Anzeige

Lust auf Männerberufe wecken

Am Donnerstag findet der Girls‘ Day statt – Interview mit der TU-Gleichstellungsbeauftragten.

Von Birgit Leute, 25.04.2012.

Braunschweig. Feilen, hämmern, experimentieren: Seit 2001 will der Girls‘ Day Mädchen die klassischen Männerberufe schmackhaft machen. Auch am Donnerstag (26. April) laden Betriebe und Universitäten wieder Schülerinnen ab der 5. Klasse ein. nB-Mitarbeiterin Birgit Leute sprach mit Dr. Sandra Augustin-Dittmann, TU-Gleichstellungsbeauftragte.

? Ist ein Tag wie der Girls‘ Day nach 40 Jahren Emanzipationsbewegung eigentlich überhaupt noch nötig?

! Leider ja. Frauen sind in den klassischen Männerberufen nach wie vor unterrepräsentiert. Und: Sie üben oft Tätigkeiten aus, die schlechter bezahlt werden, als etwa eine Ingenieurs- oder Informatikerstelle. Der Girls‘ Day will ihnen letztlich Chancen aufzeigen und alternative Möglichkeiten bei der Berufswahl vermitteln. In Niedersachsen verfolgt man seit 2005 übrigens einen erweiterten Ansatz: Hier heißt der Tag „Zukunftstag für Mädchen und Jungen“. Die männlichen Mitschüler lernen an der TU dann die Frauenberufe im Sozialbereich oder in der Öffentlichkeitsarbeit kennen. Es geht darum, Mädchen und Jungen, alle Chancen zu eröffnen – jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.

? Aber wenn das Interesse so gering ist: Kann es da nicht doch so etwas wie eine biologische Vorbestimmtheit geben? Vielleicht spielen Mädchen tatsächlich lieber mit Puppen und Jungen mit Autos …

! Darüber streitet sich die Wissenschaft noch. Klar ist nur: Es lässt sich nicht so einfach feststellen, was „angeboren“ und was „anerzogen“ ist. Schon in den ersten Lebensjahren stehen Kinder unter dem Einfluss ihrer Umwelt. Was Freunde vorleben, wird gerne übernommen. Umso wichtiger ist es, das Eltern immer wieder aufzeigen, welche Alternativen es zu den starren Rollenmustern gibt.

? Zeigt denn der Girls‘ Day Wirkung?

! Ja, wenn auch langsam. An der TU beobachten wir tatsächlich seit einigen Jahren einen Anstieg weiblicher Studenten in den MINT-Fächern. MINT steht in diesem Fall für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Der Anteil der Frauen beträgt hier inzwischen 30 Prozent.
Allerdings muss man auch dazu sagen, dass ein Großteil dieser Frauen dann eher Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaft studiert. Im Maschinenbau beträgt ihr Anteil nur rund zwölf Prozent.

?Warum?

! Im Gegensatz zu den Jungen schätzen sich Mädchen in den technischen Bereichen einfach schlechter ein. Oft ist das nur ein subjektives Gefühl, denn die Noten sprechen durchaus eine andere Sprache. Gerade deshalb ist der Girls‘ Day auch wichtig: Der Besuch an der TU zeigt ihnen, dass es durchaus Frauen gibt, die sich in den typischen Männerfächern oder -berufen behaupten: als Studentinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen oder Professorinnen. Das verleiht Selbstbewusstsein.

?Wie ist Resonanz der Teilnehmerinnen?

!Sehr positiv. Mehr als die Hälfte aller Mädchen gibt nach dem Girls‘ Day an, dass sie einen Beruf kennengelernt haben, der sie sehr interessiert. Rund 35 Prozent sagen sogar, dass sie sich vorstellen können, ihn auch später auszuüben. Das ist ein großer Fortschritt, denn meist ist zwar Interesse an Naturwissenschaften und Technik vorhanden. Als Berufs- und Lebensperspektive spielen diese Fächer dann eher keine Rolle.

?Und die Jungen?

!Deren Interesse an Sozial- oder Büroberufen ist verhaltener. Sie passen nicht ins Bild des starken Mannes. Außerdem werden Bereiche wie Pflege und Kinderbetreuung nach wie vor schlechter bezahlt, sind also weniger attraktiv. Hier gibt es noch viel zu tun.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.