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Masterplan für Braunschweig

Oberbürgermeister Ulrich Markurth. Foto: Thomas Ammerpohl
 
Boomtown Braunschweig: Oberbürgermeister Markurth hat die Zukunftsplanung der Stadt zur Chefsache gemacht. Wichtige Stellschrauben müssen gedreht werden, um das Oberzentrum zu stärken, das Umland einzubinden und die Internationalität der Stadt zu fördern. Eine große Aufgabe. Alle Braunschweiger sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Foto: Thomas Ammerpohl

Zukunft gestalten mit den Menschen der Stadt.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 23.01.2015.

Braunschweig. Die aktuellen Demonstrationen um, gegen oder für Pegida zeigen zumindest eines deutlich: Eine lebenswerte Zukunft will gestaltet sein. Jetzt gibt es Pläne für Braunschweig von morgen.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth erklärt im nB-Gespräch, wie er „sein“ Braunschweig der Zukunft entwickeln will. Jetzt im Frühjahr werden die Ideen dem Rat vorgelegt, anschließend soll eine breite Diskussion mit möglichst allen Menschen in Braunschweig folgen.
Aufbauend auf viele bereits vorhandene einzelne Untersuchungen zu verschiedenen Themen, soll es jetzt einen Gesamtentwurf geben. Sozusagen einen Masterplan für das Braunschweig der Zukunft. Damit besteht die Gelegenheit für alle einzelnen Menschen, für Gruppen und Vereine, sich einzubringen. Laut und klar zu formulieren, was wo gewünscht ist, was wo fehlt. Eine Chance, die genutzt werden sollte. Für eine Stadt für alle.
Zu Pegida mag man stehen, wie man will, deutlich aber wird: Es gibt viele Fragen im Zusammenleben, Rahmenbedingungen müssen neu diskutiert und gesetzt werden. Oberbürgermeister Ulrich Markurth erklärt im nB-Gespräch, wie er „sein“ Braunschweig der Zukunft entwickeln will. Jetzt im Frühjahr will er die Pläne dem Rat vorlegen. Dann kommen die Bürger zu Wort.
„Straßen bestehen nicht aus Häusern, sondern aus Menschen“ - diesen Satz stellt Markurth seinen Plänen voran. Daran orientiert sich sein Handeln. Heißt vor allem, zu wissen, was die Menschen, die in den Straßen wohnen, wollen und brauchen.
„In diesem Frühjahr legen wir dem Rat einen konkreten Plan vor, wie wir den Dialog mit den Bürgern gestalten wollen“, erklärt Markurth. Unter der Überschrift „Integrierte Stadtentwicklung“ soll es Beteiligungsmöglichkeiten auf vielen Ebenen geben. Beteiligungen sind für alle Quartiere geplant, beispielsweise in Form von Planungswerkstätten.

„Die Stadt ist Zentrum“

„Es gibt politische Pläne, Bundes- und Landesmittel der Städte in die Entwicklung ländlicher Regionen umzuschichten. Das halte ich für falsch. Die Städte brauchen starke Finanzen, unsere Aufgabe als Oberzentrum ist wichtig. Kurz gesagt: Es kann und wird kein Staatstheater in Rötgesbüttel geben.“ Ulrich Markurth macht deutlich, dass das Stadt-Land-Gefälle in und um Braunschweig eher gering ist, im Gegensatz zu anderen Regionen in Niedersachsen liege hier alles recht dicht beisammen. „Dennoch ist das Thema Mobilität und Verkehr zentral, damit die Menschen von außerhalb schnell, günstig und bequem in die Stadt und damit auch zu ihren Arbeitsplätzen kommen können“, erklärt er.
Forschung und Entwicklung

Neben vielen wichtigen Forschungsbereichen brennt dem Oberbürgermeister ein Thema aktuell geradezu auf den Nägeln: eine Gesundheitsregion. Die Vernetzung zwischen Kliniken, Universitäten und Forschungseinrichtungen in Braunschweig und Hannover sei weit fortgeschritten. Noch in diesem Frühjahr sollen Forschungsgelder aus dem europäischen Fonds beantragt werden.

Regionsbildung

Hier ist ein langer Atem nötig. „Ich schätze, dass wir noch viele Jahre brauchen, bis sich die Region insgesamt neu formiert hat“, erklärt Markurth. Der Prozess sei schwierig, die Menschen müssten mitgenommen werden, das brauche einfach Zeit.
Bis dahin müsse der Zweckverband vor allem die Verkehrsplanung weiterführen. Das Thema Mobilitätsforschung spiele hier eine zentrale Rolle. Eine enge Zusammenarbeit mit dem neu geschaffenen Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig unter der Leitung von Landesbeauftragtem Matthias Wunderling-Weilbier sei Voraussetzung. Die Zuständigkeiten müssten umgehend geklärt werden. Markurth will das bei der Landesregierung einfordern.
Denn - ganz wichtig, Braunschweig habe Interesse an einem starken Umland, eine Erosion großer Gebiete schade auch dem Oberzentrum. So sei beispielsweise der Vorschlag von Ministerpräsident Stephan Weil interessant, im Harz das Recycling seltener Erden neu anzusiedeln. „Für strukturschwache Gebiete muss es neue Ideen geben“, erklärt Markurth. Wobei der Begriff „neu“ hier besonders betont werden müsse, „denn es dürfen nicht Unternehmen aus Braunschweig abgezogen werden.“
Demografischer Wandel
„Der demografische Wandel ist ein Thema, das uns alle betrifft. Auf die Herausforderungen, die eine alternde Gesellschaft mit sich bringt, müssen wir reagieren“, sagt der Oberbürgermeister. Und weil er das tut, heißt die aktuelle Forschungspreis-Trägerin Professorin Dr. Ursula M. Staudinger.
„Ihr ist es wichtig, dass Arbeitgeber die Kompetenzen älterer Menschen erkennen und fördern. Das ist eine zentrale Zukunftsfrage: Wird es gelingen, die Fähigkeiten und die große Erfahrung älterer Arbeitnehmer sinnvoll einzubinden und wertzuschätzen? Deshalb war es mir wichtig, dass wir die Arbeit von Frau Professor Staudinger mit dem Braunschweiger Forschungspreis honorieren“, betont Markurth. Die Altersforscherin Staudinger verändere den Blick auf das Thema. „Sie stellt nicht die Probleme in den Vordergrund, sondern betont die Chancen“, sagt Markurth. In diesem Sinn wird auch das Thema Wohnen der Zukunft neu betrachtet.

Wohnen und Leben

Lärmminderung, CO2-Ausstoß, Inklusion und Integration im weitesten Sinn. Dazu Forschung darüber, was und wie sich Veränderungen vor Ort auswirken. Dabei müssten alle Bewohner mit in den Blick genommen werden: Menschen mit Einschränkungen, aber auch Kinder, Alte, Migranten, Studenten, Familien, Alleinstehende und, und, und. Die Welt ist bunt und Braunschweig auch. Dafür will eine Stadt entwickelt und gestaltet sein.
„Wir haben bereits verschiedene Fachforen für verschiedene Themen“, sagt Markurth. Ein Beispiel sei das Entwicklungskonzept Soziokultur, mit dem vor allem die Nachfolge des Freizeit- und Bildungszentrums beantwortet werden soll. Dazu Fragen wie „Wie erhöhen wir die Lebensqualität?“, „Wie fördern wir die Kreativwirtschaft?“ „Wie helfen wir Kleinstunternehmern, sich selbstständig zu machen?“
Bisher jedoch plane und denke jeder Bereich noch zu sehr für sich. „Für unser Dialogkonzept, das wir jetzt im Frühjahr vorstellen, werden all diese Bereiche vernetzt.“
Und dann kommuniziert. Hier wird noch an der Detailplanung gefeilt. Wichtig sei, dass alle Informationen gebündelt werden.
Markurth nennt ein Beispiel: „Von dem relativ plötzlichen Anstieg von Studierenden in der Stadt sind wir ziemlich überrascht worden.“ Für die Zukunft sollen solche Entwicklungen schneller gemeinsam besprochen werden. „Wenn die Uni zu dem Ergebnis kommt, dass sie mehr Studenten aufnehmen kann, sollten wir das wissen“, erklärt Markurth.
Eine Vielzahl von Wohnprojekten sei bereits in Vorbereitung, zum Beispiel das nördliche Ringgebiet oder das Gelände der ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne. „Das Thema Wohnraum hat in der Bauverwaltung Priorität“, erklärt Markurth, denn günstiger Wohnraum sei knapp. Auch unter diesem Aspekt solle in den Planungswerkstätten genau festgestellt werden, was die Menschen wo brauchen.
„So gibt es sicherlich Quartiere wie vielleicht die Jahnstraße, wo im Wesentlichen alles so bleiben soll, wie es ist“, sagt Markurth. Also eine behutsame Sanierung, mit der nur das Nötigste verbessert wird, damit die Mieten stabil bleiben. Eine wesentliche Voraussetzung für „buntes“ Stadtleben.
„Das ist dann Verhandlungssache mit den Hausbesitzern, glücklicherweise haben wir in Braunschweig drei große Baugenossenschaften, mit denen wir hervorragend zusammenarbeiten und die auch ein hohes Interesse am Wohl ihrer Mieter haben.“
Unterstützung erwartet Markurth von den Verbänden der Wirtschaft und der Kammern. „Ich höre häufig, die Wirtschaft sei schon viel weiter als die Kommunen, aber ich sehe es nicht wirklich. Gerichtsbezirke, Handwerkskammern oder auch die Industrie- und Handelskammern sollten einen gemeinsamen Wirtschaftsraum besser abbilden.“ Hier seien jetzt auch stärker die Unternehmer gefragt, erklärt Markurth.
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1 Kommentar
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mpu24 Fachberatung aus Braunschweig - Innenstadt | 24.01.2015 | 19:24  
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