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Jugendamt will mehr Vertrauen

Imagekampagne startet am Wochenende

. Von Birgit Leute, 04.05.2011

Braunschweig. Kevin in Bremen, Jessica in Schwerin – die schrecklichen Fälle von Kindesmisshandlungen haben auch gehörig am Image der Jugendämter gekratzt. Jetzt will eine bundesweite Kampagne wieder für Vertrauen werben. Auch in Braunschweig.

„Die negativen Schlagzeilen haben uns ziemlich geschadet“, gibt Norbert Winkler, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie in Braunschweig zu.
Zu oberflächig, zu nachlässig – so lauteten damals im Jahr 2006 die Vorwürfe im Fall Kevin gegenüber dem Bremer Jugendamt. Dieses hatte monatelang die Vormundschaft über den Jungen gehabt und dennoch nicht verhindern können, dass er zu Tode misshandelt wurde. „Natürlich haben wir mit schwierigen Fällen zu tun, aber in dieses Fahrwasser gehören wir nicht“, wehrt sich Winkler, der „auf Augenhöhe mit den Familien“ arbeiten möchte und sich deshalb mit seiner Behörde an der Kampagne beteiligt.
Zum Auftakt der Aktion unter dem Titel „Das Jugendamt. Hilfe, die ankommt!“ gibt es einen Tag der offenen Tür am kommenden Sonnabend (7. Mai). Zwischen 11 und 16 Uhr können sich die Besucher einen Überblick über die Einrichtung Jugendamt machen.
„Natürlich haben wir in erster Linie einen staatlichen Auftrag, erfüllen ein Wächteramt, doch wir sind nicht die ‚Kinderklaubehörde‘, als die wir gerne abgestempelt werden; unsere Aufgaben sind vielschichtiger und umfassen die Kitaplatzvergabe genauso wie Hilfe in Trennungssituationen“, sagt Jugendamtsleiter Norbert Winkler. Auf drei Etagen stellen sich am Eiermarkt 4-5 städtische Kitas, Jugendzentren, der Pflegekinderdienst und die Einrichtung „Ferien in Braunschweig“ vor. In den Wochen danach folgen weitere Informationsveranstaltungen unter anderem zu mehrsprachigen Angeboten an den Kitas, zu den Jugendbands sowie Vorträge von Fachleuten.
Höhepunkt ist ein Workshop und ein Konzert der Jazzkantine am 28. Mai. Die Band hatte sich bereiterklärt, die Schirmherrschaft für die Kampagne in Braunschweig zu übernehmen und bietet zwischen zehn und
18 Uhr musikbegeisterten Jugendlichen Einblicke in ihre Arbeit. Anschließend tritt sie mit den Teilnehmern und der Gruppe Rapflection um 20 Uhr im Jugendzentrum Rotation auf.
Winkler: „Auch wenn in Braunschweig Fälle wie Kevin oder Jessica nicht vorgekommen sind, haben wir doch reagiert und ein Kinderschutzkoordinierungszentrum eingerichtet.“ Zu ihm gehörten außer den städtischen Mitarbeitern auch Kinder- und Frauenärzte sowie Unfallchirurgen, die angehalten sind, Auffälligkeiten sofort weiterzugeben. „Außerdem hat das Bundeskabinett ein neues Kinderschutzgesetz beschlossen, das Prävention und die Möglichkeiten des Eingreifens noch einmal deutlich verbessert“, so Winkler. Das vollständige Programm der dreiwöchigen Aktion steht im Internet unter der Adresse www.braunschweig.de/das-jugendamt-unterstuetzung-die-ankommt.
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