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Niemand wird abgewiesen

Die elektronische Gesundheitskarte soll in Zukunft Notfall- und Behandlungsdaten schneller verfügbar machen. Diese zusätzlichen Funktionen werden aber schrittweise eingeführt. Grafik: Bundesministerium für Gesundheit/oh

Elektronische Gesundheitskarte seit 1. Januar.

Von Marion Korth. 05.01.2014. Braunschweig.
Die alte Krankenversicherungskarte hat ausgedient, seit dem 1. Januar müssen gesetzlich Versicherte beim Arzt die neue elektronische Gesundheitskarte vorlegen.

Wer geschludert und die neue Karte noch nicht hat, darf zunächst auf die Übergangslösung vertrauen und braucht keine Angst zu haben, vom Arzt abgewiesen zu werden oder auf den Behandlungskosten sitzenzubleiben. „Die Abrechnung ist bis auf Weiteres durch ein Abkommen zwischen Kassenärztlicher Vereinigung und Krankenkassen geregelt“, betont Dr. Uwe Köster, stellvertretender Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen.
Auffälligste Neuerung der elektronischen Gesundheitskarte ist das Lichtbild des Versicherten darauf. Das macht derzeit auch den größten Vorteil aus. „Dem Missbrauch wird damit vorgebeugt, kein Arzt lässt sich ja vom Patienten den Personalausweis zeigen“, sagt Carsten Sievers, Pressesprecher der AOK Niedersachsen. In der Vergangenheit habe es durchaus einen Schwarzmarkt, wenn auch einen kleinen, für Versichertenkarten gegeben. „Die konnte man hier in Hannover auf dem Steintorwall kaufen“, sagt Carsten Sievers. Wenn Alter und Geschlecht stimmten, dann sei eigentlich alles klar. Das Lichtbild ist nun eine zusätzliche Sicherung.
Einen zweiten entscheidenden Vorteil sieht der AOK-Pressesprecher darin, dass auf dem Chip in Zukunft auch Notfalldaten gespeichert werden können. Gerade wenn schnelle Hilfe gefordert ist, sei es gut zu wissen, wenn jemand zum Beispiel allergisch auf bestimmte Blutverdünner reagiert. Bislang liefert der Kartenchip nur einige wenige Basisinformationen wie Name, Adresse oder Krankenkasse, er kann aber deutlich mehr als der auf der alten Karte. Zusätzliche Funktionen – wie die Speicherung von Notfalldaten – werden derzeit in zwei Regionen getestet. Die komplette Patientenakte auf dem Kartenchip ist aber Zukunftsmusik. Der Aufbau der internetunabhängigen Infrastruktur, die die Sicherheit der sensiblen Daten garantieren soll, ist noch nicht abgeschlossen.
Die geringere Gefahr der missbräuchlichen Nutzung sieht auch Dr. Uwe Köster, stellvertretender Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen derzeit als größten Vorteil. Der Nachteil ist, dass die Ärzte verpflichtet seien, Patientendaten – wie einen bei der Krankenkasse gemeldeten Wohnortwechsel – online zu aktualisieren. Die Speicherung zusätzlicher Patientendaten verknüpft die Ärzteschaft mit einer Forderung: „Das geht nur bei entsprechender Sicherheit“, sagt Köster. Und: „Eine Zentralspeicherung wird von uns abgelehnt.“
Übrigens: 95 Prozent, bei der AOK in Niedersachsen sogar etwas mehr, haben die neue elektronische Gesundheitskarte schon. „Die Ärzte können auch die alten Karten noch einlösen, aber das ist ausdrücklich eine Übergangslösung“, betont Sievers. Am 1. Januar habe die alte Karte ihre Gültigkeit verloren und gelte damit auch nicht mehr als Krankenversicherungsnachweis.
Kritiker bemängeln die hohen Kosten der neuen Gesundheitskarte und sehen die Datensicherheit gefährdet.
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