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Lehrerarbeitszeit Klassenfahrten

Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft
Kreisverband Braunschweig

Presseerklärung des GEW Kreisverbandes Braunschweig

zur aktuell stattfindenden Diskussion in der BZ zur Durchführung von
Klassenfahrten


Lehrkräfte sehen Klassenfahrten als sehr wichtigen Teil des Schullebens an. Dies haben sie in der Vergangenheit deutlich bewiesen, indem sie Klassenfahrten durchführten. Sie haben es zusätzlich und freiwillig gemacht, obwohl der zeitliche Aufwand in Vor- und Nachbereitung erheblich war, ihre Kosten oft nicht oder nur teilweise vom Dienstherrn übernommen wurden, sie eine Woche lang 24 Stunden am Tag im Dienst waren und jederzeit wegen der Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler in rechtlich schwierige Situationen hät-ten geraten können.
Verbeamtete Lehrkräfte dürfen nicht streiken.
Dies nutzt die Landesregierung seit vielen Jahren, indem sie Ihnen zunächst das komplette Weihnachts- und Urlaubsgeld strich und jeweils willkürlich entscheidet, ob und/oder wie viel von den Tarifab-schlüssen und wann auf die Beamten übertragen wird.
Gleichzeitig werden den Schulen und damit den mit der Umsetzung beauftragten Lehrkräften immer neue Aufgaben übertragen, so dass die Arbeitsüberlastung in allen Schulformen ständig steigt.
Mit der Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für die Gymnasiallehrkräfte und der Nichtwiedereinführung der für zehn Jahren ruhenden Altersermäßigung, welche der Beitrag der Lehrkräfte zur damaligen und zeitlich befristeten Altersteilzeitregelung war, hat die Landesregierung einen dreifachen Vertragsbruch begangen:

- Die über zehn Jahre unentgeltlich geleistete Mehrarbeit von zwei Unterrichtsstunden (Arbeitszeitkonto) sollten zurückgegeben werden.

- Unter der Kultusministerin Frau Jürgens-Pieper war zugesagt
worden, dass während der Rückzahlung der Arbeitszeitkontostunden keine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung statt-finden würde.

- Die Wiedereinführung der Altersermäßigung war für das Schuljahr 2014/15 vertraglich zugesichert worden.


Das Vertrauen der Lehrkräfte in die Landesregierung als Dienstherrn ist auf einem Nullpunkt angelangt. Da verbeamtete Lehrkräfte nicht streiken dürfen, muss es ihnen in dieser Situation erlaubt sein, über neue Formen des Widerstandes nachzudenken.
Die öffentliche Diskussion um die Durchführung von Klassenfahrten führt nach unserer Einschätzung in die falsche Richtung und vollkommen am Kern der Sache vorbei.
Die Spaltung der Lehrkräfte in „gute“ LehrerInnen, die weiterhin Klas-senfahrten durchführen und „schlechte“ LehrerInnen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dagegen entscheiden, individualisiert die Probleme.
Das eigentliche Problem, zu geringe Finanzmittel für den Bildungsbereich wird hier vollkommen außer Acht gelassen. Gesellschaftlich als notwendig geforderte und beschlossene Bildungsreformen sollen nun zum großen Teil durch Kürzungen bei den Lehrkräften finanziert werden. Stattdessen wünschen wir uns von den an der Diskussion Beteiligten, dass sie sich dafür einsetzen, dass die Lern- und Lehrbedingungen in den Schulen deutlich verbessert werden. Die Aussage der Ministerin, dass durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung keine Arbeits-zeiterhöhung verbunden sei, lässt sich in den Schulen nur so lösen, dass außerunterrichtliche Aufgaben wegfallen müssen.
Von der Landesregierung, der ja anscheinend die Durchführung der Klassenfahrten sehr am Herzen liegt, erwarten wir, dass die geplanten Erhöhungen der Unterrichtsverpflichtung zurückgenommen und klare Aussagen gemacht werden, welche verpflichtenden Aufgaben die Lehrkräfte in Zukunft nicht mehr leisten müssen. Für unsere älteren Lehrkräfte erwarten wir eine angemessene Altersregelung.
Schulische Reformen, die von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden, wie die Einführung der Ganztagsschule und die Umsetzung der Inklusion, müssen auch von der gesamten Gesell-schaft finanziert werden. Aufgabe der Lehrkräfte ist es dann, diese inhaltlich und konzeptionell in den Schulen umzusetzen.
Die mit den Plänen der Landesregierung verhinderten 1750 Neueinstellungen werden uns und den Schülerinnen und Schülern dabei feh-len.

Brunhilde Eilers
Monika Rasche-Behling
(Sprecherinnen des GEW-Kreisverbandes Braunschweig)
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