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Provisorium für viele Monate

Nächste Woche werden hier die ersten Flüchtlinge einziehen: Brigitte Finze-Raulf (M.) informierte Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke (2.v.r. mit Pressesprecher Rainer Keunecke), ihre Kollegen vom Fachbereich Soziales und Gesundheit und Medienvertreter über den Stand der Umbauarbeiten. Foto: Korth
 
Die Plastikplanen an den Metallzaunelementen sollen wenigstens ein bisschen Privatsphäre schaffen. Foto: Korth

In der Sporthalle Naumburgstraße eröffnet die Stadt die erste kommunale Erstaufnahme.

Von Marion Korth, 09.01.2016.

Braunschweig. Betretenes Schweigen beim Gang zwischen den mit Plastikplanen bespannten Metallzaunelementen.

Provisorische Zimmer – die Mitarbeiter der Sozialabteilung sprechen von Waben – wurden abgeteilt Um die zwölf Quadratmeter für vier Personen. Stockbetten, abschließbare Spinde, kein Stuhl, kein Tisch. So sieht es also aus, das neue Zuhause für knapp 160 Menschen, für die die Sporthalle Naumburgstraße hergerichtet worden ist.

Nächste Woche kommen die ersten 23 Flüchtlinge, sieben werden woanders untergebracht. Dann wird es keine Besuche von Fremden mehr geben. Flüchtlinge und Personal haben Scheckkartenausweise mit Lichtbild, Besuch muss sich anmelden. Aus Sicherheitsgründen, aber auch, um die Privatsphäre der Flüchtlinge wenigstens ein bisschen zu schützen. Vorn am Eingang ist die Einlasskontrolle. Der Sicherheitsdienst wird rund um die Uhr da sein, tagsüber auch ein Mitarbeiter des Sozialamtes. Ein Arzt wird dienstags und donnerstags Sprechzeiten haben.

Laut und unruhig wird es hier werden, wenn nach und nach alle 156 Betten belegt werden. Die Toiletten und Waschgelegenheiten befinden sich in Containern draußen vor der Tür. Zwei Familien sind angekündigt, außerdem Alleinreisende und Ehepaare, das jüngste Kind ist eineinhalb Jahre alt. Menschen aus Syrien, Somalia, Algerien, dem Iran oder Irak. Namentlich sind die Flüchtlinge alle bekannt, sie leben bislang in der LAB-Außenstelle Asse. Beengte Zustände herrschen auch dort. „Vielleicht wird dies für die Flüchtlinge sogar eine kleine Verbesserung sein“, hofft Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke. Bis die festen Wohnanlagen für die Flüchtlinge, die die Stadt Braunschweig in diesem Jahr aufnehmen muss, fertiggestellt sind, werde bestimmt ein Jahr vergehen, trotz vereinfachter Verfahren. „Vielleicht geht es etwas schneller“, ist Hanke vorsichtig optimistisch.

Grobspanplatten auf dem Boden und an den Wänden schützen den Belag und machen die Sporthalle, die zuvor von den Boxern des BC 72 sowie den Hockeyspielern des BTHC genutzt worden ist, ein bisschen wohnlicher. Zur Ausstattung gehören WLAN als unverzichtbare Verbindung in die Heimatländer, Wasserkocher und die Möglichkeit, Babynahrung zu erwärmen, ein Kühlschrank, Waschmaschinen und Trockner draußen in den Containern. Drei Mal am Tag wird Essen gebracht, ehrenamtliche Helfer vom DRK werden die Mahlzeiten ausgeben. Schweinshaxe steht nicht auf dem Speiseplan. „Gemüse, viel Fladenbrot und Schafkäse“, zählt Marion Becker auf, was die meisten Flüchtlinge gern essen.

Rauchmelder wurden angebracht, Leuchtzeichen weisen die Fluchtwege. Nicht nur die Betten werden nach Plan belegt, auch gelüftet wird nach Plan. „Die Sporthalle ist nicht für die Dauerbelegung mit 160 Menschen ausgerichtet“, sagt Martin Klockgether, Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Soziales. Gerade in dieser Jahreszeit könnte Feuchtigkeit ein Problem werden.
437 Flüchtlinge kommen bis Ende März, mit bis zu 1000 rechnet die Stadt bis Ende 2016. Weitere Erstaufnahmen entstehen in den Sporthallen in Watenbüttel und in der Moselstraße.
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