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Kriminalität: Minus ist ein gutes Zeichen

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in Braunschweig gesunken. Wachsame Nachbarn sowie gut gesicherte Türen und Fenster sind der beste Schutz. Foto: djd/Getty Images/oh
 
Die Entwicklung der Gewalt gegen Polizeibeamte in den vergangenen Jahren. Quelle: Analysestelle der Polizeiinspektion Braunschweig

Kriminalstatistik gestern vorgestellt –Deutlicher Rückgang bei den Diebstahlsdelikten.

Von Marion Morth, 15.02.2017.

Braunschweig. Braunschweig ist nicht Bullerbü, trotzdem dürfen sich die Braunschweiger sicher fühlen. „Wir spielen in der ersten Liga“, sagte Ulf Küch, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, als er gestern die Kriminalstatistik 2016 vorstellte.

„Hier gibt es keine No-go-Areas“, sagt er. Im Städtevergleich steht Braunschweig hinsichtlich der Häufigkeitsziffer gut da. Rund 9500 Straftaten je 100 000 Einwohner hat die Polizei hier verzeichnet, in Bonn sind es 11 400, in Magdeburg 13 000.
Weniger Wohnungseinbrüche, weniger Diebstähle (Rückgang um knapp 13 Prozent), weniger gestohlene Fahrzeuge, weniger Straftaten insgesamt (minus 6,3 Prozent) – das sind kurz gesagt die Erfolge. Leicht gestiegen ist dagegen die Zahl der Körperverletzungen.

Küch und seine Kollegen freuen sich über die geringere Zahl der Wohnungseinbrüche. „Wir sind rigoros gegen örtliche Täter vorgegangen“, sagte er. Das Ergebnis: fast 22 Prozent Rückgang auf 293 Taten.


Sammelbecken für Straftäter? - Polizei beobachtet Wandel in der LAB – Abgelehnte Asylbewerber bereiten Probleme

Ulf Küch, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Braunschweig, ist ein Mann der klaren Worte. Was er gestern bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2016 sagte, lässt aufhorchen: „Ich habe den Verdacht, dass Braunschweig zu einem Sammelbecken für abgelehnte und zum Teil straffällige Asylbewerber wird – da müssen wir aufpassen.“ Die Landesaufnahmebehörde in der Kralenriede sieht er dabei als Treffpunkt für Menschen, die wenig zu verlieren haben und sich „auf niedrigem Niveau“ außerhalb der Legalität bewegen: als Einbrecher oder kleine Drogendealer. Erst in der vergangenen Woche waren drei Männer festgenommen worden, die in einen Kiosk hatten einbrechen wollen. Zwei von ihnen waren zuvor schon wegen Ladendiebstahls auffällig geworden, bei dem Dritten besteht Verdacht auf Sozialleistungsbetrug.


Es ist ein allgemeiner Wandel, der zu beobachten ist, nachdem nun seit einiger Zeit kaum noch neue Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kommen. Die gebildete Zentrale Ermittlungsgruppe werde auf jeden Fall weiterbestehen, sagte Küch. Im vergangenen Jahr wurden 1255 Straftaten bearbeitet, es kam zu 135 Festnahmen, davon 20 Haftbefehle mit Verurteilung sowie zwölf Untersuchungshaftbefehle. Die Zahl der Fälle insgesamt sank mit der LAB-Belegung um fast ein Drittel. Derzeit untersucht die Ermittlungsgruppe vor allem Leistungs- und Sozialbetrug, drastisch zurück ging dagegen der Ladendiebstahl in der Kralenriede.


„Regelrecht ausgeplündert“ - Verheerende Geldschäden durch Enkeltrick

„Ja, wir hatten Probleme, auch für die Polizei war die Situation neu“, sagt Ulf Küch. Vorhersagen, dass die Stadt wegen der Flüchtlinge in der LAB mit Kriminalität überspült werde, hätten sich trotzdem nicht erfüllt. Derzeit arbeitet die Sonderkommission vor allem noch die aufgelaufenen Fälle von Leistungsmissbrauch auf, auch sonst vollzieht sich mit Blick auf die LAB gerade ein Wandel (siehe Artikel rechts). Küch benannte die größten Problemfelder.

Enkeltrick

670 000 Euro haben Trickbetrüger, die sich als Verwandte ausgaben, 2016 erbeutet. Küch: „In diesem Jahr werden wir locker in den siebenstelligen Bereich kommen.“ Die Bevölkerungsentwicklung mit einer wachsenden Zahl älterer und dementer Menschen sei ein „Eldorado“ für die Täter. Küch: „Unsere Eltern und Großeltern werden regelrecht ausgeplündert.“

Gewalt gegen Polizisten

Nachts, wenn mit fortschreitender Stunde der Alkohol- und Drogenpegel steigt, wird Braunschweigs Innenstadt zum „heißen Pflaster – vor allem für Polizeibeamte. 426 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte wurden in Braunschweig erfasst, rund 900 waren es im Bereich der gesamten Direktion. Das habe auch abschreckende Wirkung auf potenziellen Berufsnachwuchs, gab Küch zu bedenken. Nun müsse abgewartet werden, was die Gesetzesänderungen bringen.

Internetkriminalität

Es fehlt an IT-Spezialisten innerhalb der Polizei. Das Problem: Die Verdienstmöglichkeiten für echte Spezialisten seien zu gering.
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