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Lieber Gratis-Kita oder doch mehr Qualität?

Stadt plant Elternbefragung.

Von Marc Wichert, 09.05.2012.

In der Debatte um die Richtung der künftigen Kinderbetreuung gibt es einen neuen Streitpunkt: Die Stadt plant in den kommenden Wochen eine Elternbefragung. Kernfrage ist: Völlige oder teilweise Beitragsfreiheit der Kindergärten oder qualitativer Ausbau der Kinderbetreuung?

Der Stadtelternrat kritisiert das Vorhaben scharf und fordert ein schlüssiges Konzept der Verwaltung. Wir wollen nicht den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen“, sagt Gerald Kühn vom Elternrat. Man kann es sich gar nicht vorstellen: die Verwaltung plant, zu einem speziellen Thema die Betroffenen zu befragen, und die Betroffenen selbst, die Eltern, sind erbost. Zumindest deren Vertreter in Form des Stadtelternrates. In einer schriftlichen Stellungnahme hat der das Vorhaben der Stadt kritisiert.
Kern des Anstoßes ist die Frage, ob Eltern, deren Kinder in Krippen, Tagespflege, Kindergärten oder Schulkindangeboten betreut werden, ganz oder teilweise auf die Beitragsfreiheit der Kindergärten verzichten wollen – zugunsten eines stärkeren qualitativen Ausbaus. Dafür ist in den nächsten Wochen eine Elternbefragung geplant. „Wir werden die bis zu 12 000 Eltern darüber informieren“, erklärt Sozialdezernent Ulrich Markurth das Vorgehen. „Schließlich werden zwischen 500 und 1000 Eltern per Telefoninterview genauer befragt.“ Die Eltern müssten nicht endgültig entscheiden, fügt Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann hinzu. „Wir wollen nur ihre Meinung bei dieser wichtigen Frage hören.“ Und deshalb sei es ihm „völlig unverständlich“, dass der Stadtelternrat die Befragung kritisiert. „Niemand will den Stadtelternrat aushebeln oder umgehen.“ Es gehe aber nun einmal um eine wichtige Frage, und daher möchte man alle Eltern befragen. „Dem Elternrat ist vielleicht nicht ganz wohl dabei, welche Verantwortung er jetzt hat“, sagt Hoffmann.
Gerald Kühn ist Vorsitzender des Stadtelternrates der Kitas in Braunschweig, und er kann die Elternbefragung nicht nachvollziehen. „Im Vorfeld der Wahlen im vergangenen Jahr gab es ohne große Diskussionen den Beschluss, die Gebühren fallen zu lassen“, sagt er. Die Meinung der Eltern wurde komplett ignoriert. Jetzt will man auf einmal die Eltern abstimmen lassen.Was ist das Problem dabei? „Egal, wie sich die Eltern entscheiden, ob für Beitragsfreiheit oder für qualitativen Ausbau, ihnen wird der Schwarze Peter zugeschoben.“ Für Kühn war die Entscheidung vom vergangenen Sommer reine Wahlkampftaktik, auch und gerade vom Oberbürgermeister. Mal sei er gegen kostenfreie Betreuung gewesen, dann wieder dafür, und jetzt sollten die Eltern abstimmen. „Wir fordern ein schlüssiges Konzept zur Kinderbetreuung“, sagt Kühn.
Ein schlüssiges und vor allem hochgelobtes Konzept gebe es mit dem Kindertagesstätten-Entwicklungsplan sehr wohl, sagt dagegen Sozialdezernent Markurth. Das Konzept werde zudem fortlaufend alle zwei Jahre überarbeitet. Dr. Hoffmann ergänzt, dass es auch gar nicht um die Frage „Geld oder Qualität“ gehe. „Die Betreuung in Braunschweig ist hochwertig und wird es bleiben.“ Die Frage sei nur, wo man die Prioritäten setze. Als entschieden wurde, die Gebühren zu streichen, hatte Braunschweig Rekord-Steuereinnahmen. In diesem Jahr sei vieles anders. In Bezug auf die Finanzlage seien die Aussichten „extrem unsicher“, so der Oberbürgermeister.
Für den Elternrat ist daher klar: „Wenn bedarfsgerechte Plätze nur durch die Wiedereinführung eines Entgeltes geschaffen werden können, dann sollte dies die Verwaltung dem Rat vorschlagen“, heißt es in der Stellungnahme. Hauptforderung bleibt aber, dass Eltern einen qualitativ hochwertigen Betreuungsplatz wollen, und zwar möglichst kostenfrei.
Die Befragung soll übrigens von der NSI Consult, eine Tochtergesellschaft des Studieninstituts Niedersachsen, durchgeführt werden. Wie viel sich die Stadt das kosten lässt, dazu wurde noch nichts gesagt.
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