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Kritik an der Arbeit in den Argen

70 Mitarbeiter protestierten mit einer Mahnwache gegen schlechte Arbeitsbedingungen

Von Jens Radulovic, 25.11.2009

Braunschweig. „Wer glaubt, dass Menschen in prekärer Beschäftigung Menschen in prekären Lebensverhältnissen helfen können, der irrt“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Aschenbach, zuständig für den Bereich Sozialversicherung, vor nach Polizeiangaben etwa 70 Mitarbeitern der Arbeitsgemeinschaft (Arge) aus den Dienststellen der Region.

Der von Verdi initiierte Arbeitskreis „Belastungssituationen in den Argen“ hatte zu der Mahnwache vor der Arge am Cyriaksring aufgerufen, um auf die Arbeitssituation in den Argen hinzuweisen.
Die Kritik richte sich dabei nicht in erster Linie an die Arge-Leitungen vor Ort, sondern an die Politik, so Aschenbach. Politische Entscheidungen würden nicht transparent gemacht, die Mitarbeiter über ihre Zukunft im unklaren gelassen. Denn das Bundesverfassungsgericht habe die Politik zu einer Neuorganisation der Argen aufgefordert, die Politik bislang jedoch keine Klarheit geschaffen. Arge-Mitarbeiter mit befristeten Verträgen wüssten daher nicht, ob und wie es für sie weiter geht.
„Ein großes Problem ist auch der Betreuungsschlüssel, der festlegt, dass ein Mitarbeiter für 130 Bedarfsgemeinschaften zuständig ist“, erläutert Aschenbach, „uns ist bisher nicht erklärt worden, wie dieser Schlüssel zustande gekommen ist.“ Eine Bedarfsgemeinschaft bestehe in der Region aus ein bis 12 Menschen, das Arbeitsaufkommen sei entsprechend unterschiedlich. Zudem ändere sich bei jeder Veränderung bei den persönlichen Verhältnissen der Bedarfsgemeinschaft auch die Berechnungsgrundlage, was einen riesigen Arbeitsaufwand bedeute. Vor der Sommerpause hatte der Arbeitskreis eine Umfrage in den Dienststellen Braunschweig, Gifhorn, Wolfenbüttel, Helmstedt, Salzgitter und Wolfsburg gestartet. „Die Umfrage zeigt, dass die Mitarbeiter überzeugt sind, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, aber zum Beispiel bei Arbeitsmenge und Zeitdruck große Probleme sehen.“ Durch die wachsende Überlastung häuften sich die Erkrankungen.
„Ich habe etwa 250 bis 300 Kunden, das ist einfach zu viel“, sagt eine Arge-Mitarbeiterin, die in der Dienststelle Wolfenbüttel als persönliche Ansprechpartnerin für Arbeitssuchende beschäftigt ist und anonym bleiben will, „ideal wären vielleicht 150. Aber genau kann ich das nicht abschätzen, denn ich hatte noch nie so wenige Kunden zu betreuen.“ Auch für die Arbeitssuchenden sei ihre Überlastung ein Problem: „Wir kommen mit den Termineinladungen nicht hinterher. Natürlich würde ich effektiver arbeiten, wenn ich mehr Zeit für meine Kunden hätte.“
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