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„Notruf Wohnungsmarkt“ – Chancen für Benachteiligte

Drei Sozialverbände starten Initiative für mehr bezahlbaren Wohnraum.

Von Christoph Matthies, 18.02.2014.

Braunschweig. Wie schwer es sein kann, in dieser Stadt eine Wohnung zu finden, müssen Silke und Markus Preußner derzeit erleben. Das Paar in den Mittdreißigern gehört zu jenen Menschen „mit besonderen Vermittlungshemmnissen“, von denen im „Notruf Wohnungsmarkt“ die Rede ist. Mit diesem Appell haben sich jetzt drei Sozialverbände an Stadtverwaltung, Kommunalpolitik und Öffentlichkeit gewandt, um mehr bezahlbaren Wohnraum für sozial benachteiligte Menschen zu schaffen.

„Wir haben festgestellt, dass das Problem akuter Wohnungsnot immer größer wird“, umreißt Henning Daßler, Regionalleiter der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten, den Hintergrund des „Notrufs“. Während es allgemein schon schwierig sei, bezahlbaren Wohnraum zu finden, man denke nur an die vielen Studenten ohne Unterkunft, die zu Beginn des Wintersemesters auf „Sofa-Sharing“ angewiesen waren, hätten sozial benachteiligte Menschen, Empfänger von „Hartz IV“-Leistungen zum Beispiel, kaum eine Chance.

Nicht besser ergeht es Personen mit Schufa-Eintrag oder Haftentlassenen, die sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe machten. Rund 170 Menschen nutzen bereits heute die Wohnungslosenhilfe, um wenigstens postalisch, etwa im Kontakt mit Ämtern, erreichbar zu sein, weitere 180 wohnen in der Obdachlosenunterkunft – doch die Dunkelziffer sei hoch, die Tendenz steigend. „Günstige Wohnungen sind sehr knapp geworden. Außerdem hat die Bereitschaft der Vermieter abgenommen, an Menschen mit so einem Hintergrund zu vermieten“, beschreibt Daßler die Gründe für die zunehmende Verschärfung der Wohnraumsituation.

Markus Preußner weiß genau, wovon Daßler spricht. Seine Ehefrau Silke musste ins Gefängnis, die sieben Kinder kamen zu Pflegefamilien, das Jobcenter stellte die Zahlung für die nun zu große Wohnung ein. Die Folge: mehr als 5000 Euro Schulden bei der Baugenossenschaft BBG, ein Eintrag bei der Schufa. Rund 50 erfolglose Wohnungsbesichtigungen später drohen die Preußners auf der Straße zu landen. „Dann verlieren wir unsere Kinder, und das ganze Leben ist kaputt“, glaubt Silke Preußner fast resignierend.

Wohn-Notruf

Gemeinsam mit dem Institut für persönliche Hilfen und der Anlaufstelle für Straffällige Cura hat die Diakonische Gesellschaft Wohnen und Beraten den „Notruf Wohnungsmarkt“ initiiert. Die Resolution fordert vier Maßnahmen, um die Wohnraumsituation sozial Benachteiligter zu verbessern:
- den Ausbau kommunaler Belegrechte / Probewohnen
- die Nutzung leer stehenden Wohnraums
- die Festlegung angemessener Mietobergrenzen
- einen verstärkten sozialen Wohnungsbau.
Um Menschen wie die Familie Preußner vor der Obdachlosigkeit zu bewahren, ist auch die Mithilfe der Wohnungseigentümer vonnöten. Vermieter mit bezahlbarem Wohnraum finden bei Celine Brandt von der Diakonischen Gesellschaft ein offenes Ohr (Telefon: 2 32 29 44).
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