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Protest gegen Schlachthof

Geplante Anlage bei Celle erhitzt nicht nur in der Region die Gemüter.

Von Birgit Leute, 22.09.2010.


Wietze/Wolfenbüttel. Ab 2011 will der neue Riesenschlachthof in Wietze jährlich 130 Millionen Hähnchen schlachten. Auch rund um Braunschweig sollen Mästerein entstehen. Doch es gibt heftigen Widerstand: Am Sonnabend (25. September) startet eine Demonstration in Stuttgart gegen den Schlachthof.

„Die Anlage erregt inzwischen bundesweit die Gemüter“, sagt Norbert Juretzko von der Bürgerinitiative Wietze. Seit Monaten kämpft er gegen den geplanten Hähnchenschlachthof im Landkreis Celle.
Anlässlich der „Internationalen Woche zur Abschaffung des Fleisches“ vom 20. bis 26. September hat unter anderem die Tierrechtsinitiative Region Stuttgart zu einer Demo gegen diesen Schlachthof aufgerufen.
Die Region Braunschweig ist von dem Bau direkt betroffen, rund um die Stadt sind Mastbetreibe geplant, elf Landwirte aus den Kreisen Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Gifhorn wollen in die Mast einsteigen und haben um Genehmigungen ersucht. Doch angesichts der massiven Proteste wächst bei ihnen die Sorge vor einer Eskalation. „Bei einem Kollegen im Landkreis Harburg wurde Feuer gelegt“, sagt Gerhardt Schwetje, Landwirt aus Wolfenbüttel.
Im Juli erhielt der Schlachthof bereits die Baugenehmigung, doch immer noch ruft die Bürgerinitiative Wietze jeden Montag zu einer Mahnwache am Bauzaun auf. „Noch ist nichts entschieden“ gibt sich Norbert Juretzko kämpferisch.Was den Schlachthof betrifft, hätte die Gewerbeaufsicht nur eine Teilgenehmigung gegeben. Offen sei noch die Abwasserentsorgung.
Um was geht es genau bei dem Projekt? Die Firma Rothkötter, Neueinsteiger in der Hähnchenschlachtung und Konkurrent der Marktführer Wiesenhof, Stolle und Sprehe, plant in dem 8000-Einwohner-Ort Wietze einen Geflügelschlachthof, der zu den größten in Europa zählt. Wenn die Anlage im März 2011 in Betrieb geht, sollen hier wöchentlich 2,6 Millionen Hähnchen geschlachtet werden. Rothkötter ist dabei auf entsprechende Mastbetriebe im näheren Umkreis angewiesen. Tatsächlich tragen sich bereits Bauern in der Region mit dem Gedanken, in die Mast einzusteigen. Gerhard Schwetje, Landwirt aus Wolfenbüttel und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ist einer von ihnen: „Wer als Landwirt langfristig überleben will, muss sich dem Trend anpassen“, sieht er seine Situation nüchtern. Unterstützung erhält er dabei von der niedersächsischen Landesregierung, die Mastanlagen ausdrücklich fördert – unter anderem zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes.
Tierschutz oder Billighähnchen? Bei der Diskussion ist letztlich auch der Verbraucher gefragt, einmal sich und seine Ernährungsgewohnheiten kritisch zu hinterfragen.
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