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Nicht nur zuschauen – handeln

Der „Tag der Zivilcourage“ war Weiterbildungsstart für die Fahrer der Verkehrs-AG

Von Daniel Beutler, 17.03.2010

Braunschweig. Die Braunschweiger Verkehrs-AG befördert jeden Tag 100 000 Fahrgäste per Bus und Tram. Da ist Konfliktpotenzial vorhanden. Damit Streitigkeiten in Bus und Bahn nicht eskalieren, werden mehr als 600 Fahrer der regionalen Verkehrsbetriebe weitergebildet, um Schlimmeres zu verhindern.

„Die Veranstaltung ist nicht für die Galerie gedacht. Sie soll mehr Sicherheit für diejenigen bringen, die den Öffentlichen Personenverkehr nutzen“, sagte Braunschweigs Polizeipräsident Harry Döring. Startschuss für die Weiterbildung, die Beamte der Braunschweiger Polizei leiten, war der „Tag der Zivilcourage“ am Montag. Der wurde nach den tragischen Ereignissen in München, wo Dominik Brunner sein couragiertes Eingreifen mit dem Leben bezahlen musste, initiiert.
Die Anlässe, aus denen heraus ein Streit entsteht, sind verschieden und oft auch nichtig. Laute Musik, die die anderen Fahrgäste stört, Pöbeleien oder Beziehungsstreitigkeiten. Die Fahrer und Fahrerinnen der Region werden geschult, solche Situation durch ruhiges und bestimmtes Auftreten zu klären und als Moderatoren zu wirken. „Die Mitarbeiter aufzufordern, Zivilcourage zu zeigen reicht allein nicht. Wir müssen das Bewusstsein wecken, dann auch Verantwortung zu übernehmen“, sagt BSVAG-Vorstand Georg Hohmann.
Aber das gilt ebenso für die Fahrgäste. Wenn eine Konfliktsituation besteht, sollten sie den Fahrer informieren. Der nimmt dann in der Regel Kontakt zur Zentrale auf und leitet die weiteren Schritte ein. In jedem Fall gilt für die Fahrgäste auch das, was Trainer Karsten Frehe mit seinen Kollegen den Fahrern beibringt: „Es hilft auf jeden Fall, sich schon im Vorfeld Gedanken zu machen, wie man reagieren würde, wenn man einschreiten müsste. Es gibt dann vier Phasen, die man durchgehen sollte, wenn man Zeuge eines Streites ist. Zuerst sollte man alles genau beobachten, um im zweiten Schritt die Situation zu bewerten. Dann sollte man sich überlegen, was kann ich tun, und wie kann ich es tun? Am besten anwesende Personen informieren und um Hilfe bitten. Und es, als vierten Schritt, auch wirklich tun. Dann aber nicht provozierend eingreifen und sich auch nicht provozieren lassen.“
Denn wie Polizeipräsident Harry Döring feststellte: „Zivilcourage ist gefordert. Viele schauen zu, wenige greifen ein.“ Damit es im Ernstfall für den couragierten Helfer nicht gefährlich wird, hat Frehe noch ein paar Tipps parat. „Wenn sich mein Gegenüber vor mir aufbaut, sich groß macht, sollte man vorsichtig sein. Auch auf die Gesichtszüge ist zu achten, ebenso, ob er die Hände in den Taschen hat, in denen sich eine Messer oder ähnliches befinden könnte“, erläutert der Beamte vom „Systematischen Einsatz Training“ der Polizei Braunschweig. In jedem Fall sollte man niemals allein eingreifen und im Umkehrschluss bereit sein zu helfen, wenn man dazu aufgefordert wird.
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