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Orthopäden befürchten Insolvenzen

Protestaktionen gegen Honorarreform: ab 1. April nur noch 20,82 Euro pro Patient und Quartal

Von Martina Jurk, 24.03.2010

Braunschweig. Den rein konservativ tätigen Orthopäden, das sind die, die nicht operieren, droht die Pleite. „Die Lage ist ernst“, sagt Dr. Wolfgang Fiedler (56), Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Er hat seine Kollegen in den insgesamt 400 niedersächsischen Praxen zu einer Protest- und Aktionswoche aufgerufen mit dem Ziel, politischen Druck auf die Kassenärztliche Vereinigung auszuüben. „Das von den Krankenkassen zur Verfügung gestellte Geld muss gerechter umverteilt werden unter Berücksichtigung der Kostenstruktur der Facharztpraxen“, fordert der Orthopäde.
Am Montag waren bereits einige Praxen in Braunschweig geschlossen, es gab lediglich einen Notdienst. Weitere Schließungen folgen im Laufe dieser Woche. „Leider habe ich es nicht geschafft, alle Kollegen zum Streik zu bewegen. Das Helfersyndrom ist zu stark, Patienten vor verschlossener Tür stehenzulassen. Aber es sind gerade die Patienten, für die wir streiken“, argumentiert Fiedler, „denn unter den aktuellen Bedingungen können wir unserem Versorgungsauftrag nicht mehr nachkommen und der Erhalt der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung ist gefährdet.“
Jede Praxis würde sich auf unterschiedliche Art an den Protesten beteiligen. Fiedlers Orthopädiepraxis im Schlosscarrée am Ritterbrunnen lässt die Patienten schätzen, was ihre Behandlung kostet. „Sie schätzen die Kosten im Durchschnitt zehnmal höher ein als wir am Ende dafür bekommen“, sagt der Facharzt. Er rechnet vor: 20,82 Euro beträgt ab 1. April der Fallwert für die komplette Behandlung eines Patienten pro Quartal, egal wie oft er dafür in die Praxis kommen muss. Im ersten Quartal 2009 waren es noch 31,60 Euro. „Damit kann man keine Praxis führen“, macht Dr. Fiedler die Situation deutlich. Die orthopädischen Facharztpraxen müssten Personal vorhalten für Röntgen, für physikalische Therapie, für Knochendichtemessungen, und insgesamt müssten die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie die höchsten Summen für die Deckung ihrer Kosten zahlen nach den Röntgenologen.
„Es muss mehr Geld ins System und gerechter verteilt werden“, fordert Dr. Fiedler. Die Honorare anderer Fachärzte seien im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Orthopäden dagegen hätten Einbußen hinnehmen müssen. Immer mehr Kollegen würden ihn anrufen und prophezeien, dass sie möglicherweise ihre Praxen schließen müssten, wenn sich nicht schnell etwas ändert. Private Insolvenzen und Entlassung von Mitarbeitern drohten.
Erkrankungen und Verletzungen des Haltungs- und Bewegungsapparates nehmen zu. Orthopädiepraxen sind überfüllt. „Für weniger Geld müssen wir immer mehr Patienten behandeln. Das ist eine Verhöhnung unseres Berufsstandes und eine Missachtung der Versorgung unserer Patienten“, so Dr. Fiedler. Er kündigt an, mit den Protesten weiterzumachen.
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