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Jobfabrik macht gute Arbeit

Bei jedem Termin in der Jobfabrik wird drei Stunden gezielt an der beruflichen Zukunft gearbeitet: Ein Gymnasiallehrer mit zweitem Staatsexamen in der Tasche und ein Diplom-Chemiker auf der Suche nach einer Doktorandenstelle durchforsten Angebote, feilen an ihren Bewerbungen. Foto: T.A.
 
Ein neues Projekt, ein neuer Versuch: Nach etwas mehr als einem halben Jahr zogen Jörg Hornburg, Jobcenter Braunschweig (M.), Harald Eitge, Agentur für Arbeit (l.), Sozialdezernent Ulrich Markurth (2.v.l.), Dennis Hermann und Daniela Kern (beide Jobfabrik) Bilanz. Ihr Fazit: Die erste Jobfabrik in der Weststadt läuft so gut, dass das Modell ausgeweitet werden soll. Foto: T.A.

Gute Vermittlungsquote – Modell ausbaufähig.

Von Marion Korth, 21.08.2013

Braunschweig. Es wäre aber auch zu schön: Ein Knopfdruck und fertig ist er, der neu produzierte Job. Das funktioniert nicht, nicht einmal in der „Jobfabrik“, von daher ist der Name des Vorzeigeprojektes ein bisschen irreführend. Ein Erfolg ist es trotzdem.

Die Geschäftsbilanz nach etwas mehr als einem halben Jahr zeigt: Durch die Jobfabrik finden auffällig viele Menschen nach kurzer Zeit eine Stelle. Die Vermittlungsquote bringt Jörg Hornburg, Geschäftsführer des Jobcenters Braunschweig, und Harald Eitge, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, zum Schwärmen: Von 128 Teilnehmern, die das Projekt mit 32 Terminen bislang durchlaufen haben, fanden 43 Prozent während dieser Zeit oder kurz danach eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Und das allein durch Hilfe zur Selbsthilfe. Was in der Weststadt funktioniert, soll jetzt in andere Stadtteile übertragen werden.
In der „Jobfabrik“ rattern keine Maschinen. Da klackern Computertastaturen, da sprechen Menschen leise miteinander, jemand telefoniert. Einen festen Stundenplan gibt es nicht, die Ausfallzeiten liegen trotzdem nahe null. Reichlich unspektakulär das Ganze, dabei aber so erfolgreich, dass beim Pressegespräch am Montag laut über eine Ausweitung nachgedacht wurde.
„Die Jobfabrik muss ein fester Baustein der Vermittlungsarbeit werden“, betonte Sozialdezernent Ulrich Markurth. Bislang gibt es erst eine Jobfabrik, mitten am Ort des Geschehens am Madamenweg/Ecke Goslarsche Straße. Jeder, der im Jobcenter einen Antrag auf Grundsicherung stellt und in der Weststadt oder im westlichen Ringgebiet wohnt, wird in die Jobfabrik geschickt. Ausnahmen gibt es fast keine, es sei denn, der Bewerber ist Alkoholiker oder Analphabet. Weil nicht ausgewählt, nicht gesiebt wird, treffen sich dort der Langzeitarbeitslose und der Student auf der Suche nach dem ersten Job, der Familienvater und die Alleinerziehende, Alte und Junge. Die Mischung macht’s, sagen die Verantwortlichen. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründe sind eine Bereicherung, jeder profitiert von jedem. „Einmal haben wir eine Bewerbung zu dritt geschrieben“, sagt ein ehemaliger Teilnehmer, Allrounder auf der Suche nach einer Stelle im Bereich Print-Medien. Er ist noch immer auf der Suche, die Jobfabrik habe ihm trotzdem etwas gebracht. Der Austausch mit anderen, ein „Brainstorming“, das sei allein zu Hause nicht möglich. Ein anderer Teilnehmer lobt die „konzentrierte Arbeitsatmosphäre“. Das optimale Passfoto, Bewerbungsmappen, das Porto, all das gibt es in der Jobfabrik. Wichtig für jemanden, der jeden Euro zweimal umdrehen muss. Ratschläge, Hilfe bei der Suche nach der richtigen Bewerbungsformulierung obendrein.
Außerdem sei es ein Unterschied, ob die Ansage, sich irgendwo zu bewerben, von einem Berater kommt oder die Initiative selbst und mit Überzeugung ergriffen wird. Das ist der Ansatz in der Jobfabrik: „Es ist die Arbeit des Bewerbers, eine Arbeit zu finden.“ Auf dem Weg dorthin findet jeder Unterstützung von den Trainern, aber: „Wir kommen erst an dritter Stelle“, sagt „Fabrikdirektor“ Dennis Hermann. Davor stehen die Eigenmotivation und die Stärkung innerhalb der Gruppe. Die Idee der Jobfabrik stammt im Ansatz aus den Niederlanden, in Braunschweig hat das Konzept den Status des Prototyps mittlerweile überwunden, steht vor dem Sprung in die Serienreife. Im Vorausblick auf 2014 werde geprüft, wo weitere Jobfabriken sinnvoll sein könnten, etwa in der Nord- oder auch der Innenstadt, sagt Jörn Hornburg. Auch für Harald Eitge ist die Jobfabrik „der richtige Weg“, nicht nur für Langzeitarbeitslose. Neue Schwerpunkte in der Vermittlungsarbeit direkt in den Stadtteilen zu setzen, hat in Braunschweig Zukunft.
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