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Magni: Gutachten liegt vor - Arbeiten dauern rund ein Jahr

Mit Hochdruck laufen die Arbeiten in der Parkgarage Eiermarkt: Im Moment wird im zweiten Untergeschoss die Sprinkleranlage erneuert. Die Etage soll ab Mitte Oktober wieder nutzbar sein. Foto: Thomas Ammerpohl

Stadtverwaltung informiert über den Stand der Branduntersuchung. Überprüfung und Sanierung auch der anderen Parkhäuser.

Braunschweig (leu), 13.09.2014. Mehr als sieben Wochen ist der Brand in der Magni-Tiefgarage her, und noch immer gibt es jede Menge offene Fragen. Am Freitag informierte die Stadtverwaltung den Rat über den jüngsten Stand der Aufarbeitung. „Im Moment laufen zahlreiche Prüfungen“, sagte Erster Stadtrat Christian Geiger.

So werden derzeit nicht nur die Tiefgarage im Magniviertel, deren Sanierung sowie die haftungs- und versicherungsrechtlichen Folgen untersucht. Auf der langen Liste stehen auch die Parkhäuser am Eiermarkt, am Packhof sowie weitere Parkhäuser, die sich nicht im städtischen Besitz befinden.
„Der Sachverhalt ist hochkomplex, deshalb werben wir um Verständnis, dass wir noch nicht auf alle Fragen Antworten haben, und die Behebung der Probleme zum Teil noch etwas dauern wird. Wir tun aber alles dafür, die Prozesse der Aufarbeitung und Problemlösung so schnell wie möglich voranzutreiben“, so Geiger.
Magni-Brand im Fokus
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht nach wie vor die Tiefgarage Magni.
Seit Anfang September liegt das Gutachten eines chemischen Labors zur Schadstoffbelastung der Tiefgarage vor.
Erst auf seiner Grundlage, so die Verwaltung, könne man den Umfang und die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen für eine Reinigung abklären.
Gemäß des Gutachtens liegen die „nach einem Brand üblichen Brandverschmutzungen, insbesondere Chloridrückstände, vor“. Außerdem wurden auch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe gefunden, und zwar „in einem nach Bränden üblichen Umfang.“
Für die anschließende Reinigung der Tiefgarage heißt das: Sie kann nur durch Spezialfirmen mit entsprechenden Schutzmaßnahmen durchgeführt werden.
Schon jetzt ist klar: Die Reinigung der Magni-Tiefgarage wird voraussichtlich sechs Wochen dauern und sich bis in den Dezember hinziehen. Im Augenblick läuft noch das Vergabeverfahren – vorher kann mit ihr nicht begonnen werden.
Der gesamte Schaden lässt sich erst nach der Säuberung ermitteln. Auch die weiteren Sanierungspläne hängen davon ab. Neue Erkenntnisse zu den Schäden gebe es jedenfalls nicht und auch nicht zur Schadenshöhe, lässt die Verwaltung verlauten.
„Auch wenn darüber jetzt viel spekuliert wird, weil dies Auswirkungen auf das weitere versicherungsrechtliche Verfahren und die Entschädigung der Fahrzeughalter hat, müssen wir die Schadensermittlung abwarten“, sagte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. „Ich bitte die Fahrzeughalter dafür um Verständnis.“
Die Stadt hatte bereits im August mitgeteilt, dass es nach einer ersten Inaugenscheinnahme erhebliche Schäden am Gebäude gibt, die aber die Standsicherheit nicht beeinträchtigen. Die Decken würden nicht abgestützt, stellte Leuer klar, auch unmittelbar nach dem Brand sei das nicht der Fall gewesen.
Magni bleibt geschlossen
Was die Sanierung betrifft, kann die Stadt derzeit keinen konkreten Starttermin nennen. Nach der Reinigung werde zunächst der genaue Schaden ermittelt. Danach würde ein Sanierungskonzept erstellt.
Zusammen mit der Ausschreibung und Vergabe nach entsprechenden Gremienentscheidungen rechnet die Verwaltung allerdings mit einem Zeitrahmen von vier Monaten. Die eigentliche Sanierung dauere dann abhängig von den Schäden noch einmal bis zu einem halben Jahr. Für die Magni-Tiefgarage bedeutet das: Sie wird in diesem Jahr nicht mehr öffnen. Eine bittere Pille vor allem für den Einzelhandel und das anstehende Weihnachtsgeschäft. Die Stadt sieht sich deshalb „weiter in der Pflicht, so schnell wie möglich an den Problemen zu arbeiten.“
Hochdruck am Eiermarkt
Mit Hochdruck wird zum Beispiel die Parkgarage Eiermarkt wieder hergerichtet. Die Stadt hatte im August kurzfristig zusätzlich zu den laufenden Sanierungsarbeiten im ersten Untergeschoss eine Sanierung der Sprinkleranlage veranlasst und damit im zweiten Untergeschoss begonnen, sodass auch dieses derzeit gesperrt ist.
Der Baufortschritt sei gut, so Leuer, die Arbeiten würden nach derzeitigem Stand wie geplant Ende September abgeschlossen, das zweite Untergeschoss ab voraussichtlich Mitte Oktober wieder zu nutzen sein.
Im ersten Untergeschoss wird die Sprinkleranlage nach Abschluss der Betonsanierung erneuert. Läuft alles nach Plan, sind diese Arbeiten Ende November fertiggestellt.
Im zweiten Untergeschoss stehen im nächsten Jahr von Februar bis Juni außerdem noch Betonsanierungen sowie Arbeiten an der Abdichtung und am Asphalt an, dafür wird es noch einmal zu einer Sperrung dieses Geschosses kommen. Diese Arbeiten seien langfristig geplant und bereits an die ausführenden Firmen beauftragt, so die Stadt.
Packhof: Neue Tore
Die dritte Parkgarage, die derzeit auf dem Prüfstand steht, ist der Packhof. Dort waren bereits im August mehrere nicht ordnungsgemäß schließende Brandschutztore repariert worden. Zwischenzeitlich haben mehrere Prüfungen der sicherheitstechnischen Anlagen durch Sachverständige stattgefunden.
Die Gutachter haben dabei auch die reparierten Brandschutztore noch einmal unter die Lupe genommen. Anhand der vorliegenden Prüfprotokolle wurde klar, dass die Tore aufgrund ihres Alters schon länger störanfällig waren und immer wieder repariert werden mussten. Außerdem lagen für die etwa 40 Jahre alten Tore gar keine Zulassungsunterlagen vor, sodass nicht verlässlich belegt werden konnte, ob deren Feuerschutzqualität den heutigen Standards entsprechen.
„Um die Tore dauerhaft sicher zu halten, müsste die Stadt einen hohen Aufwand betreiben: Erneute Reparaturen und regelmäßige, häufige Sicherheitschecks wären nötig“, so die Verwaltung.
Um dies zu vermeiden, sei in enger Abstimmung mit dem Oberbürgermeister entschieden worden, jetzt 18 abgängige Brandschutztore in der Tiefgarage Packhof austauschen zu lassen. Die Kosten von etwa
500 000 Euro müsste die Stadt tragen, der Rat dafür vorher zustimmen. Bis zum Beginn der Baumaßnahme muss der Betreiber das Funktionieren der Tore täglich überprüfen und protokollieren. Wann die Tore ausgetauscht werden, steht noch nicht fest.
Weiterhin sind im Packhof Mängel (defekte Schalter) an den Fahrtreppen festgestellt worden, die der Betreiber noch nicht beheben konnte. Das erledigt jetzt kurzfristig die Stadt als Eigentümerin. Bis zur Beseitigung der Mängel, die bereits am Montag beginnt, werden die Fahrtreppen aus Sicherheitsgründen stillgelegt.
Unabhängig von den Ergebnissen der aktuellen Prüfungen tauscht die Stadt, wie bereits seit längerem geplant, die Füll- und Entleerungsstationen der Wandhydranten aus. Diese seien alt, so Leuer, und entsprächen nicht mehr den neuesten Anforderungen, daher habe die Stadt diese Arbeiten im Rahmen der regulären Instandhaltung ausgeschrieben. Seit Anfang September läuft der Austausch; geplant ist er bis Mitte November. Für die Dauer der Maßnahme wurden zusätzliche Feuerlöscher beschafft, eine besondere Brandwache ist nach Ansicht der Stadt allerdings nicht nötig.
Schloss, Stadthalle & Co.
Auch die anderen Parkhäuser des Parkleitsystems werden derzeit gründlich durchgecheckt. Dazu zählen: Schloss, Lange Straße, Lange Straße Süd, Schützenstraße, Stadthalle, Ringcenter, Wallstraße und Wilhelmstraße.
Bei einer ersten Prüfung war ihr Zustand – zumindest, was die brandschutztechnischen Anlagen betrifft – bis auf kleinere Mängel in Ordnung. Diese seien, sofern möglich, kurzfristig oder in angemessener Zeit von den Betreibern zu beheben. „Die Bauaufsicht überprüft dies entsprechend“, so die Verwaltung.
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