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Leben und Tod und der Preis

Tag der Menschen mit Behinderung im Dom.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 22.08.2010

Braunschweig. „Musste das denn sein?“ Eine Frage, die sich Eltern von behinderten Kindern noch immer bieten lassen müssen – und ein Thema gestern im Gottesdienst im Dom.

Landesbischof Friedrich Weber nutzte sein Grußwort beim „Tag des Menschen mit Behinderung“ im vollbesetzten Dom zu Kritik und Mahnung. Immer noch – oder schon wieder – müssten sich Eltern behinderter Kinder rechtfertigen, würden ihnen die Kosten für die Sozialkassen vorgehalten. Das macht den Bischof wütend, und das sagt er auch. Und warnt vor einer großen Verunsicherung, ausgelöst durch die Sozialstaatsdebatte und die damit verbundenen Sparvorschläge. Das Recht auf Teilhabe sei in Gefahr. „Werden die behinderten Menschen die Hilfen weiterhin als fair, sozial und gerecht empfinden?“, fragte der Bischof. Schon jetzt stünden Kostenrechnungen häufig am Anfang und am Ende des Lebens, sagte Weber und führte das Drängen auf Abtreibung behinderten Lebens oder aktive Sterbehilfe als Beispiel an.
Bewohner, Freunde und Mitarbeiter der Heimstatt Röderhof bei Hildesheim und der Stiftung Neuerkerode gestalteten den Gottesdienst und feierten anschließend auf dem Domplatz. „Gebt Zeugnis von Eurer Hoffnung“ zitierte Domprediger Joachim Hempel zu Beginn der Feier. Das Motto des Tages sei ein hoffnungsvoller Satz, „denn bei diesem Zeugnis gibt es keine Zensuren, keine Noten – höchstens musikalische“, sagte Hempel. Von Hoffnung sprachen auch die vielen Bewohner aus Neuerkerode, die in dem Gottesdienst zu Wort kamen. „Wir bringen unser Leben vor Gott mit Trauer, Hoffnung und Freude“ heißt das Biografieprojekt; die Wünsche und Ängste waren vielfältig: „Mich macht traurig, wenn ich meine Arbeit verliere“, sagte eine junge Frau, „ich möchte vor allem gesund bleiben“, fügte ein Besucher an.
Bischof Norbert Trelle ermunterte die behinderten Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu treten. „Versteckt euch nicht, lasst euch anschauen“, sagte er, „wir stehen an eurer Seite.“
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