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Rauhe Zeiten im Einzelhandel

Martina Kaina-Keppel appelliert an den Bürgerstolz und fordert Unterstützung durch Banken.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 02.06.2010

Braunschweig. „Die Wirtschaftskrise hat uns fest im Griff, das Wetter macht uns echte Probleme, die Stadt unterstützt uns kaum, die Kunden sind zögerlich, die Banken lassen uns hängen“ – Martina Kaina-Keppel macht ihrem Ärger Luft. „Und ich spreche für viele Einzelhändler in der Innenstadt“, versichert sie.

Die Probleme seien nicht neu, durch die anhaltende Wirtschaftskrise aber wären die Auswirkungen spürbarer. „Und dazu kommt jetzt noch das schlechte Wetter“, sagt die Geschäftsfrau in ihrer Boutique „smuk & smidig“ . Die Sommerkleider hängen auf den Bügeln, die Tops liegen in den Regalen – es bewegt sich wenig.
Und im Juli kommt schon die Herbst/Winter-Ware. Und muss fast cash bezahlt werden. „Wenn nicht innerhalb von 30 Tagen bezahlt wird, rückt uns ein Inkassobüro auf die Fersen“, sagt Kaina- Keppel. Verhandlungen seien aussichtslos, die Zeiten seien rauher geworden. „Noch läuft alles sehr gut bei mir“, versichert sie. Aber vorsichtshalber habe sie bei ihrer Hausbank nach einem Dispositionskredit nachgefragt. „Rund 3000 Euro wollte ich eingeräumt haben“, sagt die Geschäftsfrau, „nur zur Sicherheit.“ Als Antwort bekam sie ein kategorisches Nein.
„Darüber habe ich mich maßlos geärgert“, ereifert sie sich, „die Bürger retten die Banken mit Millliarden von Steuergeldern, aber für uns Mittelständler gibt es keinerlei Unterstützung, das kann doch einfach nicht in Ordnung sein.“
Auch von der Stadt wünscht sich Kaina-Keppel mehr Engagement und Rücksicht. „Wir wollten zum Autofrühling einen alten Fiat vor die Ladentür stellen“, erzählt sie von einer Idee, „dafür sollten wir an das Ordnungsamt 140 Euro zahlen – für was?“.
Inzwischen ist die Geschäftsfrau selbst aktiv geworden, sie plant eine gemeinsame Rabattkarte für die Geschäfte am Kohlmarkt und sie hat einen Online-Verkauf eingerichtet. „kainaplusfriends“ heißt die Adresse, unter der sie und vier weitere Geschäftsleute ihre Ware anbieten. Die beteiligten Geschäfte wollen anonym bleiben, „manchen ist so eine Sonderangebots-Aktion peinlich“, sagt Kaina-Keppel, „aber wir müssen wenigstens den Einkaufspreis wieder reinbekommen, sonst halten wir nicht mehr lange durch“, erklärt sie die Absicht.
Viele Kunden würden denken, die Ware sei auf Kommission und könne zurückgeschickt werden. „Das gibt es schon lange nicht mehr“, erklärt Kaina-Keppel, „alles muss sofort bezahlt werden.“ Es gebe auch keine Lagerhaltung mehr, das bedeute, dass die gesamte Saisonware auf einen Schlag geliefert wird – und bezahlt werden muss.
Martina Kaina-Keppel hat sich mit ihrer Boutique einen Traum erfüllt. Vor drei Jahren kündigte sie eine sichere Position im Volkswagenwerk und machte sich selbstständig. Erst am Steinweg, seit Februar an der Friedrich-Wilhelm-Straße. „Ich will kein Jammerlied anstimmen“, betont sie, „mir ist klar, dass ich meinen Traum auf eigenes Risiko verwirklicht habe.“
Sie setzt auf Bürgerstolz: „Alle schwärmen von einer Innenstadt mit kleinen, inhabergeführten Geschäften“, weiß sie, „aber dann appelliere ich an die Menschen, auch in diesen Geschäften einzukaufen.“ Sonst sei die Innenstadt bald tot, beziehungsweise gäbe es nur noch Filialen und Ketten, die alle das Gleiche anböten.
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