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„Investoren sind gar nicht so scheu“

Stellten sich der Diskussion (von links): Rüdiger Warnke, Nibelungen, Franziska Schröter, Friedrich-Ebert-Stiftung, Moderatorin Dr. Birgit Mangels-Voegt, Dr. Carola Reimann (SPD) und Arnt von Bodelschwingh, RegioKontext. Foto: Ammerpohl

Diskussion um das Zusammenleben in der Stadt – Sozialwohnungen einfordern.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 14. Juni 2016

Braunschweig. Große Familien, Singles, studentische Wohngemeinschaften, Menschen mit Behinderungen, Flüchtlinge, Alte, Obdachlose – das Thema „Wohnen in Braunschweig“ geht alle an. Jetzt hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung zur Diskussion ins Gewerkschaftshaus eingeladen.

Das Phänomen sei nicht neu, erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Carola Reimann, aber der Zuzug von Flüchtlingen würde das Thema noch weiter anheizen. „Umfragen haben gezeigt, dass viele Menschen die neue Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt stärker fürchten als die auf dem Arbeitsmarkt“, sagte die Politikerin.
Während der sogenannten „Fishbowl“-Diskussionsrunde setzten sich immer wieder Gäste aus dem Publikum neben die Referenten und brachten ihre Fragen und Anregungen ein.
Da ging es unter anderem um die Sorge von Anwohnern aus dem westlichen Ringgebiet in Häusern zu leben, die „kaputt saniert“ würden. Ein Problem, das Arnt von Bodelschwingh, Geschäftsführer der RegioKontext GmbH, direkt aufnahm. „Unsere Forderung an die Politik ist, den Bestand moderater zu entwickeln“, sagte er. Es dürfe nicht sein, dass es alle zwei Jahre eine Verschärfung der Auflagen gebe. Den Bestand zu erhalten, sei eine wesentliche Aufgabe der Politik. Aber auch der Neubau sei preisgünstig machbar, betonte er und verwies auf seine Publikation „Bezahlbare und hochwertige Neubauwohnungen schaffen, Empfehlungen für Bauherren und Politik“ (zu beziehen über die Friedrich-Ebert-Stiftung). „Konzeptvergabe statt Höchstpreisprinzip“ und „Bezahlbarkeit bis in die Bewirtschaftung denken“ sind zwei der Vorschläge. So müssten zu einer Wohnung nicht zwingend Stellplätze gehören oder Hausmeisterdienste nach außen vergeben werden, was die Miete erhöht. uch das Thema „gemeinschaftliches Wohnen“ war den Zuhörern wichtig. Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik erzählte von Beispielen, klare Rahmenbedingungen seien allerdings unerlässlich.
Rüdiger Warnke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Nibelungen-Wohnbau-GmbH, berichtet von Gemeinschafts-Wohnprojekten, die seine Gesellschaft realisiere. „Je disziplinierter die Gemeinschaft, desto größer die Chance auf Erfolg“, fügte er an.
Auf die Frage eines Zuschauers, ob von den Investoren in den künftigen Baugebieten nicht mehr im Hinblick auf Sozialwohnungen verlangt werden könne, brachte von Bodelschwingh, ein Beispiel aus Hamburg. „Hier ist ein Drittel aller Neubauwohnungen sozialgebunden“, berichtete er. Und es funktioniere. „Ähnlich wie bei der Mietpreisbremse heißt es auch beim Thema Sozialwohnungen häufig, die Investoren würden so etwas nicht mitmachen“, beschrieb von Bodelschwingh. „Aber so scheu sind die Investoren gar nicht“, machte er den Kommunen Mut, Auflagen zu formulieren und einzufordern.
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