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Mehr Farbe fürs Einheitsgrau

Nördlich des Steinwegs blättert das Stadtbild.

Von Marion Korth, 13.06.2012.

Braunschweig. Graue Beton-Tristesse, Buckelpisten aus verdreckten Gehwegplatten, Schaufenster, hinter denen Leere gähnt – rund um die Wilhelmstraße gibt es viel zu tun.

„Ich bin am Steinweg aufgewachsen, ich kenne dieses Viertel seit 40 Jahren“, sagt CDU-Ratsherr Carsten Müller, deshalb liegt ihm diese „vergessene Ecke“ am Herzen. Er sieht die Stadtverwaltung am Hebel, Initiativen anzustoßen, um dort mit wenig Geld etwas zu bewegen. An etlichen Stellen würde seiner Meinung nach die Aktion „Schneller Pinsel“ schon viel bewirken, vorausgesetzt, alle ziehen an einem Strang, um das Viertel, das auch Stärken und Besonderes zu bieten hat, nach vorn zu bringen. Schöne Beispiele gibt es viele, wie Schloss und Bohlweg, wo das Stadtbild gewonnen hat. „Aber es gibt auch vergessene Ecken“, sagt CDU-Ratsherr Carsten Müller. Ein Stadtrundgang führt durch Wilhelm-, Fallersleber und Schöppenstedter Straße. Müller ist hier aufgewachsen, deshalb ist er sich sicher, dass sich in 40 Jahren an vielen Stellen nichts getan hat oder schlimmer, der Verfall sichtbarer geworden ist. Er zeigt eine „Sammlung der Scheußlichkeiten“ auf Höhe des Parkhauses an der Wilhelmstraße: Fleckige Gehwegplatten, das zugewucherte Gelände, wo früher die Aral-Tankstelle war, alte Straßenlaternen auf der einen Straßenseite, neue auf der anderen, Poller aus Beton, Poller aus Metall, von denen die Farbe abblättert, alle paar Meter eine Bushaltestelle, eine Container-Sammelstation. „Ohne die Bäume sähe das hier katastrophal aus“, sagt er. „Ich möchte die Verwaltung anhalten, hier Initiativen anzustoßen, um mit guten Ideen und wenig Geld etwas zu bewirken.“ Mit Stadtbaurat Heinz Leuer habe er schon gesprochen.
Müller schwebt vor, in Zusammenarbeit mit der TU und den Architekten dort, in einem interdisziplinären Ansatz Anregungen und Vorschläge zu sammeln, ein Motto für diesen Teil der Stadt zu finden und mit Leben zu füllen. Die Hauseigentümer müssten mitziehen, die Leerstände in etlichen Gebäuden seien ein Problem. „Die Gewerbeeinheit fällt weg, aber sie sollte eigentlich das gesamte Haus wirtschaftlich tragen“, erläutert Müller. Damit fehle das Geld für nötige Sanierungsarbeiten. An manchen Stellen aber ist die Welt in Ordnung, da finden sich Geschäfte, die es sonst nirgends in der Stadt gibt. Mit Vespa-Fachhändler Heiko Schrader ist Rollerfan Müller befreundet. Die Restaurants Gandhi und Lokanta seien gute Adressen, ebenso wie Steinkamp, wo es Schweißereibedarf gibt, oder Waffenspezialist Knappworst. „Und welches Viertel hat schon einen Geigenbauer?“ fragt Müller und zeigt auf das Schaufenster von Rautmann, gegründet 1844. Diese speziellen Geschäfte, damit kann die Gegend punkten, ebenso mit ihrem bezahlbaren Wohnraum, der mit etwas gutem Willen noch attraktiver gemacht werden könnte. Zum Beweis zeigt er zwei Innenhöfe in der Schöppenstedter Straße: Einer ist graue Betonwüste, im anderen fällt der Blick von den Balkonen auf zwei riesige Platanen, Müllcontainer sind hinter akkurat geschnittenen Hecken versteckt.
Auf Antrag der CDU und mit Zustimmung der anderen Fraktionen stünden 134 000 Euro – allerdings nicht allein für den genannten Bereich – zur Verfügung, um erste kleinere Maßnahmen anzupacken. Im Kleinen könnte es eine Initiative nach dem Vorbild des Bundesmodellprojektes „Kooperation im Quartier“ werden, das Entwicklungsmöglichkeiten für das Friedrich-Wilhelm- sowie das Altstadt-Viertel sucht.
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