Anzeige

Kandidaten zwischen Twitter und Facebook

Streifzug durchs Internet: Braunschweigs Politiker zwischen Traktoren und Twittermeldungen

Von Sebastian Walther

Kurz vor der Bundestagswahl am 27. September hat sich nB-Mitarbeiter Sebastian Walther auf die Spuren der Kandidaten im Internet gemacht. Zwischen Twitter und Facebook hat er politischen Aussagen, private Einblicke, leeren Worthülsen und witzige Bemerkungen gefunden. Auf Seite 3 steht heute der erste Teil der Reise durch das Netz, der zweite Teil folgt in der nB am kommenden Sonntag. Aus zehn Direktkandidaten können sich die Wählerinnen und Wähler am 27. September im Wahlkreis Braunschweig ihren Favoriten aussuchen. Alle Vorschläge von SPD, CDU, FDP, Grüne, Die Linke, NPD, MLPD und Piraten sowie zwei Einzelbewerber mit den Kennworten „du kannst grundeinkommen WÄHLEN“ und „Willi-Weise-Projekt“ hat der Kreiswahlausschuss zugelassen.

Wer die Wahl hat: Zehn Kandidaten wollen von Braunschweig aus direkt in den am 27. September neu zu wählenden Bundestag einziehen. Die nB hat sich auf ihre Fährte im World Wide Web begeben, um herauszufinden, wo, wie und warum die Politiker sich online präsentieren. Teil eins berichtet von Traktoren und Twittermeldungen.

Es ist ein wenig wie die alte Geschichte vom Hasen und Igel – wo man sich im Internet auch hinklickt, Dr. Carola Reimann ist bereits da. Mit einer eigenen Homepage sowieso. Außerdem ist die SPD-Kandidatin auf Youtube, Flickr, Facebook, Xing und StudiVZ vertreten. Zwischen politischen Bilanzen, dem Regierungsprogramm 2009 oder Meldungen aus Berlin ist hier dann auch mal Platz für Hobbys (Joggen, Yoga, Pilates, Reisen, Lesen), Lieblingsfilme („Harold and Maude“, „Es war einmal in Amerika“) und Fotos mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Viel mehr Privates gibt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion jedoch nicht preis – Kollege Carsten Müller von der CDU hinterließ ihr trotzdem gleich zwei knappe, aber freundliche Nachrichten auf der Pinnwand im Studentennetzwerk StudiVZ.

Er erweiterte sein dortiges Profil um die Angabe zu den Haustieren, auch wenn er die genaue Zahl – „zwei Hunde, drei Katzen, Gänsepärchen, Laufenten, Hühner, Kaninchen“ – insgesamt schuldig bleibt. Zwei von ihnen und ein Traktor haben es sogar in die doch recht übersichtliche private Fotogalerie gebracht. Dafür glänzt die eigene Homepage gar mit einem schelmischen Jugendfoto des 39-Jährigen. Seinen durchschnittlichen Tagesablauf hat Müller in seiner Rubrik „Meine Woche in Berlin“ kurz skizziert, allein, man vermisst die persönliche Note in den Aufzeichnungen. Gleiches gilt auch für die politischen Ziele des Braunschweigers, die sich vor allem am aktuellen Parteiprogramm orientieren.

Die FDP schickt mit Florian Bernschneider einen Studenten ins Rennen, dem man allein auf Grund seines Alters (23) eine Affinität zu den Weiten des Datennetzes attestieren möchte. Und tatsächlich, hier wird sogar getwittert. Mit mal mehr, mal weniger gehaltvollen Nachrichten hält der Kandidat seine so genannten Follower auf dem Laufenden: „Schnell was essen und ab zum Stammtisch der JuLis Braunschweig.“ steht dann dort, oder „mal was zum Lachen“. Inmitten des einsetzenden Wahlkampfgetümmels scheint der Braunschweiger jedoch den Überblick verloren zu haben, auf einigen angegebenen Portalen sucht man ihn vergebens. Dafür soll dann vielleicht Bernschneider TV entschädigen – ein animierter Comic auf der Homepage des Politikers. Überhaupt geht es auf dessen Webseite rasant animiert zur Sache, gerade bei politischen Inhalten. „TV Liberal“ oder kleinere Videoclips liefern dann allerdings nur das FDP-Programm.

Von animierten Webinhalten ist Kandidat Horst Dauter weit entfernt. Der Augenoptiker tritt für das Willi-Weise-Projekt als freier Kandidat an und ist auch nur über dieses im Internet zu finden. Dort jedoch erfährt der geneigte Wähler dann außer wenigen politischen Inhalten („Wir brauchen chemiefreie, natürliche Ernährung (…) und wir brauchen einen Friedensvertrag“) immerhin, dass der 66-Jährige in seiner Freizeit als Imker und Hobbypilot unterwegs ist. Zumindest eine E-Mail-Adresse findet sich nur wenige Klicks weiter.

Vielmehr Spuren hat auch Frank Thomas nicht in sozialen Netzwerken hinterlassen. Im Forum Grundeinkommen bloggt der parteilose Architekt regelmäßig zu seinen politischen Ambitionen („ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglicht jedem Bürger ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu führen“) und auch ein Foto lässt sich dort dann noch auftreiben – für einen „Dienstleister im IT-Sektor“ eine magere Ausbeute.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.