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„Jeder möchte nach Hause“

Wegen Aschewolke in der Türkei gestrandet – Reisevertrag gekündigt

Von Martina Jurk, 21.04.2010

Braunschweig. Sperrung des deutschen Luftraums, trotzdem Lockerung des Flugverbots, Flüge auf Sicht und mit Ausnahmegenehmigung – die Aschewolke des isländischen Vulkans sorgt weiter für Chaos. Nicht nur am Himmel herrscht Verwirrung, sondern auch dort, wo Touristen immer noch festsitzen. Am Telefon berichtete nB-Mediaberaterin Gudrun Mälzer von der Situation im türkischen Side.

„Die Ungewissheit ist marternd und zermürbend“, sagt sie. Seit Sonnabend wartet sie auf einen Rückflug nach Deutschland. Inzwischen habe der Reiseveranstalter den Vertrag gekündigt. Das heißt, er sichere den Rücktransport, die Übernahme aller anderen zusätzlich entstehenden Kosten sei ausgeschlossen. „Zwei Tage hat der Veranstalter Hotel und Verpflegung gezahlt, jetzt geht es ans eigene Portemonnaie.“ Gudrun Mälzer hat Glück, sie wohnt in einem Spitzenhotel. Ihre Reisegruppe kann dort auch bleiben. Zum Glück sei die Stimmung noch gut. Andere Veranstalter würden ihre Gäste nun in eigene Hotels mit niedrigerem Standard bringen. „Jeder möchte jetzt nur noch nach Hause, und jeder wartet jeden Tag auf irgendwelche Neuigkeiten. Aber es passiert nichts“, erzählt die Braunschweigerin. Wenn es nicht so weit und umständlich wäre, hätte sich Gudrun Mälzer schon auf den Weg nach Deutschland gemacht. Sie und die anderen Mitglieder ihrer Reisegruppe fühlen sich in der Türkei, als seien sie vergessen worden. In den Berichten über gestrandete Urlauber sei immer nur von Mallorca, den Kanaren, zum Teil Griechenland die Rede. Aber nicht von der Türkei.
Einige Touristen hätten schon im Flieger gesessen und mussten wieder aussteigen. Die Reiseleiter würden versuchen, die unfreiwilligen Urlauber bei Laune zu halten so gut es geht, sie müssten sich aber immer mehr Vorwürfe anhören. „Die Leute kaufen nichts mehr, halten ihr Geld zusammen, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht.“ Die Situation sei eine unterschwellige Belastung. Entspannter Schlaf sei nicht möglich aus Angst, den Abflug zu verpassen. Vor Sonnabend rechnet Gudrun Mälzer nicht mit einer Rückreise. Ungewiss sei, wie die aussieht.
Das Busunternehmen Der Schmidt (Wolfenbüttel) und die Firma Reisepartner Fuhrmann-Mundstock (Vechelde) bringen Touristen nach Hause, vorausgesetzt, diese befinden sich bereits auf dem Festland. In der ersten Welle am vergangenen Wochenende holte das Reisebüro Schmidt Tagungsgäste in Italien ab, die mit der Fähre aus Athen gekommen waren. Möglicherweise werden Touristen, die mit der Fähre von Mallorca nach Barcelona gebracht wurden, dort in Empfang genommen und nach Hause gefahren. „Wir sind fahrbereit. Unsere Busse stehen vollgetankt und gewaschen auf dem Hof“, sagt Philipp Cantauw von der Geschäftsleitung des Reisebüros Schmidt und gleichzeitig Mitglied im Marketingausschuss des Reiseveranstalters Tui. Die gesamte Bus-Flotte, das sind 43 Fahrzeuge, könnte mobilisiert werden. Cantauw ist im ständigen telefonischen Kontakt mit dem Krisenstab des Reiseveranstalters.
Auch das Unternehmen Reisepartner Fuhrmann-Mundstock ist im „Aschewolken-Einsatz“. Im Auftrag von Reiseveranstaltern werden unter anderen Passagiere der Aida-Kreuzfahrtschiffe weiterbefördert. „Im Moment ist es chaotisch. Wir sind zum Beispiel von Barcelona nach Marseille leer gefahren, weil zwischenzeitlich wieder geflogen wurde“, beschreibt Geschäftsführerin Christiane Roloff die Situation.
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