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Polizei arbeitet ihre eigene Geschichte auf

Braunschweig: Landesmuseum |

Ausstellung im Landesmuseum vom 2. Oktober bis 31. Januar

, 29. September 2015. Von Martina Jurk
Hunderttausende Tote in der Zeit des Nationalsozialismus gehen auf das Konto der Polizei. Ein Satz, der hart nachklingt. Die Wanderausstellung „Ordnung und Vernichtung. Die Polizei im NS-Staat“ im Braunschweigischen Landesmuseum beschäftigt sich genau mit diesem Thema.
Sie wurde konzipiert vom Deutschen Historischen Museum in Berlin in Kooperation mit der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Das Polizeimuseum in Nienburg hat daraus für Norddeutschland eine Wanderausstellung entwickelt. „Mit der Ausstellung setzen wir uns mit unserer eigenen Geschichte auseinander. Sie soll zum Nachdenken und zum Disput anregen, das Gewissen aufrütteln“, sagte Polizeipräsident Michael Pientka bei der Vorstellung.
„Das zentrale Thema der Ausstellung ist die Veränderung der Polizei, weg von der Gewaltausübung im Rahmen der Gesetze hin zum Befehlsempfänger und zum zentralen Instrument des NS-Verfolgungssystems. Die Polizei wird nicht als Opfer, sondern als Teil der Täterseite dargestellt“, erklärte Kurator Dr. Dirk Götting vom Niedersächsischen Polizeimuseum in Nienburg.
Zeitlich wird der Bogen gespannt von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit. Auch der Braunschweig-Bezug fehlt in der Ausstellung nicht. „Hier waren die Nationalsozialisten schon vor 1933 regierungsmächtig. Hier wurde eine Sicherheitspolizei installiert, die unter anderem Oberbürgermeister Ernst Böhme seines Amtes enthob – auf Befehl“, so Götting.
Der zweite Teil der Ausstellung beschäftigt sich damit, wie der Wandel der Republik in eine totalitäre Diktatur von der Polizei unterstützt wurde. Mobile Mordkommandos wurden eingerichtet, die Juden verfolgten und erschossen. Der Braunschweiger Polizeichef Friedrich Jeckeln meldete Riga „judenfrei“. Die Polizei war an der Vernichtung ganzer Bevölkerungsteile beteiligt – auf Befehl.
Auf Befehl gehandelt zu haben – das „entlastete“ Polizisten nach Kriegsende und bewahrte sie vor einer Verurteilung. Der juristische Umgang mit den Verbrechen durch die Polizei ist Inhalt des dritten Teils.
Die Ausstellung ist sehr text- und dokumentlastig, sachlich und unaufgeregt, aber „die Geschichte und die Geschichten sprechen für sich“, so Museumsdirektorin Dr. Heike Pöppelmann. Die Teilnahme an einer Führung empfiehlt sich (jeden Sonntag 14 Uhr). Vier Vorträge und eine Lesung vertiefen den Stoff. Infos: www.landesmuseum-braunschweig.de .
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