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Krach um die Krähen

Scharenweise kommen sie abends in die Stadt, um hier zu schlafen

Von Marion Korth

Braunschweig. Die einen sprechen schon von „Plage“, auf jeden Fall sind sie seit gestern ein Politikum: Die Krähenschwärme in der Innenstadt und vor allem ihre Hinterlassenschaften.

Wenn die Dämmerung kommt, kommen die Krähen. Jeden Abend das gleiche Spiel. Laut krächzend umkreisen sie ihre Schlafbäume, bis alle ihren Platz gefunden haben. Morgens fliegen sie wieder davon, was bleibt, ist ätzender Dreck – auf Gehwegen, Bänken, Autos. „Die Stadt müsste sich Gedanken machen, was man dagegen tun kann“, sagt der CDU-Politiker Heiner Höltje. Er hat die „Krähenplage“ auf die Tagesordnung der Sitzung des Stadtbezirksrates Innenstadt gebracht und zum Thema einer Anfrage an die Verwaltung gemacht. Eine Antwort wird es aber erst in der nächsten Sitzung geben. Höltje weiß, wovon er redet, hat die Krähen direkt vor der Haustür. Höltje wohnt am Marstall. „In drei, vier Bäumen sitzen 40 Krähen“, sagt er. Die Krähen fliegen im wahrsten Wortsinn auf die großen Bäume in der Stadt. Sie haben eine ganze Reihe von Schlafplätzen: Besonders beliebt: Neue Straße und Karstadt-Parkhaus sowie rund um den Dom.

Innenstadtbewohner und CDU-Politiker Heiner Höltje: „Es ist furchtbar, wie viele hier abends einfliegen.“ Ein Fanatiker sei er aber nicht. Am Krähenkrach stört er sich nicht, aber am Krähenkot. Der birgt möglicherweise auch noch gesundheitliche Risiken. „Seitdem man von der Vogelgrippe gehört hat, ist man da sensibler“, sagt Höltje.
Er fährt mittlerweile sein persönliches „Vogelscheuchen“-Programm. Eine Kinderratsche habe er sich besorgt, um die Krähen mit Krach zu vertreiben. „Aber das kann man natürlich nicht nachts machen“, sagt Höltje. Für den Nachteinsatz hat er noch einen Laserpointer, dessen rötliches Licht die Krähen nicht mögen. Außerdem wirksam: Mit einem Hammer gegen den Stamm des Krähenschlafbaumes klopfen. Bahnbrechend sind diese Methoden allerdings nicht. „Die Krähen fliegen dann ein paar Meter weiter Richtung McDonalds.“
Nicht bewährt hat sich der „elektronische Hund“ im Rathausinnenhof, der die Krähen mit künstlichem Gebell und Flackerlicht in die Flucht schlagen sollte. „Nach ein paar Tagen hatten die Krähen sich daran gewöhnt“, sagt CDU-Ratsherr Hennig Brandes, der auch Vorsitzender der Jägerschaft Braunschweig ist. „Aber fürs Krähenproblem sind wir nicht zuständig“, sagt Brandes gleich. Es handele sich in der Mehrzahl um die besonders geschützte Saatkrähe, die sich als Wintergast in die wärmeren Städte, wo sie zudem noch sicher vor Feinden ist, zurückziehe. Jagd darf auf sie nicht gemacht werden, auch auf Rabenkrähen übrigens nur mit Ausnahmegenehmigung.
„Wo Autos stehen, ist das mit dem Krähendreck unschön“, sagt Carlo Fuchs. Der Leiter der faunistischen Arbeitsgemeinschaft Südostniedersachsen sieht in dem Krähenproblem ansonsten aber kein wirkliches Problem. Nordische Rabenkrähen und osteuropäische Saatkrähen finden sich jedes Jahr in großen Trupps als Wintergäste ein. Tagsüber suchen sie in der freien Landschaft nach Futter, abends kommen sie zum Schlafen in die Stadt.
Die Krähen wie in der Vergangenheit mit Krachgeräuschen aus dem Rathausinnenhof verscheuchen zu wollen sei „absolut irrsinnig“. „Die einzigen, die man damit trifft, sind die Mitarbeiter“, meint er. Überhaupt verschärfe häufiges Aufscheuchen das Problem eher noch: Mehr Bewegung bedeutet mehr Energieverbrauch, die Vögel müssen mehr fressen und machen noch mehr „Mist“. „Wir zeigen mit dem Finger gern auf die Franzosen und Italiener, die Singvögel auf ihrem Zug in den Süden fangen“, gibt Fuchs zu bedenken. Die Krähen seien schließlich auch Zugvögel, kein Grund, sich darüber aufzuregen.
Die Stadtverwaltung ist erst noch dabei, sich eine Meinung zu bilden. Bislang gebe es keine Erkenntnisse, ob die Zahl der Vögel zugenommen hat, ob sie tatsächlich größeren Schaden anrichten und und und. „Es werden jetzt die Stellungnahmen der verschiedenen Fachreferate eingeholt“, sagte dazu Stadtpressesprecher Adrian Foitzik.
Eines ist jedoch gewiss: Die Krähen sind in Braunschweig nur Wintergäste. Im Frühjahr ist der Spuk vorbei, dann ziehen die Krähen zurück in ihre Brutgebiete. Und in Braunschweig herrscht wieder Ruhe.
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