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Neue Fakten im Bäderstreit

Das von der Schließung bedrohte Badezentrum in Gliesmarode am gestrigen Nachmittag. T.A.

Stadt hat Gutachten zur Situation der Schwimmbäder anfertigen lassen.

Von Andreas Konrad, 25.08.2013

Braunschweig. Sehr emotional diskutieren derzeit betroffene Braunschweiger mit der Stadt die geplante Schließung von Schwimmbädern. Schließlich geht es um die bedrückende Realität, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Jetzt setzt die Stadt ein neues Argument auf das Wasser – gar nicht emotional, sondern kalt und faktisch: Statistik.

Die Stadt hatte beim Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS) eine Studie in Auftrag gegeben, die den Titel „Sport und Bewegung in Braunschweig“ trägt, darin enthalten auch wenige Fragen zum Thema Schwimmen. 14 000 zufällig gewählte Braunschweiger ab zehn Jahren wurden angeschrieben, rund 3100 machten mit. Dazu befragte IKPS alle Schulen und Sportvereine, die sich etwa zu zwei Dritteln beteiligten.
Das Ergebnis ist eindeutig: Braunschweig ist ausreichend mit Freibadflächen ausgestattet, auch bei den Hallenbadflächen wird eine Überdeckung erreicht, und zwar allein mit den öffentlichen Bädern in Bürgerpark, Heidberg sowie der neuen Wasserwelt an der Hamburger Straße und dem Sommerbad Raffteich.
IKPS hat als Grundlage für den Sonderbericht „Baden und Schwimmen“ anhand der gewonnenen Daten den Bedarf pro Quadratmeter ermittelt. Die zur Verfügung stehende Wasserfläche reiche demnach für die Schwimmaktivitäten aller Braunschweiger aus. Statistisch und auf die gesamte Öffnungszeit der Bäder hochgerechnet. Nicht berücksichtigt sind etwaige Stoßzeiten oder gar der Zeitverlust, der durch lange Wege entstehen würde. Ein Problem, das insbesondere Schulen immer wieder betonen.
„Braunschweig ist mit Bade- und Schwimmflächen hervorragend ausgestattet“, kommentierte Finanz- und Sportdezernent Ulrich Stegemann die Ergebnisse. Diese sprächen zudem klar gegen die von Rat beschlossene Weiterführung des Badebetriebes in Waggum. „Ich hoffe doch sehr, dass der Rat vor dem Hintergrund dieser Zahlen seine Entscheidung noch einmal überdenkt, gerade auch unter dem Blickwinkel einer seriösen Haushaltspolitik“, so Stegemann weiter. Der Erhalt des Bades in Waggum würde die Stadt nach seinen Angaben etwa eine Million Euro kosten.
Dr. Stefan Eckl, Geschäftsführer des IKPS, pflichtet Stegemann bei. Man habe in vielen deutschen Städten ähnliche Untersuchungen gemacht und verfüge über eine große Erfahrung in diesem Bereich. Braunschweig sei demzufolge mit der Konzentration auf wenige große Bäder „auf dem richtigen Weg“.
Jürgen Scharna, Geschäftsführer der Stadtbad Sport und Freizeit GmbH, und Michael Loose, Leiter des Sportreferates, betonten in diesem Zusammenhang, dass die Stadt rund 350 Stunden pro Woche für Schulen zur Verfügung stelle. 288 davon wären zur Nutzung angemeldet, rund die Hälfte davon würde aber nur genutzt.
Eine weitere Statistik, die den für Schließungen plädierenden Menschen auf dem Papier recht gibt. Um das Problem des Nicht-Schwimmen-Könnens der Kinder und Jugendlichen zu lösen, werden die nackten Zahlen aber sicher nicht allein zielführend sein.
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