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Prominenz lockt aus dem Fernsehsessel

„Hollywood-Hamburg-Harz: Tatort Heimat“ – Wahlkampf-Talkshow in der Lindenhalle.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 15.09.2017.

Wolfenbüttel. „Dass Sonntagsabends zur Tatortzeit mehr als 700 Leute hier in die Lindenhalle kommen, freut mich sehr“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel bei der Wahlkampf-Talkshow in Wolfenbüttel.

Und mit Blick auf seine prominenten Gäste fügte er noch ein „wahrscheinlich hätte ich wegbleiben können“ hinzu. Thomas Gottschalk und Johannes B. Kerner haben den SPD-Vizekanzler sozusagen als Lockmittel begleitet, inhaltlich übernahm Gabriel von Anfang an die Führung.

Dunja Kreiser, SPD-Bürgermeisterin aus dem Elm, versuchte tapfer inmitten dem schlagfertigen Trio die eingesammelten Publikums-Fragen zu platzieren. „Meine Michelle zieht sich aber immer um“, bemerkte Gottschalk grinsend bei der zweiten Frage und schaute erstaunt auf das noch immer gleiche Pünktchenkleid der Bürgermeisterin.
Das Publikum gemischt, offensichtliche SPD-Anhänger und Fans der Fernsehstars dürften sich die Waage gehalten haben, sie kamen aus der ganzen Region, wie an den Nummernschildern der Autolawine Richtung Lindenhalle gut zu erkennen war.
Und die Gäste hatten viele Fragen mitgebracht, die die Bürgermeisterin immer wieder einstreute. Da wurde das witzige Geplänkel auf der Bühne auch immer wieder sachlich, politisch und ernst.

Sigmar Gabriel versprach einen ehrlichen Umgang mit den Wählern und ehrliche Antworten. „Wenn Ihnen jemand einfache Lösungen anbietet, dann lügt er sehr wahrscheinlich“, sagte er. Jahrzehntelang habe ein fast naiver Glaube an die Übersichtlichkeit des Lebens geherrscht, das sei ein für alle Mal vorbei. „Wir dürfen den Menschen nicht einreden, dass es wieder einfach wird.“ Wobei – „übersichtlich und einfach war es auch nur für uns Menschen in Europa.“

Warum im Wahlkampf nicht mehr über die „normalen Leute“ geredet wird, wollte Kerner wissen, „warum gibt es jeden Abend kurz vor der Tagesschau die Aktienkurse?“, fragte Gabriel zurück, „ist das vielleicht wichtig?“ Ängste und Sorgen müssten stärker wahrgenommen werden, denn Bewegungen wie die AfD machten sich diese Ängste zunutze. „Die Lehre darf nicht sein: Du musst erst die AfD wählen, bis die Politiker aufmerksam werden“, sagte Gabriel.

„Hast du den Eindruck, dass sich die Menschen überhaupt für Politik interessieren?“, fragte Gottschalk. Es gebe eine große Sehnsucht, aber viele, die mitmachen möchten, wollten nicht durch die „Mühlen“ des Parteiapparates gehen, erklärte Gabriel, „wir müssen neue Zugangswege finden“. Und dann noch die Zuschauerfrage an Thomas Gottschalk: „Machen Sie noch einmal ,Wetten dass …’?“ „Nur wenn die SPD die Wahl gewinnt“, antwortet der Entertainer. Nach gut zwei Stunden war Schluss, viel Applaus in der Lindenhalle.
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1 Kommentar
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Hans-Jürgen Hain aus Braunschweig - Innenstadt | 18.09.2017 | 22:02  
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