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Keine Oberstufe

IGS Querum verärgert

Von Martina Jurk, 01.11.2009

Braunschweig. Es ist gerade mal sechs Wochen her, dass Schüler im Rathaus demonstrierten. Am vergangenen Freitag waren es Eltern und Schüler, die ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung Luft machten. Der Anlass: Die Verwaltung will die Planungen für eine eigene Oberstufe der Integrierten Gesamtschule Querum auf Eis legen – auf unbestimmte Zeit. Zur Schulausschusssitzung hatten sich rund 20 Eltern und Schüler eingefunden. Der Schulelternrat wollte damit seinem Protestschreiben an den Schul-, Kultur- und Sportdezernenten Wolfgang Laczny Ausdruck und Gewicht verleihen. Die Eltern fühlen sich getäuscht, weil der Bedarf für eine Sekundarstufe II von der Verwaltung längst erkannt worden sei, sie jetzt davon aber nichts mehr wissen wolle. „Ein erheblicher Vertrauensverlust“, sagt Elternratsvorsitzender Michael Johannes.

Die Schüler und Eltern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Querum sind entsetzt über die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Planungen der eigenen Oberstufe. Die Vorfreude, dass ihr Sohn im nächsten Sommer ohne große Schwierigkeiten in der ihm bekannten Schulform Richtung Abitur gehen kann, sei komplett zerstört und in deutliche Wut umgeschlagen, entrüstet sich Regina Welzel.
So wie ihr ergeht es im Moment vielen Eltern, die aus der Tageszeitung erfuhren, was die Stadtverwaltung plant. Sie reagierten mit Bestürzung darauf. „Die bisher erzielten positiven Ergebnisse sind nun wieder in Frage gestellt, ja sogar in das Gegenteil verkehrt worden“, heißt es in dem Protestbrief an den zuständigen Dezernenten.
Eigentlich sollte die Oberstufe schon mit Beginn des Schuljahres 2009/10 starten. Das Angebot der Schulleitung, die Oberstufe räumlich erstmal in der Nibelungenschule unterzubringen, wurde von der Verwaltung abgelehnt, die Dringlichkeit aber nicht in Frage gestellt. Plötzlich falle der Verwaltung wie aus heiterem Himmel auf, dass die Räume für die Sekundarstufe II nicht ausreichen werden, ist Schulelternratsvorsitzender Michael Johannes verwundert. „Da fragen wir uns, was passiert ist? Erstaunlicherweise mussten wir feststellen, dass nichts geschehen ist. Nichts, dass nicht vorhersehbar war! Die Aussage der Verwaltung, dass die Räume nicht ausreichen werden, ist seit langem bekannt und auch schon entsprechend diskutiert worden.“ Auch über die Aussage der Verwaltung, dass der Bedarf einer Oberstufe noch nicht abschließend ermittelt sei, wundern sich die Eltern. „Vor zirka zwei Jahren haben alle die Notwendigkeit einer eigenen Oberstufe für die IGS Querum erkannt und heute wollen dieselben Personen davon nichts mehr wissen, obwohl sich an den Schülerzahlen nichts verändert hat.“ Sie rechnen vor: Die Anzahl der entsprechenden Schulabschlüsse am Ende der Sekundarstufe I sei so hoch, dass längst eine dreizügige Oberstufe betrieben werden könnte. Hinzu kämen die vielen Ablehnungen von Realschülern, die eine elfte Klasse der bislang zwei Gesamtschuloberstufen besuchen wollen. Daher könne durch eine Oberstufe der IGS Querum endlich auch die Raumnot an den Braunschweiger Gymnasien gelindert werden.
Keine endgültige Absprache mit der Landesschulbehörde und dass im Haushaltsplan 2010 kein Geld für die Oberstufe der IGS Querum zur Verfügung steht, sind weitere Gründe der Verwaltung für die Ablehnung. Der Antrag für die Oberstufe sei allerdings bereits 2008 bekannt gewesen und das Geld hätte schon zu diesem Zeitpunkt eingeplant werden können, argumentiert der Stadtelternrat. Kosten von 2,9 Millionen Euro hat die Verwaltung errechnet, wenn die gymnasiale Oberstufe der IGS Querum in der Nibelungenschule untergebracht werden würde, etwa 5,6 Millionen Euro für die Erweiterung der Schulanlage in Querum. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie ein tragfähiges Konzept vorlegen, damit zum Wohl aller beteiligten Personen die SEK II der IGS Querum zum Schuljahr 2010/2011 starten kann.
Schuldezernent Wolfgang Laczny betonte im Schulausschuss, dass vor zwei Jahren weder die Wirtschaftskrise noch deren Auswirkungen vorhersehbar waren. „Derzeit gibt es keine finanziellen Spielräume. Eine Finanzierung, ohne Schulden zu machen, ist nicht möglich“, sagte Laczny. Die Oberstufen-Planungen seien lediglich zurückgestellt und nicht abgelehnt worden. Sobald sich die Haushaltslage entspanne, könnte das Projekt wieder in Angriff genommen werden. Laczny stellte klar, dass die Stadt trotz Krise 145 Millionen Euro bis 2014 in die Schulinfrastruktur investiere. „Weitere Maßnahmen sind nicht finanzierbar.“
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