnisse hat.

?Die „Welcome Center“ wollen auch eine Willkommenskultur schaffen. Besteht in der Region ein besonderer Bedarf? Mit anderen Worten: Sind Unternehmen hier besonders zögerlich, ausländische Fachkräfte einzustellen?


!Nein. Südostniedersachsen war immer schon Zuzugsland. Denken Sie an die vielen Gastarbeiter aus Italien, die im VW-Werk beschäftigt sind und waren. Dennoch sollte man sich immer wieder die Frage stellen: Was kann man besser machen? Was kann man tun, damit sich ausländische Arbeitnehmer gut integriert und wohlfühlen. Fehler, die damals mit den Gastarbeitern in den 50er und 60er Jahren gemacht wurden, sollen sich ja nach Möglichkeit nicht wiederholen.
Eine Sache möchte ich noch betonen: Wir wollen mit dem Projekt nicht ausländische Fachkräfte gegenüber inländischen bevorzugen. Fakt ist: Das inländische Potenzial reicht einfach nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Das heißt: Wir sind auf die ausländischen Fachkräfte angewiesen.


SERVICE

• Das „Welcome Center“ Braunschweig wird am 23. Februar eröffnet und befindet sich dann im Gebäude der Agentur für Arbeit, Cyriaksring 10. Bereits seit dem 11. Februar gibt es in Wolfsburg ein „Welcome Center“ in der Tourist-Information im Hauptbahnhof: www.welcome-center-der-region.de.

• Die Allianz für die Region GmbH wurde am 1. Januar 2013 gegründet. Vorläufer war die Gemeinschaftsinitiative der Wolfsburg AG und Projekt Region Braunschweig GmbH. Die Allianz wird von achtzehn gleichberechtigten Gesellschaftern aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden gebildet. Dazu zählen Unternehmen wie die Öffentliche Versicherung oder die Salzgitter AG, der Zweckverband Großraum Braunschweig, der Arbeitgeberverband Region Braunschweig und die IG Metall.
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