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Querschüsse: Aber Stadt und Stiftung halten an Plan fest

So sieht das Areal für das neue Quartier St. Leonhard derzeit aus der Luft aus. Bäume und Sträucher sind mittlerweile entfernt worden, Baubeginn soll im Herbst 2017 sein. Bei der Umsetzung bleiben die historischen Stallscheunen rechts erhalten, der Reitstall (oben) und die Ruine der Reithalle (unten) werden abgerissen. Die BIBS kritisiert das. Foto: Stadt Braunschweig/ Nielsen
 
So soll das neue Quartier St. Leonhard einmal aussehen. Die denkmalgeschützten Stallscheunen grenzen an das neue sechsgeschossige Eckhaus. Quelle: Feddersen Architekten

Borek-Stiftung baut an der Leonhardstraße ein integratives Wohnquartier – BIBS bemängelt fehlenden Denkmalsschutz.

Von Birgit Leute, 03.02.2017.

Braunschweig. An der Leonhardstraße liegt ein Berg Bauschutt, die Ruinen der ehemaligen Reithalle ragen fensterlos in den Winterhimmel – so richtig nach Aufbruch sieht es auf dem einstigen Gelände der Polizeireiterstaffel noch nicht aus. Dabei plant die Richard-Borek-Stiftung genau hier, gegenüber der Stadthalle, ein Leuchtturmprojekt zu errichten: Generationsübergreifendes, integratives Wohnen. 2015 wurde der Plan vorgestellt und euphorisch begrüßt, dann bemängelte die BIBS Verfahrensfehler. Stadt und Stiftung bleiben dennoch gelassen: „Es ist alles im Plan“, heißt es auf Anfrage der NB. Bäume und Sträucher seien bereits entfernt worden, im Sommer 2018 werde der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein.

Vorzeigeprojekt

Rückblick: Im November 2015 stellte Richard Borek ein Projekt vor, mit dem absolutes Neuland betreten werden sollte. „Das Stadtviertel wird bundesweit Beachtung finden“, kündigte er damals selbstsicher an. Der Plan: Auf dem Gelände der einstigen Polizeireiterstaffel an der Leonhardstraße soll ein Quartier mit Wohnungen für behinderte Menschen und Senioren, ein Internationaler Kindergarten, ein Internat, eine Fachambulanz, eine Tagesklinik, eine Diakoniestation und Arztpraxen entstehen. Die Höhe der Investitionen belaufen sich auf rund 35 Millionen Euro. Mit im Boot sind der CJD Braunschweig und die Stiftung Neuerkerode.

Bei der Stadt rannte die Stiftung offene Türen ein: Mit dem Brawo-Park und dem geplanten Hotelneubau an der Stadthalle sei St. Leonhard ideal geeignet, das Bahnhofsquartier attraktiver zu machen, freute sich damals Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Doch dann fuhr die BIBS schwere Geschütze auf: Die Ratsfraktion unterstellte Bauherrn und Stadt Missachtung des Denkmalschutzes, Verfahrensfehler und Kungelei.

Es habe kein reguläres Bauverfahren auf der Grundlage des Baugesetzes gegeben, so der Vorwurf. Die Stadt habe vielmehr demokratische Prozesse ausgehebelt, „um einem Investor mit guten Kontakten zur Stadtverwaltung eben mal so eine millionenschwere Investition zuzuschustern“, kritisierte die BIBS. Die Fraktion schaltete außerdem das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur ein. Bei der obersten Denkmalschutzbehörde sollte geprüft werden, ob der geplante Abriss der historischen Stallungen und der Reithalle zugunsten von Neubauten überhaupt rechtens ist.

„Normales Verfahren“

War’s das jetzt erst einmal? Nein, sagt die Stiftung. Die Bauanträge würden in Kürze eingereicht werden, der Prüfung der Denkmalbehörde blicke man gelassen entgegen. „Wir haben selbstverständlich bei unseren Planungen den Denkmalschutz eingebunden und bereits in einer sehr frühen Phase um Beurteilung der Bestandsbauten gebeten“, wehrt sich Bernd Assert, Sprecher der Stiftung. Dabei hatte die Denkmalschutzbehörde nie eine ausdrückliche Empfehlung gegeben, den südlichen Reitstall zu erhalten.
„Auf den ersten Blick mögen Laien denken, dass es sich dabei um ein schützenswertes Gebäude handelt, aber tatsächlich war es nach dem Krieg eine Ruine“, stellt Assert klar. Das Dach sei längst erneuert, im Innern teilweise Stahlbeton verbaut worden. Stiftung und Verwaltung gehen deshalb davon aus, dass sich die Behörde in Hannover nicht querstellt.

Bleibt der Vorwurf, die Stadt habe versucht, ein Mitspracherecht von Bürgern und Gremien zu behindern. Auf Anfrage der NB erklärt die Verwaltung hierzu: „Gibt es wie im Fall des Quartiers St. Leonhard keinen Bebauungsplan, wird entschieden, ob ein einfaches Baugenehmigungsverfahrens zulässig ist, oder ob ein Bebauungsplan unter Beteiligung der Öffentlichkeit und des Rates erarbeitet wird. Letzteres ist in der Regel dann der Fall, wenn das Bauvorhaben starke Auswirkungen und Beeinträchtigungen des Umfelds mit sich bringt, etwa bezüglich von Emissionen, Auswirkungen auf die Nachbarschaft oder Umweltaspekten.“

Dies, so die Verwaltung, sei bei St. Leonhard nicht der Fall. „Das Bauprojekt fügt sich in die Umgebung ein, daher wird im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens über den Bauantrag entschieden, sobald dieser vorliegt. Davon, dass ein normales oder übliches Verfahren nicht eingehalten wurde, kann also keine Rede sein.“
Die Stiftung rechnet im Sommer mit der Baugenehmigung, Baubeginn soll dann im Herbst dieses Jahres sein.

FAKTEN

Mit dem rund 35 Millionen Euro teuren Bauprojekt St. Leonhard werden unter anderem Wohnungen für Menschen mit Behinderung und für Senioren, Räume für einen „International Kindergarten“ und eine Tagesklinik eingerichtet. Nutzer sind unter anderen das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) Braunschweig, die Evangelische Stiftung Neuerkerode und die Borek Immobilien GmbH. Das Konzept des Büros Feddersen Architekten (Berlin) sieht mehrere schön gestaltete Höfe und Plätze vor, die allen Bewohnern, Nutzern und Gästen offen stehen. Ebenso werden alle Einrichtungen offen für alle Menschen sein.
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