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Phosphor – viel zu schade für die Verbrennung

Diese Luftaufnahme zeigt die Kläranlage Steinhof. Der Abwasserverband Braunschweig ist Eigentümer der Kläranlage. Fotos: Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE-BS)
 
Andreas Hartmann.

Bundesumweltministerium stellt die Weichen für Wiederverwertung – Braunschweig geht mit „Klärwert“ voran.

Von Marion Korth, 18.07.2017.

Berlin/Braunschweig. Außer Licht, Luft und Wasser benötigen Pflanzen etliche Nährstoffe, um zu wachsen und Erträge zu bringen. Phosphor ist einer der drei wichtigsten Nährstoffe und noch dazu ein Rohstoff, der knapp wird.

Und einer, der zu schade ist für die Müllverbrennung, sagt das Bundesumweltministerium. Deutschland ist ausschließlich auf Phosphorimporte angewiesen, doch es gibt eine Rohstoffquelle im Land: Klärschlamm. Mit der neuen Klärschlammverordnung will das Ministerium die Weichen auf Wiedergewinnung stellen. Ziel sei es, nach und nach den Stoffkreislauf Phosphor zu schließen und damit die Abhängigkeit Deutschlands von Phosphorimporten abzubauen. Das schont die endlichen Phosphorressourcen und verringert Schadstoffeinträge in Böden. Das Recycling soll dort stattfinden, wo der Phosphor in Form von Klärschlamm anfällt – in den Kläranlagen. Was aber bedeutet das für Braunschweig? Die NB fragte Andreas Hartmann, Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE-BS), nach dem Stand der Dinge.

? Wie viel Klärschlamm fällt jährlich in Braunschweig an?

! Es fallen insgesamt 9000 Tonnen Trockensubstanz Klärschlamm an, die infolge der Behandlung in den Faultürmen auf 4500 Tonnen Trockensubstanz reduziert werden. Gleichzeitig wird Methan erzeugt.

? Und was passiert damit?

! Bis Ende 2016 erfolgte eine vollständige Verwertung in der Landwirtschaft, ab 2017 wird ein Drittel der Gesamtmenge verbrannt (thermisch verwertet), ab 2018 circa die Hälfte der Gesamtmenge, gegebenenfalls auch etwas weniger.

? Für Kläranlagen in einer Größenordnung wie Braunschweig sie hat, ist eine Übergangsfrist von zwölf Jahren vorgesehen, das ist eine lange Zeit. Gibt es überhaupt schon Überlegungen dazu?

! Das Thema beschäftigt den Abwasserverband Braunschweig (AVBS) als Eigentümer der Kläranlage Steinhof und die Stadtentwässerung Braunschweig (SE-BS) als Abwasserdienstleister schon länger. Der Umstieg von der landwirtschaftlichen Verwertung des Schlamms hin in die thermische Verwertung wurde bereits eingeschlagen und weitere Konzepte mit dem Ziel der Nährstoffrückgewinnung (Phosphor und Stickstoff) sind in Arbeit und werden umgesetzt.

? Wie bekommt man den Phosphor überhaupt aus dem Klärschlamm heraus, ist das technisch aufwendig?

! Es gibt diverse Möglichkeiten Phosphor zurückzugewinnen. Die Verfahren sind überwiegend aufwendig und wenig erprobt, mit Ausnahme der MAP-Fällung (Magnesium-Ammonium-Phosphat oder Struvit, dient als Phosphordünger – mit Fällung wird das Abscheiden eines gelösten Stoffes aus einer Lösung bezeichnet), die nächstes Jahr in Braunschweig unter dem Projektnamen „Klärwert“ in Betrieb gehen soll. Mit dem Projekt „Klärwert“ wird das Ziel verfolgt, die Klärschlammmenge weiter zu reduzieren, mehr Methan zu erzeugen und die Rückgewinnungsquote für pflanzenverfügbaren Phosphor und Stickstoff zu erhöhen. Zudem soll die Reinigungsleistung der Kläranlage verbessert werden. Inbetriebnahme ist 2019 geplant.

? Sind mit einer Phosphorrückgewinnungsanlage nur Kosten verbunden oder auch Einnahmen, weil Phosphor ein knapper Rohstoff ist?

! Bisher treten nur Kosten auf beziehungsweise nur sehr geringe Erlöse.

Info:

Phosphor wird vor allem als Düngemittel eingesetzt. Bei der Herstellung von mineralischen Phosphordüngern ist Deutschland – wie auch fast alle anderen EU-Staaten – vollständig von Importen abhängig. Afrika verfügt beispielsweise über natürliche Phosphorvorräte.
Theoretisch können diese Importe zu 50 bis 60 Prozent durch Phosphor aus Klärschlamm ersetzt werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, verpflichtet die neugefasste Klärschlammverordnung vor allem Betreiber größerer Abwasserbehandlungsanlagen zur Phosphorrückgewinnung aus phosphorreichen Klärschlämmen.
Während der Übergangsfrist, in der geeignete Rückgewinnungsverfahren entwickelt werden, soll die unmittelbare Düngung mit Klärschlamm zurückgefahren werden. In Braunschweig greift die Pflicht zur Rückgewinnung in zwölf Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung voraussichtlich im Herbst.
2015 fielen in Deutschland rund 1,8 Millionen Tonnen kommunaler Klärschlämme (Trockenmasse) an. Nur rund ein Drittel wurde zum Düngen und zur Bodenverbesserung eingesetzt. Der überwiegende Anteil wurde nach einer thermischen Behandlung auf Deponien abgelagert, dabei ging Phosphor verloren. Quelle Bundesumweltministerium
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