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Mehr Straftaten, aber dennoch: Braunschweig ist sichere Stadt

Polizei zog Bilanz 2011: Hohe Aufklärungsquote – Internetkriminalität nahm zu.

Von Martina Jurk, 26.02.2012.


Braunschweig. Braunschweig ist im Vergleich mit anderen Großstädten eine sichere Stadt. Dieses Fazit zieht die Braunschweiger Polizeiinspektion für das Jahr 2011.

Herangezogen wurde dafür die Kriminalitätsbelastung pro 100 000 Einwohner der vergangenen fünf Jahre. Insgesamt wurden 2011 in Braunschweig 24 793 Straftaten begangen, 189 mehr als im Vorjahr. 14 800 der Straftaten konnten aufgeklärt werden – eine Quote von 59,69 Prozent (2010: 60,47 Prozent).
Raubstraftaten: Überfälle auf einen Goldhändler, Überfallserien auf Tankstellen und eine Bank sorgten im vergangenen Jahr in Braunschweig für Schlagzeilen. Obwohl die Zahl der Raubdelikte um zehn zunahm, verzeichnete die Polizei die höchste Aufklärungsquote seit elf Jahren. „Und das, obwohl die Aufklärung der Raubüberfälle am personalintensivsten ist, weil die Täter Opfer und Tatorte zufällig auswählen“, sagte die Leitende Kriminaldirektorin Cordula Müller.
Einbruchdiebstähle: Gefühlt haben Wohnungseinbrüche zugenommen, aber laut Statistik wurde über das ganze Jahr weniger eingebrochen (325 Taten zu 457 in 2010). Die Beamten führen das auch auf die Arbeit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zurück.
Mitarbeiter berieten die Menschen zu Hause zum Thema Einbruchschutz. In Veranstaltungen wurden Haus- und Wohnungsbesitzer sensibilisiert. Die Aufklärungsquote konnte um gut zehn Prozent gesteigert werden. „Bei den Wohnungseinbrüchen handelt es sich entweder um Beschaffungskriminalität oder um professionelle Täter, die sich vor allem auf den Süden von Braunschweig konzentrieren“, so Müller.
Beim Diebstahl kompletter Fahrzeuge – hier waren neuwertige Fahrzeuge der Marken VW und Audi bevorzugt – gab es einen historischen Tiefstand (195 Taten zu 282 in 2010). Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 21,54 Prozent (2010: 11,35 Prozent).
Auch die Diebstähle aus Kraftfahrzeugen – bevorzugt teure Navigationsgeräte – gingen zurück.
Gewaltdelikte: Rohheitsdelikte (Raub, Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung) nahmen weiter zu (3865 Taten zu 3322 in 2007). Die Mehrzahl davon sind Körperverletzungen (2972 Taten). Allerdings ist der Anteil jugendlicher Täter zurückgegangen. „Die Aufklärung an Schulen greift“, stellte Cordula Müller fest.
Sorge würden den Beamten die Widerstandshandlungen gegen Polizisten bereiten. „Die Gewaltbereitschaft und Brutalität gegenüber den Polizeibeamten hat massiv zugenommen“, so die Kriminaldirektorin.
Internetkriminalität: Das Ausspähen und Abfangen von Daten hat extrem zugenommen (45 mehr als 2010). „Die Bürger sollten sehr sorgsam mit ihren persönlichen Daten im Internet umgehen“, rät Cordula Müller.
Region Braunschweig
In der Region – von Gifhorn bis Goslar und von Peine bis Helmstedt – konnte die Polizeidirektion zum dritten Mal in Folge eine Aufklärungsquote von über 60 Prozent (61,21) erreichen, und das bei Senkung der Straftaten. „Das ist unser Ziel, und das verfolgen wir weiter“, sagte Harry Döring. Der Polizeipräsident appellierte an die Bevölkerung, keine Scheu davor zu haben, die 110 anzurufen, um das Dunkelfeld von Straftaten aufzuhellen. Die Notrufnummer sei kostenlos.
Schnelle Reaktion: Um Täter schneller zu fassen, werte die Polizei ständig die Statistiken aus und reagiere sofort auf die aktuelle Lage.
Beispiel: Vor einem Jahr nahmen die Pkw-Diebstähle stark zu. Die Polizeidirektion richtete eine zentrale Ermittlungsgruppe ein und intensivierte die operativen Fahndungsmaßnahmen. Sie arbeitete mit den Polizeibehörden der Länder, durch die die A 2 führt, zusammen. In konzertierten Aktionen wurden Täter überführt. Die Zahl der Fahrzeugdiebstähle sank.
Die Kriminalitätsbelastung pro 100 000 Einwohner habe den tiefsten Wert nachweislich seit 2005. „Unter den Großstädten ein hervorragendes Ergebnis“, so Döring. Beunruhigend auch in der Region sei die zunehmende Gewalt gegen Polizisten.
Seit Jahren ansteigend seien die Körperverletzungsdelikte. „Wir haben es mit einem veränderten Täterverhalten zu tun. Statt in der Mehrzahl abends und nachts würde sich jetzt auch in den frühen Morgenstunden geprügelt auf dem Heimweg von den Diskotheken“, konstatierte der Polizeipräsident.
Zwei Drittel der Körperverletzungsdelikte würden unter Alkoholeinfluss geschehen. Die Zahl der häuslichen Gewalttaten habe sich in den vergangenen Jahren verfünffacht – auch, weil Frauen ermutigt wurden, sich zu melden.
Schwerpunkte 2012: Schwerpunkte der Polizeiarbeit 2012 würden die Kinder- und Jugendkriminalität, Kfz-Diebstahl und Wohnungseinbrüche sowie die Internetkriminalität sein. „Wie sich die Internet-Kriminalität entwickelt, kann noch nicht eingeschätzt werden. Wir haben keinen Einfluss auf Täter, deren Server sich im Ausland befinden“, machte Döring die Situation klar.
Die Beamten würden ermittlungstechnisch geschult, beispielsweise hinsichtlich neuer Bezahlmethoden. „Täter haben es unter anderem auf Aufladecodes von Handy-Prepaidkarten abgesehen. Die Beamten müssen also bei Ermittlungen gegen mutmaßliche Täter nach Quittungen für diese Karten suchen“, erklärte Harry Döring.
In diesem Zusammenhang hofft der Polizeipräsident, dass es bald eine Regelung zur Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsverbindungen gibt, die die Möglichkeit bieten würde, Täter zu identifizieren und zu überführen.
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