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Prominenz im Sozialkaufhaus

Bundesministerin Ursula von der Leyen beeindruckt von Fähigkeiten behinderter Menschen.

Von Martina Jurk, 11.08.2013.

Braunschweig. Politprominenz im Sozialkaufhaus Fairkauf in der Stecherstraße 4 der Lebenshilfe Braunschweig am vergangenen Donnerstagmorgen. Ursula von der Leyen informierte sich zwischen Kinderkleidung und Haushaltswaren über praktizierte Inklusion.

Das Thema liegt der Bundesarbeits- und -sozialministerin augenscheinlich am Herzen. Auf der parlamentarischen Bühne in Berlin kämpft die zierliche, ehrgeizige Politikerin darum, dass ein neues Bundesleistungsgesetz für Menschen mit Behinderung endlich auf den Weg kommt. Denn seit Jahren sei die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen überfällig. Danach soll der Bund sich maßgeblich an der Finanzierung der Eingliederungshilfe beteiligen. Ziel ist es, die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung zu verbessern.
Um so beeindruckter war die Bundesministerin, welche Fähigkeiten die Beschäftigten im Sozialkaufhaus haben, wie sie die Herausforderungen des „normalen“ Alltags meistern und wie es gelingt, Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze zu verschaffen – außerhalb der „klassischen“ Werkstätten der Lebenshilfe. Das Kaufhaus sei dafür ein Musterbeispiel.
Aymen Ben Kacem ist einer von 14 Mitarbeitern im Kaufhaus und steht an der Kasse. „Ein ganz wichtiger Posten“, erkennt Ursula von der Leyen an. Sie sei ihm schon einmal begegnet – 2004 bei einer Kunstausstellung im Landtag, sagt sie und zeigt ein „Beweisfoto“. Aymen ist nämlich auch Künstler im Kunstatelier Geysostraße 20. „Das sind ja Sie“, erkennt Aymen die damalige niedersächsische Sozial- und Familienministerin wieder, „da hatten Sie noch lange Haare.“ „Sie auch“, entgegnet Ursula von der Leyen. „Die kurzen Haare stehen Ihnen gut. Jetzt müssen Sie nur noch sagen, dass Sie meine Frisur heute auch toll finden“, fordert sie den jungen Mann auf. „Hervorragend“, so das Kompliment an die Ministerin. Wahlkämpferischer Small Talk.
Im ehemaligen Matthiesen-Modehaus an der Stecherstraße sind auf vier Ebenen DVD, Bücher, Porzellan, Geschirr, Tischdecken, Bekleidung, Schuhe, Handtaschen, Bettwäsche, Möbel, Spielwaren, Kinderbekleidung, Kleinmöbel, Haushaltswaren und Sportartikel untergebracht – ausschließlich Spenden. Alle paar Wochen wird das Sortiment aktualisiert. Das Kaufhaus ist offen für alle Bürger. Jeder kann und soll hier einkaufen. Das Möbellager befindet sich im Rebenpark, wo 24 Mitarbeiter beschäftigt sind.
Wie die Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt funktioniert, welche Erfahrungen die Braunschweiger damit gemacht haben, will die Bundesministerin wissen. Lebenshilfe-Geschäftsführer Detlef Springmann macht auf die Kampagne „Braunschweig bewegt“ aufmerksam, die Unternehmer und Arbeitgeber zusammenführe, um Menschen mit Beeinträchtigungen in deren Unternehmen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.
So seien 80 von insgesamt 1036 Menschen in der Werkstatt für behinderte Menschen (einschließlich sechs Auszubildende) inzwischen in 20 Firmen beschäftigt, darunter bei Ikea, Solvis und Milkau.
„Die Lebenshilfe ist in Braunschweig tief verwurzelt und stark vernetzt mit allen politischen Gremien und gesellschaftlichen Organisationen. Das ist ein besonderes Miteinander“, erklärt Springmann stolz. Inklusion könne nur gelingen, wenn Menschen mit Behinderung überall mitmachen könnten.
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