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Polizei will Präsenz verstärken

Das Sicherheitskonzept für den Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist gut und ausreichend, stellte gestern der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion, Walter Kirchhoff, klar. Archivfoto: T.A.
 
Annelie Bock ist an ihrem Stand von lauter „Hoffnungsschimmern“ umgeben. Die Menschen hätten gelassen reagiert.

Nach Anschlag in Berlin wurde gestern in Braunschweig über Konsequenzen gesprochen.

Von Marion Korth, 21.12.2016.

Braunschweig. Zwölf Menschen kamen am Montagabend bei dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin-Charlottenburg ums Leben, 49 wurde verletzt, 14 von ihnen sehr schwer. Die genauen Hintergründe standen gestern noch nicht fest. In Berlin wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

In Braunschweig trafen sich am Dienstag Ordnungsdezernent Claus Ruppert und Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa mit Vertretern von Polizei, Feuerwehr und Schaustellerverband, um die Situation zu diskutieren. Als Reaktion will die Polizei ihre Präsenz auf und um den Weihnachtsmarkt erhöhen.

„Uns wird heute ein weiteres Mal schmerzlich bewusst, wie verletzlich unsere freie, offene Gesellschaft ist und dass es Menschen gibt, die sie bekämpfen. Dennoch gilt: Wir müssen diese Freiheit gemeinsam verteidigen und dafür einstehen, auch wenn es absolute Sicherheit nicht geben kann. Aus Angst den öffentlichen Raum zu meiden, kann nicht die richtige Antwort sein“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth.

„Man könnte ja sagen, Berlin ist weit weg, aber Berlin ist nicht weit weg.“ Die gefalteten Papiersterne und -häuschen am Stand von Annelie Bock leuchten gegen die Dunkelheit an und genau so scheinen es die Braunschweiger zu machen.
„Ich habe mich gerade noch mit einer Kollegin unterhalten, ich bin fast erstaunt, wie wenig die Menschen reagieren, niemand hat uns darauf angesprochen“, sagt Annelie Bock. Am Vormittag, als zwischen 10 und 11 Uhr vergleichsweise wenig auf dem Weihnachtsmarkt rund um den Dom los war, wollte sich schon Skepsis breit machen, aber am Nachmittag waren mehr Leute unterwegs als am Montag. Offenbar hat der Anschlag in Berlin, dessen Hintergründe gestern noch rätselhaft waren, niemanden davon abgehalten, auf den Weihnachtsmarkt zu kommen. „Es nützt ja auch nichts, was soll man machen“, meint Annelie Bock. Ähnlich sieht es Stefan Franz, Vorsitzender des Schaustellerverbandes: „Wir wollen uns vom Terror nicht unterkriegen lassen.“ Natürlich sei der Vorfall ein Gesprächsthema gewesen. „Wir sind darüber betrübt“, sagt Franz. „Tragisch“, meint Maikel Blume nachdenklich, während sich sein Kinderkarussell weiterdreht.

Die Hoffnung der Schausteller und Marktbeschicker, dass die Menschen sich nicht vom Einkaufen oder Bummeln abhalten lassen, scheint sich zu erfüllen, auf dem Markt ist es nicht leerer als sonst. „Ich lasse mir meinen Spaß nicht verderben“, sagt Robin Koppelmann, der um die Mittagszeit eine Bratwürstchenbude ansteuert. Seine Meinung: „Es ist in Ordnung, wenn man in Berlin aus Trauer den Weihnachtsmarkt schließt, aber man sollte jetzt nicht alles verrammeln.“ So wie ein Verzicht aufs Fliegen oder eine Reise nach Paris aus Angst vor Terror für ihn keinen Sinn macht. „Das wollen die doch nur.“

Reaktionen:

Landeskirche: „In Trauer vereint“


Wolfenbüttel (m). Landesbischof Dr. Christoph Meyns hat gestern sein „Wort zum Alltag“ im Dom den Menschen in Berlin gewidmet. In Gedanken sei er bei den Opfern und ihren Familien, hatte er zuvor bereits schriftlich erklärt. Jetzt sei die Stunde, die Trauer und den Schmerz zu teilen.
Gleichzeitig mahnte der Landesbischof zu Besonnenheit und einer differenzierten Sicht auf die Ereignisse.
Die Weihnachtsbotschaft ermutige Christen, für Frieden und Versöhnung einzustehen und nicht Rache und Vergeltung das Wort zu reden. Der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt müsse unterbrochen werden: „Gott will nicht den Tod, sondern das Leben.“

Stadt und Polizei: "Sicherheitskonzept gut und ausreichend"

Braunschweig. Auch nach dem Anschlag in Berlin gilt: An der allgemeinen Sicherheitslage hat sich nichts geändert. Bereits seit langem gelte für ganz Deutschland eine erhöhte abstrakte Gefahrenlage wegen möglicher terroristischer Anschläge. Hinweise auf eine konkrete Gefährdung in Braunschweig gebe es jedoch nicht. Das betonte gestern der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion, Walter Kirchhoff, und stellte klar, dass das Sicherheitskonzept für den Braunschweiger Weihnachtsmarkt auch nach dem Anschlag in Berlin gut und ausreichend ist.
Schon seit gestern sind auffällig mehr Polizeibeamte in Uniform auf dem Markt zu sehen. Es sei wichtig, die Sorgen der Bürger ernstzunehmen, sagte Kirchhoff. Daher habe die Polizei ihre Präsenz auf und um den Weihnachtsmarkt deutlich erhöht. Die Beamtinnen und Beamten sollen ausdrücklich auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wenn Besucher des Weihnachtsmarktes Fragen haben. Weiteren Handlungsbedarf für Sicherheitsmaßnahmen sieht die Polizei derzeit nicht. Besondere Sicherheitshinweise geben Polizei und Stadt nicht. „Es gilt, wie auch sonst, wachsam zu sein, und die Polizei zu kontaktieren, wenn etwas auffällt“, sagte Ordnungsdezernent Claus Ruppert.

Muslime: Solidarität bekundet


Berlin (m). Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, drückte gestern seine tiefe Bestürzung und seinen Schmerz darüber aus, dass unschuldige Bürger „diesem Wahnsinn“ zum Opfer gefallen seien. „Unser tief empfundenes Mitgefühl und unser Beileid gelten allen, die ihre Liebsten bei dieser Schreckenstat verloren haben. Die Tat erinnert an die Attentate von Brüssel, Paris und Istanbul, was uns Muslime zutiefst betroffen macht. Den Mörder dieser entsetzlichen Tat muss die volle Härte unserer Gesetze treffen“, sagte er. Gemeinsam wolle man dafür einstehen, dass die Weltstadt Berlin mit ihren Menschen eine weltoffene, lebensfrohe und tolerante Stadt ist und bleibe.
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1 Kommentar
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Hans-Jürgen Hain aus Braunschweig - Innenstadt | 25.12.2016 | 13:44  
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