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Minna Faßhauer: Rat lehnt Würdigung ab

Kulturausschuss soll über historisches Projekt beraten.

Von Martina Jurk, 06.10.2013.

Braunschweig. Seit zwei Jahren wird in Braunschweig darüber diskutiert, ob Minna Faßhauer (1875 bis 1949) geehrt oder gewürdigt werden soll.

Die einen sehen in ihr ein Vorbild, eine Frau, die sich sozial für die Unterdrückten und für Frauenrechte engagiert hat, die die erste Ministerin Deutschlands war. Für andere ist Minna Faßhauer Terroristin wegen ihrer unklaren Verstrickungen in die Braunschweiger Bombenanschläge von 1921, eine Frau, die sich nach dem NS-Regime der anti-demokratischen und anti-parlamentarischen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angeschlossen hat.
Nun, in der letzten Sitzung erhitzte das Wirken dieser Frau in den Zeiten der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit abermals die Gemüter der Ratsmitglieder – zwei Stunden lang. Die Linken wollten mit ihrem Antrag, der von den Grünen ergänzt und mitgetragen wurde, Minna Faßhauer angemessen gewürdigt wissen. „Es geht nicht um eine Ehrenbürgerschaft oder ein Denkmal, sondern um Achten und Beachten, eine Würdigung im öffentlichen Raum mit einem Schild oder einer Straßenbenennung“, sagte Elke Flake von den Grünen. Am Ende lehnten CDU und SPD sowohl den Antrag der Linken als auch die Ergänzung der Grünen ab.
Vom Tisch ist das Thema damit aber noch längst nicht. Die SPD brachte den Antrag für ein historisches Projekt ein, das sich mit der Zeit der Weimarer Republik in Braunschweig von den Anfängen bis zum Beginn des Faschismus kritisch auseinandersetzt. Anhand politischer Biografien von Persönlichkeiten wie Minna Faßhauer, Otto Grotewohl, August Merges oder Joseph Oerter ebenso wie Carl Heimbs, Ernst-August Roloff oder Werner Küchenthal soll das gesamte politische Spektrum jener Zeit abgebildet werden. Die Sozialdemokraten sehen erheblichen Informationsbedarf im Zusammenhang mit diesem Thema.
Bevor die endgültige Beschlussfassung über die Form der Auseinandersetzung mit Minna Faßhauer erfolge, sollte das historische Projekt umgesetzt werden, begründete die SPD. Der Rat beschloss mehrheitlich, das Thema in den Kulturausschuss zu geben und schob damit eine Entscheidung auf.
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