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Neues Gesetz dämpft Freude über gutes Jahresergebnis

Stellten das Jahresergebnis 2014 des Klinikums Braunschweig vor: Birgit Walther, stellvertretende Pflegedirektorin, Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Markurth, Geschäftsführer Helmut Schüttig und der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Bartkiewicz (v.l.). Foto : Jörg Scheibe

Klinikum Braunschweig erzielte Überschuss – Aber: Belastungen werden immer größer.

Von Martina Jurk, 09.09.2015.

Braunschweig. Mit einem Überschuss von rund 1,18 Millionen Euro hat das Klinikum Braunschweig das Jahr 2014 abgeschlossen – rund 226 000 Euro mehr als im Vorjahr.

„Ein sehr gutes Jahr“, sagte Geschäftsführer Helmut Schüttig bei der Vorstellung des Ergebnisses. Die Erweiterung des Leistungsspektrums, steigende Patientenzahlen, mehr Beschäftigte, den Fortschritt bei der Umsetzung des Zwei-Standorte-Konzepts nannte Schüttig als positive Entwicklungen. Gleichzeitig relativierte er: „Ohne den Versorgungszuschlag des Bundes, den jedes Krankenhaus erhält“, wären wir in die roten Zahlen gerutscht.“

Auch Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Markuth zeigte sich zunächst zufrieden: „Etwas Besseres als mit einer schwarzen Null aus schwerer See herauszukommen, gibt es nicht.“ Doch die Freude über den Abschluss werde ausgebremst. Was das Klinikum belaste, sei die politische Debatte um ein neues Krankenhausstrukturgesetz, das einen erneuten Bettenabbau zur Folge hätte. Und das, obwohl immer mehr ältere und mehrfach Erkrankte sowie Schwersterkrankte zu behandeln und zu versorgen seien. Mit dem neuen Gesetz sollen nach Ansicht Markurths unnötige Behandlungen vermieden werden. Den Vorwurf, zu viele Betten zu haben, wies er für das Klinikum Braunschweig entschieden zurück. „Das ist eine undifferenzierte Sichtweise, denn es wird mit der Sense bestraft. Als Maximalversorger deckt das Klinikum alle Bereiche der medizinischen Versorgung ab. Mit dem Gesetz wird zweifelsfrei gute Qualität bestraft. Das müssen wir den Politikern gegenüber deutlich machen.“ Mit dem neuen Gesetz soll ab 2017 der Versorgungszuschlag wegfallen. Damit gehen dem Klinikum rund 1,8 Millionen Euro im Jahr verloren.

Gesetzliche Regelungen würden verhindern, dass mehr Leistungen zu steigenden Erlösen führen. Mehrleistungsabschlag und Erlösausgleich müssten gezahlt werden, was ein Minus von 3,5 Millionen Euro bedeute. „Dass trotzdem ein so gutes Ergebnis erzielt werden konnte, war eine Riesenanstrengung“, so Markurth. Das Geld, das erwirtschaftet wurde, sei sofort wieder reinvestiert worden.

„Geld floss vor allem in eine langfristige Qualitätssicherung“, sagte der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Bartkiewicz. Einige Beispiele:

> Die Eröffnung der neuen Fachabteilung Psychosomatik mit einer Bettenauslastung von 90 Prozent. „Damit wurde eine Versorgungslücke in der Region geschlossen.“ In diesem Jahr soll das Angebot von 15 auf 34 Betten erweitert werden.
> Die Erweiterung der Stroke Unit zur schnellen Behandlung eines akuten Schlaganfalls.
> Die Anschaffung eines neuen Linearbeschleunigers in der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, mit dessen Hilfe die Bestrahlung noch exakter dosiert werden kann.
> Qualität wurde immer wieder zertifiziert bei der Behandlung von Schwerstverletzten, dem Darmkrebszentrum, der Geriatrie.
Als besorgniserregend bezeichnete Bartkiewicz die Entwicklung der Zentralen Notaufnahme, die eine Steigerung von 13,6 Prozent aufweise. „Die Schwelle der Menschen, in die Notaufnahme zu gehen, sinkt.“ Der Ärztliche Direktor appellierte an die Patienten abzuwägen, ob es sich bei Beschwerden um wirkliche Notfälle handele.

Die Erweiterung des Leistungsspektrums bringe eine Mehrbelastung für den Pflegedienst mit sich. „Wir sind an der Grenze des Machbaren angelangt“, betonte Birgit Walther, stellvertretende Pflegedirektorin. Die Pflege sei wesentlich aufwendiger geworden durch mehr schwerstpflegebedürftige Patienten. „Das Kümmern bleibt auf der Strecke. Dafür fehlt die Zeit“, so Walther.
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