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Kritik: Ein paar Nummern zu groß

Die Wahl fiel einstimmig auf den Entwurf des Architekturbüros Kellner Schleich Wunderling Architekten aus Hannover. Die klare Struktur der Bebauung, die gleichzeitig viel Raum für unterschiedliche Wohnformen bietet, gefiel der Jury.
 
Die Anordnung der Häuser aus der Vogelperspektive.

Auf dem Papier nimmt geplantes Baugebiet Kälberwiese Gestalt an – Siedlerverein ist dagegen.

Von Marion Korth, 21.11.2015.

Braunschweig. Die Mitteilung der Stadt, dass im städtebaulichen Wettbewerb Kälberwiese ein Sieger gekürt worden ist, hat bei den im dortigen Siedlerverein Alt-Petritor organisierten Anwohnern keine Freude, sondern eher Entsetzen ausgelöst. Zu hohe Häuser, zu viele Wohneinheiten und damit viel zu viel Verkehr, das sind nur einige Punkte, die der Siedlerverein gegen das neue Baugebiet auf der ehemaligen Bezirkssportanlage anführt.

Noch bevor das eigentliche Planverfahren begonnen hat, sieht der stellvertretende Vorsitzende des Siedlervereins nun bereits Fakten geschaffen. „Wir sträuben uns nicht gegen eine Bebauung an sich“, stellt Hans Ochmann klar. Aber ein „massierter Geschosswohnungsbau“ mit bis zu 550 Wohnungen passe nicht in die Nachbarschaft, wo die Straßen Namen wie Vogelsang oder Amselweg tragen und vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser stehen. Die Verkehrserschließung über die Straße Kälberwiese hält Ochmann für völlig ungeeignet und mag sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn dort täglich 700 bis 800 Autos durchrollen. Die Stadt hätte erst prüfen müssen, ob an dieser Stelle und in dieser Nähe zur A 391 ein Geschosswohnungsbau überhaupt zulässig sei. So hoch könne keine Lärmschutzwand sein, dass auch in den höher gelegenen Wohnungen Ruhe ist.

Der Entwurf

Der Siegerentwurf sieht im südlichen Bereich für die Flächen der ehemaligen Sportanlage durchgehend eine maximal viergeschossige Bebauung vor. Die nördlich an der Feldstraße liegenden Reihenhäuser weisen auf Vorschlag des Büros in der Regel maximal drei Geschosse auf. Dieser Bereich, in dem auch in würdiger Form an das ehemalige Zwangsarbeiterlager erinnert werden soll, ist jedoch nach Auffassung der Verwaltung noch gründlich zu überdenken und an die bestehenden Strukturen anzupassen, denn: „Es handelt sich um einen städtebaulichen Entwurf, nicht um eine abgeschlossene Planung.“

Die Verkehrssituation

Rein rechnerisch geht die Bauverwaltung davon aus, dass sich die Anzahl der Fahrzeuge in dem geplanten Baugebiet zwischen 500 und 580 bewegen wird. Im Entwurf sind zwei Erschließungsmöglichkeiten aufgeführt: einmal über Kälberwiese und Feldstraße oder im Bereich der nördlichen Kreuzstraße über das ebenfalls geplante Baugebiet „An der Schölke“. In diesem Bereich werden später auch die meisten Menschen wohnen. Wie genau die Verbindung beider Bereiche für Anliegerverkehr und öffentlichen Personennahverkehr aussehen kann, soll eine genauere Untersuchung zeigen.

Die Entwässerung

So nahe an Schölke und Mittelriede besteht durchaus die Gefahr, sich nasse Füße zu holen. Um Überschwemmungen wie 2002 zu verhindern, beziehungsweise Hochwasserstände „zwischenzuparken“, wurde bereits ein größeres Rückhaltebecken gebaut. Was es bedeutet, wenn nun zusätzliche Flächen bebaut und versiegelt werden, muss ebenfalls gutachterlich geklärt werden. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, sicherzustellen, dass die zusätzliche Bebauung die Überschwemmungsgefahr nicht verschärft, zum Beispiel weil bei Starkregen große Wassermassen schneller in die Kanalisation drängen.


Zeitplan

• In einem ersten Termin werden die Fraktionsvertreter des Stadtbezirksrates informiert. In der 48. Kalenderwoche wird die Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse eröffnet, und die Preisträger stellen ihre Entwürfe vor. Die Ausstellung wird zwei bis drei Wochen laufen.

• Nach der Überarbeitung des Siegerentwurfs, dem Vorliegen der wichtigsten Gutachten und Entwicklung der ersten Vorentwurfsfassung eines Bebauungsplanes wird die offizielle frühzeitige Bürgerbeteiligung gemäß § 3 (1) BauGB in Form einer Versammlung durchgeführt.

• Die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung werden planerisch geprüft und gegebenenfalls berücksichtigt. Erst danach wird der endgültige Entwurf vorgelegt.

• Im nächsten Jahr sollen der Bebauungsplan aufgestellt und das Gelände ab 2017 erschlossen werden.
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