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„Leichte Beute“ für Islamisten

Gut besucht war der Heinrich-Jasper-Saal der Volksfreundhauses. Foto: Ammerpohl

Im Volksfreundhaus wurde über Salafismus und die Prävention von Terror diskutiert.

Von Christoph Matthies, 12.03.2016.

Braunschweig. Die Sorge, dass der islamistische Terror auch Deutschland erreichen könnte, ist nicht erst seit den Anschlägen in Paris groß. Anfang der Woche hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Carola Reimann in das Volksfreundhaus im Magniviertel eingeladen, wo eine Expertenrunde darüber sprach, wie man islamistischem Fundamentalismus präventiv begegnen kann.

Der Salafismus, die populärste Strömung des radikalen Islam, gewinnt immer mehr an Zulauf: Rund 8000 Salafisten halten sich Schätzungen zufolge in Deutschland auf – damit hat sich die Zahl in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Allerdings: Salafist heißt nicht gleich Attentäter, so die Experten: „Eine zentrale Rolle für die Terrorgefahr in Deutschland spielen 480 sogenannte Gefährder“, erklärte Burkhard Lischka, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Dass sich der öffentliche Fokus in diesem Bereich häufig auf Flüchtlinge richte, decke sich nicht mit den Erfahrungen. „Die Anschläge wurden überwiegend von Menschen verübt, die hier aufgewachsen sind oder jahrelang hier gelebt haben.“

Salafisten sehen Flüchtlinge dennoch als „leichte Beute“, betonte Maren Brandenburger. Die Präsidentin des niedersächsischen Verfassungsschutzes sieht es als großes Problem, dass salafistische Organisationen vor den Flüchtlingsheimen werben. „Die Menschen suchen zwar in erster Linie Schutz, sind aber vor allem völlig desorientiert“, so Brandenburger, deren Behörde sich deshalb mit Info-Broschüren auch an Heim-Mitarbeiter wendet. Weil die Salafisten eine Gefährdung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellten, würden sie vom Verfassungsschutz, zum Beispiel durch V-Leute, beobachtet werden.

Vor allem junge Menschen zwischen 14 und 28 Jahren werden, so die Runde, von den Salafisten angelockt oder entdecken ihr Interesse für den „Islamischen Staat“, teils als eine Form jugendlicher Rebellion gegen Elternhaus und Gesellschaft, teils als Antwort auf Diskriminierung und Ausgrenzungserfahrungen.

Christian Hantel, Leiter der Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung (beRATen e.V.) berichtete von seiner Arbeit mit Jugendlichen oder deren Eltern.

Hantel hob die Bedeutung von Prävention hervor, etwa die Schulung von Lehrern oder das Schaffen einer „Gegenöffentlichkeit“ gegen die aggressive und alltägliche Internet-Propaganda der radikalen Muslime. „Es gibt bei der Bundeszentrale für politische Bildung erste Ansätze, dass man auch mit muslimischen Vorbildern coole Videos macht und das nicht dem IS überlässt“, sieht Hantel positive Signale bei der Online-Strategie.
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