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Kleinster Nenner für das Stadion

Der Rat bestätigt seinen Beschluss zum Ausbau der Nordkurve – Vip-Logen gibt es vorerst nicht

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Nordkurve und Sanitärbereich: Der Rat wählt den kleinsten Nenner für das Eintrachtstadion.

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann hatte in einer Pressekonferenz vergangene Woche die umfangreichen Ausbaupläne aufgrund der Finanzkrise auf den Prüfstein gestellt (siehe nB vom Sonntag), er habe den Eindruck, dass die Ratsfraktionen nicht mehr hinter der „großen“ Lösung stünden, sagte er.
Die SPD-Fraktion und die Grünen hatten daraufhin gestern einen Dringlichkeitsantrag im Rat gestellt: Die Sozialdemokraten forderten den Rat auf, zum ursprünglich favorisierten „großen Wurf“, mit Vip-Logen und Businessitzen, zu stehen, die Grünen wollten das Thema „Stadion“ zurück in die Ausschüsse geben und ganz neu beraten.
Beide Anträge wurden nach hitziger Debatte abgelehnt, damit ist der ursprüngliche Ratsbeschluss bestätigt, allerdings alle weitergehende Pläne, wie Kubus und Vip-Logen gestoppt.
Hoffmann habe auch überlegt, das Projekt komplett zu kippen, er sprach von einer „äußerst schwierigen Entscheidung“, aber ein Stopp würde jetzt ein falsches Signal setzen: „‘Hier läuft gar nichts mehr’, wäre die fatale Botschaft.“

Eins ist mal sicher – leicht haben es sich die Ratsfrauen und -männer mit der Entscheidung zum Eintrachtstadion gestern nicht gemacht. Da war viel Herzblut im Spiel, die meisten im Saal sind ganz offensichtlich echte Eintrachtfans.

„Und Fan kommt von fanatisch“, sagte der Oberbürgermeister und zeichnete in einer ziemlich emotionalen Rede den für ihn harten Weg nach, von den „großen Träumen“ zur nüchternen Realität.
Manfred Pesditschek hatte zuvor ebenfalls mächtig gefühlvoll die Haltung der Sozialdemokraten erklärt, sprach von Verlässlichkeit und dem Mangel an ernsthaften Gegenargumenten für den Komplett-Ausbau. „Wenn man das wirklich nicht will, dann hätten das die Gegner hier im Rat früher sagen müssen“, mahnte er, jetzt seien die Entscheidungen gefallen, die Planungen in Auftrag gegeben. „Was ist denn das für ein Signal für die neue Spielzeit, wenn so eine Entscheidung wieder zurück genommen wird?“, fragte Pesditschek. Der Ausbau könne natürlich nicht den sportlichen Erfolg garantieren, ja, nicht einmal einen weiteren Abstieg mit Sicherheit verhindern, sagte er, „aber für attraktiven Fußball in Braunschweig ist auch ein attraktives Stadion nötig.“
Daniel Kreßner begrüßte für die FDP die letztlich beschlossene „kleine Lösung“. Wenn Eintracht Braunschweig wieder im oberen Drittel der zweiten Liga mitspiele, dann müssten auch die Themen wie Vip-Logen oder Businessplätze wieder angefasst werden. Bis dahin freue er sich auf eine „tolle Atmosphäre in einem Multifunktionsstadion“.
Denn das soll das Eintrachtstadion auf jeden Fall bleiben. Diskussionen um ein reines Fußballstadion verwies Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann direkt in die Traumwelt.
Auch das von Eintracht Braunschweig vorgeschlagene Leistungszentrum an der Kälberwiese (statt Ausbau der Nordkurve) fand keinen Eingang mehr in die Diskussion. „Der Vorschlag kam zu spät“, sagte Hoffmann, „außerdem würde der Wunsch nach der Schließung der Nordkurve etwas später doch wieder formuliert werden.
Carsten Müller (CDU) betonte ebenfalls die besondere Emotionalität des Stadions und den Wunsch, eine Mehrzweckarena zu behalten. „Wir freuen uns auf die Leichathletikmeisterschaften jetzt im Sommer“, sagte er. „Die Nordkurve ergänzen, den Sanitärbereich deutlich ausbauen – ein Mehr kann es im Moment nicht geben“, machte er die CDU-Position deutlich.
Sein Kollege Klaus Wendroth fügte fast beschwörend hinzu: „Wenn Eintracht den Aufstieg schafft, und davon bin ich überzeugt, dann werden wir das Leistungszentrum angehen und auch über die Hautptribüne reden. Mittelfristig werden wir das bauen.“
Die Grünen forderten in ihrem Dringlichkeitsantrag, alle geplanten Bau- und Umbauaktionen zu stoppen, sie würden beispielsweise eher ein Leistungszentrum für den Nachwuchs unterstützen wollen. „Der Willensbildungsprozess ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen“, sagte der Frakionsvorsitzende Holger Herlitschke.
Udo Sommerfeld (Die Linke) forderte auch für den Ausbau der Sanitäranlagen eine Beteiligung von Eintracht Braunschweig, jeder andere Verein müsse sich bei baulichen Veränderungen ebenfalls selbst finanziell beteiligen.
Schließlich betonte auch der Oberbürgmeister noch einmal seine Hoffnung auf den sportlichen Erfolg, der Aufstieg vor zwei Jahren habe mit seiner Euphorie den Boden bereitet für die optimistische Diskussion um den Ausbau des Stadions.
Aber dann sei alles ganz anders gekommen, der sportlichen Katastrophe sei die wirtschaftliche gefolgt. „Wir haben die dramatischste Wirtschaftskrise seit 1929“, sagte er, „nächstes Jahr werden wir mindestens 25 Millionen Euro Minus machen.“ Und das werde sich fortsetzen, „denn die konjunkturelle Tieflandung werden wir erst im Herbst 2010 erleben“.
Er habe alles probiert, um die ursprünglichen Ausbaupläne samt Logen und Kubus noch zu realisieren, in den vergangenen Wochen habe er ständig mit Eintracht gesprochen, mit jedem möglichen Sponsor verhandelt. „Wir haben alles probiert, aber es geht nicht, so wichtig es wäre“, ist sein Fazit. Hoffmann ist überzeugt, dass auch eingefleischte Eintrachtfans die Entscheidung mittragen werden.
Mit dem jetzt beschlossenen Ausbau der Nordkurve werde das Stadion eine noch bessere Atmosphäre bekommen, „dann geht vielleicht ein Schwung los, der bis in die zweite Liga trägt“, hofft der Oberbürgermeister.
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