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Mehr Licht im Schilderwald

Stadt reagiert auf Kritik am Verkehrskonzept

Von Jens Radulovic

Braunschweig. „Da werden Hunderttausende von Euro versenkt“, regt sich Wolfgang Bartsch, Vorsitzender der Fahrschulgemeinschaft Braunschweig, über das neue Radwegweisersystem der Stadt auf. Die nB bringt Licht in den Schilderwald.

Rund 1950 Schilder stellt die Stadt auf, um Radfahrern den für sie besten Weg in das Zentrum, Stadtteile und Wohnquartiere, sowie zu Fernzielen in der Region aufzuzeigen. „Da wird immer wieder davon gesprochen, dass man den Schilderwald auf den Straßen lichten will und stellt unnötigerweise 2000 neue Schilder auf“, meint Bartsch.
Auch an anderer Stelle sieht Bartsch große Defizite im Verkehrssystem der Stadt. Er habe Kritikpunkte, die ihm Kollegen mitgeteilt hätten, immer wieder an die Straßenverkehrsbehörde weitergeleitet. „Die fanden die Anregungen eigentlich auch gut, aber es passiert trotzdem nichts“, sagt Bartsch. Die nB bat die Stadt um eine Prüfung der Kritikpunkte.

Kritik: Die neue Radwegbeschilderung vergrößert den Schilderwald unnötig. Radfahrer orientieren sich nur anfangs an den Schildern. Nach kurzer Zeit braucht sie keiner mehr.

Antwort: Bislang mussten sich Radfahrer vorwiegend an den Ausschilderungen für Autofahrer orientieren. Die Radwegweisung ist, wie die Wegweisung für den Kfz-Verkehr auch, für den nicht alltäglichen Verkehr. Ziel ist, durch effektive Beschilderung Radeln noch attraktiver zu machen – und so Straßen und Umwelt zu entlasten.

Kritik: In Einbahnstraßen führt die Beschilderung „Fahrradstraße“ dazu, dass Fahrradfahrer für den Kfz-Verkehr zu einem, wegen fehlender Fahrbahnmarkierungen, schwer einkalkulierbaren Gegenverkehr werden. Das gefährdet die Radfahrer.

Antwort: Wenn eine Einbahnstraße für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben wird, wird der Kfz-Verkehr darauf am Beginn mit einer Zusatzbeschilderung hingewiesen. Die Autofahrer sind also darauf vorbereitet. Für einen separaten Fahrradstreifen ist in der Regel kein Platz – deshalb ist die Straße ja als Einbahnstraße ausgewiesen. In einer Fahrradstraße können Autofahrer in beide Richtungen oder nur in eine hineinfahren, wenn dies durch ein Zusatzschild gestattet ist. Weil es sich um eine Fahrradstraße handelt, sind Radfahrer aber bevorrechtigt und insofern kein „schwer kalkulierbarer Gegenverkehr“, sondern Verkehrsteilnehmer, auf die Autofahrer besonders Rücksicht nehmen müssen.

Kritik: Die neue Beschilderung „Fahrradwege“ ist häufig unnötig, wenn sie mit „Zone 30“ zusammenfällt. „Zone 30“ erfüllt beinahe die gleiche Funktion wie „Fahrradweg“. Daher würde es an entsprechenden Stellen reichen, sich für eine Beschilderung zu entscheiden.

Antwort: Das Verkehrszeichen „Zone 30“ ist nicht gleichzusetzen mit dem neuen Schild „Fahrradstraße“. Bei Fahrradstraßen sind Radfahrer bevorzugte Verkehrsteilnehmer. Kraftfahrzeuge werden nur über ein Zusatzschild gestattet. Ist dies der Fall, dürfen sie maximal 30 Kilometer pro Stunde fahren. Wo Fahrradstraßen in Tempo-30-Zonen eingerichtet wurden, wurden zum Teil die Tempo-30-Schilder für eine Übergangszeit an den Fahrradstraßen belassen. Sie sollen an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erinnern, bis das relativ neue Kennzeichen „Fahrradstraße“ bei allen Verkehrsteilnehmern gut bekannt ist.

Kritik: Die Vorwegweisung ist vielerorts verwirrend, weil sie nicht durchgehend nach dem gleichen Prinzip geregelt ist.

Antwort: Es gibt zwei Arten von Vorwegweisern: „Wegweisertafeln“ und „gegliederte Vorwegweiser“, die in einigem Abstand vor der eigentlichen Kreuzung die möglichen Fahrtrichtungen anzeigen. Eine Wegweisertafel zeigt die möglichen Fahrtrichtungen ohne Hinweis auf die Fahrspuren an. Dies ist bei übersichtlichen Verkehrsverhältnissen ausreichend, der Autofahrer kann sich an den Spurmarkierungen auf der Fahrbahn orientieren. Wenn aber frühzeitiges Einordnen erforderlich ist, zum Beispiel bei großen Kreuzungen je nach Ziel in eine von mehreren Abbiegespuren, kündigen dies gegliederte Vorwegweiser (Spurenwegweiser) an.

Kritik: Viele Verkehrsschilder, wie auch am Mittelweg, sind zugewachsen und nicht zu sehen.

Antwort: Verkehrsschilder, die nicht mehr eindeutig erkennbar sind, werden durch die Bellis GmbH freigeschnitten oder gesäubert. Bei der Vielzahl der Verkehrszeichen ist die Stadt dabei auf Hinweise angewiesen.

Kritik: Die Bezeichnungen „Stadtmitte“, „Mitte“ und „Zentrum“, werden auf Schildern parallel gebraucht. Das irritiert.

Antwort: Werden Verkehrsschilder ersetzt oder neu aufgestellt, wird der Begriff „Zentrum“ verwendet. Der Begriff „Zentrum“ wird sich also sukzessiv durchsetzen. Alle Schilder sofort auszutauschen, wäre mit zu hohen Kosten verbunden und ist nicht erforderlich.

Kritik: Auf der Guntherstraße kommt das Durchfahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen zu spät. Die Lkw müssen umständlich auf dem VW-Gelände wenden.
Antwort: Über die Guntherstraße fährt der VW-Zulieferverkehr. Damit große Lkw nicht durch das Wohngebiet weiterfahren, gibt es das Durchfahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen. Die Straßenverkehrsbehörde wird prüfen, das Verkehrszeichen an die Siegfriedstraße vorzuziehen und mit dem Zusatzschild „Zulieferverkehr für VW frei“ zu versehen, um das geschilderte Problem zu vermeiden.

Kritik: Rund um das Staatstheater fehlen die Fahrbahnmarkierungen. Zudem kommt die Fahrbahnmarkierung auf dem Steinweg vom Staatstheater in Richtung Bohlweg zu spät, um sich noch orientieren zu können.

Antwort: Die Theater-Umfahrt hat aus gestalterischen Gründen keine Mittelmarkierung. Zudem sind die Zebrastreifen zum Theater nur möglich bei einer einstreifigen Regelung. Die Umfahrt ist also einspurig. Es gilt das Rechtsfahrgebot; an Fahrzeugen, die zum Rechtsabbiegen warten, kann aber links vorbeigefahren werden. Auf dem Steinweg Richtung Wilhelmstraße/Bohlweg sind Rechtsabbieger- und Geradeausfahrspur schon durch zwei Pfeilgruppen markiert. Die Verwaltung wird aber die Aufbringung einer dritten Gruppe prüfen.
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