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Neujahrsempfang der IHK: „Kein Kind darf verloren gehen“

Neujahrsempfang der IHK Braunschweig in der SoccerFive-Arena (von links): IHK-Präsident Dr. Wolf-Michael Schmid, Ministerpräsident Stephan Weil und Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Braunschweig Wolfsburg. (Foto: Susanne Hübner)

Die Wirtschaft sorgt sich um den Nachwuchs, aber auch um die Entwicklung der Gesellschaft. Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig, 13. Januar 2014.

„Die zentrale Herausforderung ist die Fachkräftesicherung“ – Ministerpräsident Stephan Weil und IHK-Präsident Dr. Wolf-Michael Schmid waren sich einig. Nicht nur bei diesem Thema. Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer gestern Abend in der SoccaFive-Arena an der Hamburger Straße standen Politik und Wirtschaft sprichwörtlich Seite an Seite.

Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Braunschweig Wolfsburg, hatte zuvor als Gastgeber die IHK-Mitglieder in „seiner“ SoccaFive-Arena begrüßt. „10 Jahre United Kids Foundation“ stand als Motto über dem Abend; Brinkmann erzählte anschaulich von dem Stiftungsprojekt seiner Bank. „Mehr als 18 000 Kinder in unserer Region sind arm“, sagte er. In den vergangenen zehn Jahren habe die Kids Foundation fast 14 Millionen Euro eingesammelt, „die nur und ausschließlich hier in der Region zum Wohle unserer Kinder investiert wurden“, versicherte der Bankchef.
Und startete direkt sein neues Projekt „1000x1000“. Das heißt, mindestens 1000 Menschen, Firmen oder Vereine sollen jeweils 1000 Euro oder eben mehr spenden. Und die Volksbank verdoppelt.
Die Themen Kinderarmut und Nachwuchsförderung seien gleichermaßen wichtig für die Zukunft, betonten die Redner beim IHK-Neujahrsempfang.
Mit den Spendengeldern will die Volksbank das Projekt „Hauptschul-Power“ in Braunschweig etablieren. „In Nürnberg haben sie große Erfolge damit, wir wollen für zunächst 50 Hauptschüler dieses Programm anbieten; die Schüler bekommen zwei Jahre lang am Wochenende Weiterbildung, Unterstützung, Hilfe. Und sie bekommen die Garantie auf einen Ausbildungsplatz.“
Viel Applaus bekam Brinkmann für diesen Plan, der jungen Menschen Chance und Aufbruch aus einem häufig vorgezeichneten Weg in ein Leben mit Hartz IV sein soll. Denn kein Kind dürfe verloren gehen.
Auch Ministerpräsident Weil hatte über Bildung und Qualifizierung gesprochen, kündigte weitere Verbesserungen für die Kitabetreuung und mehr Ganztagsschulen an. So müssten auf das duale Ausbildungssystem bereits die Schulen besser vorbereiten. „Jeder vierte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig beendet“, sprach er von Verlusten an den Übergängen von Schule und Universität ins Berufsleben.
Beim Thema Region gab der Ministerpräsident – wie auch schon im Vorjahr – die Verantwortung an die Akteure zurück: „Ein Masterplan von hoher Hand ausgerechnet aus Hannover“, unkte er, „da muss ich Sie enttäuschen.“ Das würde nicht funktionieren, aber der von IHK-Präsident Schmid formulierten Bitte nach einem Gesprächsformat wolle er nachkommen.
Applaus gab es für Schmid und Weil besonders in ihren Passagen, in denen sie zum Thema Nachwuchs und Fachkräftemangel deutlich auf die Chance von Zuwanderung hinwiesen, die Integration von Menschen mit Behinderungen forcierten und die Qualifizierung und Integration von Langzeitarbeitslosen lobten.
Der Ausbau von Infrastruktur war für die Redner ebenfalls zentrales Thema, wobei Straße, Bahn, Wasser und Netz gleichermaßen wichtig seien. Auch das Einhalten der Schuldenbremse auf Landesebene wurde angesprochen und als Verantwortung für zukünftige Generationen bekräftigt.

Die Rede von IHK-Präsident Schmid im Wortlaut:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum Neujahrsempfang 2015 der Industrie- und Handelskammer Braunschweig heiße ich Sie herzlich willkommen. Mein erster Gruß und besonderer Dank gilt den Ausrichtern des heutigen Abends, dem

• Kindernetzwerk United Kids Foundations und der
• Volksbank Braunschweig Wolfsburg.

Vor zehn Jahren gründete die Volksbank Braunschweig Wolfsburg eine mit zehn Millionen Euro dotierte Stiftung, vor fünf Jahren erfolgte eine Zustiftung um weitere zehn Millionen Euro. Im Mittelpunkt der Stiftung steht die Kinder- und Jugendarbeit, umgesetzt durch das Kindernetzwerk United Kids Foundations. Für alle Entscheidungsträger der beiden Sponsoren danke ich dem

• Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Braunschweig Wolfsburg, Herrn Jürgen Brinkmann

sowie den Vorstandsmitgliedern

• Herrn Michael Müller und
• Herrn Mark Uhde.

Sie haben ein einmaliges Ambiente geschaffen und zeigen uns, wie diese Volksbank BraWo SoccaFive-Arena einmal ganz anders genutzt werden kann.

Erinnerungen an unsere Kindheit geweckt wurden mit dem großen Adventskalender, der mit den Einladungskarten zu diesem Neujahrsempfang versandt wurde - eine sehr schöne Geste in der Vorweihnachtszeit. Vielfach wurden die Adventskalender an Kinder weitergereicht.

Ich danke allen unter Ihnen, meine Damen und Herren, die Sie in den letzten Wochen mit besonderen Aktionen zum Weihnachtsfest Kinder unterstützt und gefördert haben

- aus Mitteln der United Kids Foundations,
- mit der Millionen-Spende des Braunschweiger Unternehmers Friedrich Knapp,
- mit der Aktion "Das Goldene Herz" der Braunschweiger Zeitung und
- mit einer Spielzeug-Spende an die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge hier in Braunschweig, um nur einige von vielen guten Beispielen zu nennen.

Viele Braunschweigerinnen und Braunschweiger haben offenkundig ein großes Herz für Kinder - dies wird insbesondere auch den Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, Herrn Ulrich Markurth, freuen, den ich gemeinsam mit dem Ehrenbürger dieser Stadt, Herrn Ministerpräsidenten a. D. Gerhard Glogowski, sehr herzlich willkommen heiße.

Aus dem Deutschen Bundestag begrüße ich die Herren Bundestagsabgeordneten

• Heinz-Joachim Barchmann und
• Carsten Müller.

Und gern heiße ich auch heute wieder unter uns willkommen den Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landtages,

• Herrn Klaus-Peter Bachmann MdL,

sowie die Landtagsabgeordneten

• Frau Heidemarie Mundlos und die Herren

• Christoph Bratmann
• Stefan Klein
• Dr. Christos Pantazis
• Dr. Alexander Saipa und
• Uwe Strümpel.

Als Festredner unseres heutigen Neujahrsempfanges begrüße ich mit großer Freude den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen,

• Herrn Stephan Weil.

Sehr geehrter Herr Weil, ich freue mich, dass Sie auch in diesem Jahr zu uns sprechen und danke Ihnen und allen Mitgliedern Ihrer Landesregierung für eine immer an der Sache orientierte Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. Aus dem Kabinett darf ich den Finanzminister unseres Landes,

• Herrn Peter-Jürgen Schneider, sowie

die Ministerin für Wissenschaft und Kultur,

• Frau Dr. Gabriele Heinen-Kljajic,

begrüßen. Die Spitzen weiterer Landesministerien werden heute repräsentiert durch

• Frau Staatssekretärin Daniela Behrens aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr,

• Herrn Staatssekretär Stephan Manke aus dem Innenministerium,

• Herrn Staatssekretär Jörg Röhmann
aus dem Sozialministerium sowie

• Herrn Staatssekretär Wolfgang Scheibel
aus dem Justizministerium.

Meine Damen und Herren, am 17. Dezember erging ein lang erwartetes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftssteuer. Das höchste deutsche Gericht billigte damit grundsätzlich eine steuerliche Begünstigung kleiner und mittlerer Unternehmen - allerdings nicht in der bisherigen Ausgestaltung. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Minister Schneider, noch am Tage der Urteilsverkündung unterstrichen Sie die hohe Bedeutung gesicherter Übergänge bei der Vererbung unserer Familienunternehmen. Ich danke für Ihr klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Sie betonen, dafür Sorge zu tragen, dass Unternehmensfortführungen nicht durch eine unangemessene Erbschaftssteuer gefährdet werden und wollen sich mit dieser Vorgabe in die nun anstehenden gesetzlichen Beratungen zur Neuregelung der Erbschaftssteuer einbringen.

Unterstützung durch die Politik braucht die Wirtschaft in hohem Maße noch bei der Umsetzung des Mindestlohngesetzes. Hier ist ein Bürokratiemonster sichtbar, das letztlich alle Unternehmen erfasst - nicht nur die mit dem Mindestlohn direkt angesprochenen Branchen.

Alle Betriebe mit Arbeitnehmern mit einem Monatseinkommen knapp unter 3.000 Euro müssen "Mindestlohndokumentationspflichten" erfüllen, geregelt in einer "Mindestlohndokumentationspflichten-Einschränkungsverordnung" - eine ironisch anmutende Bezeichnung. Korrekt müsste es "Ausweitungs-Verordnung" heißen.

Und jedes Unternehmen, das Werk- oder Dienstleistungen beauftragt, haftet für die Einhaltung des Mindestlohns bei seinen Subunternehmen. Nahezu alle Unternehmerinnen und Unternehmer werden damit vom Mindestlohngesetz und den damit verbundenen Pflichten erheblich belastet. Aktuell vorliegende Antworten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf häufig gestellte Fragen zur Umsetzung des Mindestlohns umfassen 43 Druckseiten - hier fordere ich den Gesetzgeber eindringlich zu Nachbesserungen auf.

Und positiv gestaltende Lösungen wünsche ich mir auch für Alternativen zur "Rente mit 63", konkret zur freiwilligen Weiterarbeit über die Regelaltersgrenze hinaus. Der Vorstoß des Vorstandsvorsitzenden der Bundesanstalt für Arbeit hierzu wird von mir nachdrücklich unterstützt. Es müssen finanzielle Anreize dafür gesetzt werden, dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können. Die diesjährige Preisträgerin des Braunschweiger Forschungspreises, Frau Professorin Staudinger, hat mit aktuellen Ergebnissen der Altersforschung die These aufgestellt: "Wer länger arbeitet, lebt länger und gesünder." Es gibt bereits viele gute Ansätze von Arbeitgebern mit dem Ziel, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass eine Tätigkeit auch deutlich über das 65. Lebensjahr hinaus als echte "Win-win-Situation" möglich ist.

Unterstützung unserer IHK findet die Fachkräfteinitiative Niedersachsen, die die Landesregierung gemeinsam mit vielen Partnern auf den Weg gebracht hat. Auch mit Blick auf diese Zusammenarbeit begrüße ich gern aus dem Kreis der befreundeten Kammern und Verbände

• den Präsidenten der Handwerkskammer Braunschweig, Herrn Detlef Bade, mit Herrn Hauptgeschäftsführer Eckhard Sudmeyer,

• Frau Dr. Susanne Schmitt, Hauptgeschäftsführerin des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages,

• Herrn Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer unserer nördlichen Nachbar-IHK Lüneburg-Wolfsburg,

• den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig, unser Vollversammlungsmitglied Herrn Wolfgang Niemsch,

sowie stellvertretend für alle heute Abend anwesenden Arbeitnehmervertreter

• Herrn Uwe Fritsch, Vorsitzender des Betriebsrates Werk Braunschweig und Mitglied des Aufsichtsrates der Volkswagen AG, sowie

• Herrn Hansi Volkmann, Deutscher Gewerkschaftsbund Südostniedersachsen und stellvertretender Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses unserer IHK.

Sehr geehrter Herr Fritsch, Ihnen danke ich besonders für die Unterstützung der für unsere Region wichtigen Verkehrsinfrastrukturprojekte.

Ich freue mich auch über den Besuch aus unserer östlichen Nachbarkammer Magdeburg und begrüße gern

• den Präsidenten der IHK Magdeburg, Herrn Klaus Olbricht, und Herrn Hauptgeschäftsführer Wolfgang März.

Einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Fachkräftesicherung leisten auch alle Ansätze zu verstärkter Berufsorientierung an unseren Schulen. Entsprechende Projekte gibt es inzwischen nahezu flächendeckend in unserem Wirtschaftsraum unter maßgeblicher Mitwirkung durch die Allianz für die Region. Sehr geehrter Herr von Ingelheim, ich freue mich, dass Sie mit den weiteren Mitgliedern des Vorstandes der Wolfsburg AG und der Allianz für die Region heute hier dabei sind und wünsche Ihnen im Jahr 2015 viel Erfolg bei der Schaffung eines "gemeinsamen Daches" für alle Berufsorientierungsprojekte in unserem Wirtschaftsraum.

Sorgen bereiten mir ganz aktuell Berichte unserer Unternehmen über Stundenausfälle an unseren Berufsschulen insbesondere in gewerblich-technischen Fächern. Parallel hierzu berichten Berufsschulleiter darüber, dass sie freie Lehrerstellen in den genannten Fächern nicht oder nur mit erheblichem Zeitverzug wieder besetzen können. Dies ist ein gravierendes Problem. Wir haben hierzu, Herr Ministerpräsident, mit einer Umfrage bei Unternehmen und Berufsschulen begonnen und werden die Ergebnisse im Februar Frau Kultusministerin Heiligenstadt vortragen. Gegebenenfalls müssen stärker als bisher auch "Quereinsteiger" als Berufsschullehrer gewonnen werden.

Und in gleichem Maße bin ich besorgt darüber, dass es bei Fachbehörden offensichtlich immer schwieriger wird, Diplom-Ingenieure für den Öffentlichen Dienst zu gewinnen, so zum Beispiel auch in dem wichtigen Bereich der Planung unserer Verkehrsinfrastruktur. Ich weiß, Frau Staatssekretärin Behrens, Ihnen ist dieses Problem bekannt und Sie nehmen es auch sehr ernst. Wir müssen verhindern, dass wir Verkehrsinfrastruktur in Niedersachsen nicht bauen können, weil Planungskapazitäten fehlen. Ein erstes Alarmsignal in diese Richtung war für mich der Umstand, dass die für das letzte Quartal des vergangenen Jahres zugesagte Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens für den Ausbau des Stichkanals Salzgitter aufgrund fehlender Planungskapazitäten bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung entgegen fester Zusagen verschoben wurde. Vergleichbares darf uns bei den weiteren wichtigen Verkehrsinfrastrukturprojekten "Lückenschluss A 39" und "Weddeler Schleife" auf keinen Fall noch einmal passieren. Bei Planungsengpässen müssen dann stärker privatwirtschaftliche Planungsbüros eingesetzt werden.

Meine Damen und Herren, zur Fachkräftesicherung müssen wir alle Zielgruppen mit geeigneten Mitteln ansprechen. Hierzu zählt auch die Qualifizierung und Integration von Langzeitarbeitslosen. Hierzu hat die Bundesregierung eine sehr weitreichende Förderung von Langzeitarbeitslosen auf den Weg gebracht mit Lohnkostenzuschüssen von 75 Prozent für die ersten sechs Monate. Einzelheiten zu diesem Bundesprogramm sind der vorliegenden aktuellen Ausgabe unserer IHK-Zeitschrift "Wirtschaft" sowie auch unserem neuen Internetportal "ihk wirtschaft online" zu entnehmen.

Neben den Langzeitarbeitslosen muss unser Augenmerk auch auf die bessere Einbindung von Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung gerichtet werden. Unsere IHK hat sich erfolgreich beim Bundessozialministerium um ein Projekt zur Inklusion Jugendlicher in die Berufsausbildung beworben. Wir werden auf Ihre Unternehmen, meine Damen und Herren, zugehen und bitten sehr um Ihre Unterstützung mit dem Ziel, jungen Menschen mit Beeinträchtigungen den Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Parallel hierzu ist die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt weiter zu verbessern und die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften zu unterstützen. Der Industrieausschuss unserer IHK unter dem Vorsitz von Herrn Tobias Hoffmann wird sich am 9. Februar in einer Sitzung intensiv mit dem Problem der Gewinnung und Integration ausländischer Fachkräfte befassen.

Meine Damen und Herren, Ausgangspunkt und Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration von Zuwanderern und auch von Flüchtlingen sind Arbeitsplätze für diesen Personenkreis. Wohnraum für Flüchtlinge, wie vom Goslarer Oberbürgermeister Dr. Junk angeboten, kann nur ein erster Schritt sein, dem abgestimmt weitere mit dem Ziel der Integration in den Arbeitsmarkt folgen müssen.

Mit Sorge verfolge ich die Demonstrationen der PEGIDA-Bewegung. Nicht nur nach meinem Eindruck ein Sammelbecken aller, die unzufrieden und dagegen sind. Wir leben in einem Wohlstand, um den uns mindestens 90 Prozent der Menschen auf unserer Erde beneiden. Wir brauchen keine neuen Wut-Bürger, wir brauchen vielmehr Mut-Bürger, wir brauchen Menschen, die mitwirken bei der Bewältigung unserer Probleme - auch und gerade bei der Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen. Das schreckliche Attentat in Paris darf in keinem Fall zu einer Gewaltspirale führen. Wir müssen alle stärker als bisher Vorurteilen entgegentreten, für Toleranz und Akzeptanz kultureller Unterschiede eintreten und das friedliche Miteinander stärken. "Wir stehen zusammen" ist die richtige Antwort der westlichen Demokratien auf den Terror - wie Sie es, sehr geehrter Herr Maus, gestern in Ihrem Leitartikel formuliert haben.

Meine Damen und Herren, zurück zum engeren Wirtschaftsraum. Insbesondere die Industriekonjunktur hat uns in den letzten Jahren nach vorn gebracht. Ich freue mich über einen weiterhin sehr guten Kurs der Volkswagen AG mit einer Vielzahl zukunftssichernder Investitionen auch in VW-Standorten unseres Wirtschaftsraumes. Und kurz vor Weihnachten gab der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG die für mich sehr hoffnungsfrohe Prognose, dass 2015 alle Geschäftsbereiche des Salzgitter-Konzerns ausgeglichen oder positiv abschließen werden.

Wir leben von und mit der Industrie und daher ist es nachdrücklich zu begrüßen, dass sich sowohl Bundeswirtschaftsminister Gabriel als auch Ihre Regierung, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, deutlich zur Industrie bekennen und die Notwendigkeit weiterhin guter Standortfaktoren für die Industrie in Deutschland unterstreichen. Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit unseres Produzierenden Gewerbes ist leider kein Selbstläufer. Die politisch sehr schwierige Situation in der Ukraine, aber fortlaufend in Syrien und an anderen Teilen der Welt, der starke Kursverlust des Rubels mit gravierenden Folgen für in Russland engagierte Unternehmen und die keineswegs gebannte Gefahr einer Staatsverschuldungskrise bei einigen Ländern Europas sind Warnsignale. Der deutliche Rückgang der Energiepreise während der letzten Monate gibt unserer Industriekonjunktur noch einmal einen Schub, es bleibt zu hoffen, dass dies auch 2015 anhält.

Und einen Schub benötigen wir auch im Handel. Alles, was vom heimischen Sofa aus bestellt wird, geht dem klassischen Händler verloren. Unsere Einkaufszentren und Innenstädte sind nicht mehr alleiniger Verkaufsraum. Es besteht die Gefahr von Überkapazitäten in den Innenstädten mit Leerständen und Standort-Erosionen.

Meine Damen und Herren, meine These lautet: Die Handelspolitik braucht zukünftig noch mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit als bisher - und zwar aller Beteiligter. Sie braucht mehr Abstimmung und mehr Transparenz, einen klaren Sinn für die Realitäten. In vielen Städten haben wir heute sehr viel Verkaufsfläche bei deutlich sinkenden Flächenproduktivitäten und zusätzliche Verkaufsflächen führen in diesem Umfeld zur Verdrängung. Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Braunschweig müssen die Kommunen in unserer Region unter diesen Rahmenbedingungen neue Verkaufsflächen genauestens prüfen und abwägen - sowohl in den Innenstädten und insbesondere auch außerhalb der Innenstädte.

Für mich ist es ein positives Signal zu sehen, mit welchem Engagement die kommunal Verantwortlichen unserer Region die Fragen des innerstädtischen Handels zur Chefsache machen und ihren Innenstädten neue Perspektiven verschaffen. Ich sehe, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Klingebiel, wie Sie in Lebenstedt rund um das Stadt-Denkmal im Kern der City den innerstädtischen Handel mit Investitionen und neuen Magnetbetrieben beleben. Auch in Goslar, Peine und Wolfenbüttel wird hart um die Perspektiven gerungen. In Goslar hat der Rat entschieden, ein großflächiges Einzelhandelsprojekt am Fuße der Kaiserpfalz nicht weiterzuentwickeln und stattdessen mit Ihnen, sehr geehrter Herr Tessner, einen lokalen Investor damit beauftragt, ein handelsverträgliches Projekt an diesem exponierten Standort zu entwickeln.

Auch in Braunschweig, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Markurth, sehen wir Ansätze der Handelsentwicklung, die uns positiv stimmen. In einer konzertierten Aktion von Landesregierung, Zweckverband Großraum Braunschweig und IHK ist es gelungen, die Entwicklung der ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne neu auszurichten und auf ein innenstadtverträgliches Fundament zu stellen. Ich würde mich freuen, wenn Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Markurth, diese aktuelle Entwicklung nutzen, um das Zentrenkonzept Einzelhandel im Oberzentrum Braunschweig wieder zu einem echten Konzept zu machen, das allen Beteiligten eine zumindest mittelfristige Planungsgrundlage bietet.

Gern begrüße ich neben den Oberbürgermeistern Markurth und Klingebiel sehr herzlich unter uns auch den Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg, Herrn Klaus Mohrs. Sehr geehrter Herr Mohrs, ich gratuliere Ihnen zur Dynamik der Stadt Wolfsburg, die in einem aktuellen Städteranking erneut bestätigt wurde. Die Städte Wolfsburg und Braunschweig, meine Damen und Herren, sind neben Hamburg nach der Analyse der "Wirtschaftswoche" die zukunftsträchtigsten Standorte in ganz Norddeutschland. Und Braunschweig wurde zudem als wirtschaftsfreundlichste Stadt eingestuft - ein besonderes Kompliment an die hiesige Wirtschaftsförderung! Die Stärken von Braunschweig und Wolfsburg fordern förmlich zu interkommunaler Zusammenarbeit heraus. Hierzu begrüße ich aus den Mittelzentren herzlich

• Herrn Bürgermeister Kessler aus Peine

• Herrn Bürgermeister Schobert aus meiner Heimatstadt Helmstedt sowie

• Herrn Bürgermeister Nerlich aus Gifhorn.

Ich freue mich über die Anwesenheit aller Landräte unseres Wirtschaftsraumes und begrüße herzlich

• Frau Landrätin Steinbrügge aus Wolfenbüttel,
• Herrn Landrat Brych aus Goslar,
• Herrn Landrat Ebel aus Gifhorn,
• Herrn Landrat Einhaus aus Peine und
• Herrn Ersten Kreisrat Schlichting aus Helmstedt.

Leider brachte das vergangene Jahr keine bahnbrechenden Erfolge bei der kommunalen Zusammenarbeit. Die Vielzahl neuer Ideen steht in deutlichem Gegensatz zu konkretem Handeln. Ich wünsche uns und allen Bürgerinnen und Bürgern des hiesigen Wirtschaftsraumes hier neuen Schub, nunmehr konstruktive Ansätze im laufenden Jahr und sehe die Landesregierung weiterhin in besonderer Verantwortung - ein Punkt, Herr Ministerpräsident, in dem wir leider weit auseinander liegen.

Als Erfolg für die Region sehe ich den Start der RegioBahn mit dem 14. Dezember. 28 neue Züge durchfahren unsere Region von der Heide bis in den Harz, dichtere Taktzeiten werden die Fahrgastzahlen steigern. Ich darf mit Blick auf diese Erfolgsmeldung den Direktor des Zweckverbandes Großraum Braunschweig, Herrn Hennig Brandes, herzlich begrüßen.

Neben dem Zweckverband Großraum Braunschweig hat sich in den letzten Jahren zunehmend die "Allianz für die Region" als regionale Klammer erfolgreich etabliert, die sich auch dem Thema des Regionalmarketing zuwendet. Unsere Region kann in der Zukunft nur bestehen, wenn wir gemeinsam auftreten, wenn wir unsere gemeinsamen Stärken positionieren und wenn wir von der Wirtschaft und der Wissenschaft über die Kultur bis hin zur Gastronomie einen außenwirksamen gemeinsamen Auftritt schaffen - so gelungen mit dem seit wenigen Monaten vorliegenden ersten Gastronomieführer für die gesamte Region im handlichen Merian-Format - Herr von Ingelheim, Ihnen und Ihrem Team vielen Dank für die Idee und noch mehr für die Realisierung.

Ein gutes Gelingen wünsche ich auch dem Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig. Sehr geehrter Herr Wunderling-Weilbier, die regionale Handlungsstrategie Braunschweig liegt als Maßstab für die Beurteilung von Projekten vor, die mit Fördermitteln der EU und des Landes Niedersachsen unsere Region voranbringen sollen. Jetzt gilt es, solche Projekte konkret zu definieren und zu realisieren. Gute Chancen sehe ich hier, um ein Beispiel zu nennen, für den Recycling-Verbund REWEMIT im Landkreis Goslar. Auch das Biokohle-Projekt im Landkreis Peine verdient eine weitere Förderung.

Bei dem herausragenden wissenschaftlichen Potenzial unseres Wirtschaftsraumes wird es gelingen, Fördermittel optimal einzusetzen. Ich heiße an dieser Stelle für alle Forschungseinrichtungen herzlich willkommen die Präsidenten

• Herrn Professor Dr. Jürgen Hesselbach,
TU Braunschweig,

• Herrn Professor Dr. Thomas Hanschke, TU Clausthal, sowie

• Herrn Nikolas Lange, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Gemeinsam mit Ihnen, Herr Wunderling-Weilbier, und der NBank führt unsere IHK am 28. Januar eine landesweit erste Informationsveranstaltung zur künftigen Förderkulisse unter Einbeziehung der neuen EU-Förderperiode durch, um Unternehmen und Kommunen mit interessanten Projekten zeitnah zu informieren.

Meine Damen und Herren, ich danke allen unter Ihnen, die Sie Institutionen vertreten, mit denen unsere IHK konstruktiv zusammenarbeitet. Das Spektrum reicht hier von der Justiz, für die ich den Präsidenten des Oberlandesgerichts, Herrn Professor Karl-Helge Hupka, ebenso begrüße wie Herrn Generalstaatsanwalt Norbert Wolf, über die Arbeitsagenturen, für die mein namentlicher Gruß an die Herren Gerald Witt und Harald Eitge geht, bis zu den Kirchen. Für alle Vertreter der Glaubensgemeinschaften begrüße ich sehr herzlich erstmals in diesem Kreis Herrn Landesbischof Dr. Christoph Meyns. Allen Medienvertretern zolle ich meine Anerkennung für umfassende Berichterstattung über unsere Region und die adressatengerechte Aufarbeitung auch komplexer Themen aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Und nicht zuletzt heiße ich alle anwesenden Mitglieder der Wirtschaftsjunioren Braunschweig herzlich willkommen. Unser hiesiger Juniorenkreis ist inzwischen weltweit für hochklassige nationale und internationale Konferenzen sowie tolle Events bekannt und wird zu meiner großen Freude im Jahr 2016 den IHK-Neujahrsempfang ausrichten.

In diesem Jahr wählt unsere IHK eine neue Vollversammlung und damit das höchste Beschlussorgan. Ich möchte Sie alle auffordern, meine Damen und Herren, für diese Vollversammlung zu kandidieren und sich in dem höchsten Ehrenamt unserer IHK zu engagieren. Für unseren IHK-Neujahrsempfang kann ich Ihnen dabei eine besondere Zusicherung geben: Diese Veranstaltung ist inzwischen so beliebt, dass es in jedem Jahr eine große "Warteliste" potenzieller Teilnehmer gibt und wir in den kommenden Jahren stärker als zuvor eine Rotation der Einzuladenden vornehmen müssen - um jedem unserer 40.000 Mitglieder auch einmal die Chance zu geben, hier dabei zu sein. Zum festen Kreis der in den nächsten fünf Jahren zu diesem Neujahrsempfang Eingeladenen werden selbstverständlich alle Mitglieder der neuen Vollversammlung zählen, aber darüber hinaus auch alle, die sich als Kandidaten zur Wahl stellen. Informationen zu unseren Vollversammlungswahlen und auch Details zu Ihrer Kandidatur können Sie ab März laufend unserer monatlichen Zeitschrift, unserem Internet-Portal "ihk wirtschaft online" sowie unseren Internetseiten entnehmen.

Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen allen im Jahr 2015 Gesundheit, persönliche Zufriedenheit und geschäftlichen Erfolg. Gern gebe ich das Wort jetzt weiter an den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen, Herrn Stephan Weil.
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