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In Lehndorf regt sich Widerstand

Gut besucht: Unter dem Titel „Stadtbahn für Braunschweig – Torso mit Entwicklungsmöglichkeiten?“ lud das Umweltzentrum in die Brunsviga. Rund 100 Bürger folgten der Einladung. Foto: T.A.

Dialog über den Ausbau des Stadtbahnnetzes.

Von Christoph Matthies, 26.01.2014.

Am Donnerstag bat das Umweltzentrum Braunschweig in das Kulturzentrum Brunsviga, um über den Ausbau der Braunschweiger Stadtbahn zu diskutieren. Rund 100 Bürger folgten der Einladung zu der teilweise hitzigen Debatte. Am Ende war vor allem eines klar: Die Kluft zwischen Befürwortern und Gegnern neuer Straßenbahntrassen ist gewaltig.

Wie groß die Zustimmung einer schweigenden Mehrheit in Lehndorf zu einer Anbindung ans Stadtbahnnetz ist, lässt sich höchstens erahnen. Sicher ist aber: Der Widerstand im Stadtteil im Nordwesten gegen die Pläne, die Buslinie 411 durch eine Straßenbahn zu ersetzen, ist engagiert und laut. In der rund zweistündigen Diskussion kamen zahlreiche Bürger zu Wort, mehr als die Hälfte davon waren Lehndorfer. Positiv zu der Stadtbahn äußerte sich von diesen nicht einer. „Nach meiner subjektive Wahrnehmung ist die Bevölkerung in Lehndorf eindeutig gegen die Straßenbahn“, sagte einer von ihnen. Eine Straßenbahn in Lehndorf sei defizitär, verursache Lärm sowie Feinstaub und sei für diesen Stadtteil „völlig ungeeignet“, konkretisierte ein anderer Bewohner.

Die Ideen von BUND und Braunschweiger Forum, das Schienennetz innerhalb Braunschweigs auszuweiten, geht weit über den Korridor nach Lehndorf, Lamme und das Kanzlerfeld hinaus. So sind beispielsweise weitere Trassen nach Rautheim, über Watenbüttel, Völkenrode und Wendeburg bis nach Harvesse und eine Trassenverlängerung nach Volkmarode-Nord angedacht. Ein zentrales Anliegen der beiden Vereine ist zudem eine westliche Innenstadtstrecke vom Radeklint bis zum Friedrich-Wilhelm-Platz. Gegen die Trasse bis nach Harvesse hat sich bereits eine Bürgerinitiative Völkenrode/Watenbüttel aktiv in Position gebracht.

Wenn man Andersdenkende überzeugen will, sollte man gute Argumente im Köcher haben. Auf dem Podium in der Brunsviga saßen mit Michael Walther (Braunschweiger Forum) und Professor Christoph Menzel vom Institut für Verkehrsmanagement der Fachhochschule Ostfalia zwei Fürsprecher des Schienennetzausbaus. „Die Bahn ist nicht immer besser als der Bus“, räumte Menzel ein, ehe er die Vorteile der Stadtbahn aufzählte. Barrierefreiheit etwa, oder eine erhöhte Nachfrage der Bürger, die in vielen anderen Städten zu beobachten gewesen sei. Auch Manfred Pesditschek, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, brach eine Lanze für mehr Schienenverkehr. „Die Stadt will nicht Straßenbahnen bauen, um die Bürger zu ärgern“, betonte das Mitglied im Aufsichtsrat der Braunschweiger Verkehrs-AG, „die Stadt will die Bürger sicher, schnell und bequem befördern.“ Dies könne die Bahn besser als der Bus, behauptete Pesditschek.

Der anwesende Vertreter der Stadtverwaltung, Fachbereichsleiter für Tiefbau und Verkehr Klaus Benscheidt, legte Wert darauf, dass bei der Betrachtung möglicher neuer Strecken bisher lediglich Bürgerwünsche ausgewertet worden seien, das Stadtbahnausbaukonzept noch ganz am Anfang stehe. „Detailliertes Hinschauen geht vor Geschwindigkeit“, so Brenscheidt, der vor der politischen Sommerpause nicht mit Ergebnissen der laufenden Untersuchungen rechnet. Ob und welche Strecken letztlich wirklich gebaut werden, sei noch völlig offen, die Stadt prüfe neutral die möglichen Korridore.

Ein Argument, das in der Vergangenheit stets für die Schiene gesprochen hat, scheint mittlerweile hinfällig. Unter ökologischen Gesichtspunkten sind die Elektro-Busse, die zukünftig durch Braunschweig fahren sollen, den Straßenbahnen ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Einige Lehndorfer machen sich dafür Sorgen um ihr Stadtgrün, besonders um die Alleebäume in der Saarstraße, die sie durch einen Trassenneubau in ihrem Bestand gefährdet sehen.
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16 Kommentare
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Frank Dr. Schröter aus Lehndorf-Watenbüttel | 26.01.2014 | 14:57  
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wolfgang weber aus Braunschweig - Innenstadt | 26.01.2014 | 19:22  
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Dieter Stiddien aus Stöckheim-Leiferde | 26.01.2014 | 19:47  
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Karlheinz Räke aus Lehndorf-Watenbüttel | 27.01.2014 | 14:34  
13
Olaf Schlüter aus Lehndorf-Watenbüttel | 27.01.2014 | 18:57  
6
Andrea Homann aus Braunschweig - Nordstadt | 27.01.2014 | 19:33  
14
Martin Schwerter aus Braunschweig - Innenstadt | 27.01.2014 | 23:25  
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Olaf Schlüter aus Lehndorf-Watenbüttel | 28.01.2014 | 20:55  
14
Martin Schwerter aus Braunschweig - Innenstadt | 28.01.2014 | 23:22  
11
Reinhard Heim aus Heidberg-Melverode | 28.01.2014 | 23:35  
45
Frank Dr. Schröter aus Lehndorf-Watenbüttel | 29.01.2014 | 17:23  
13
Olaf Schlüter aus Lehndorf-Watenbüttel | 16.02.2014 | 00:03  
13
Olaf Schlüter aus Lehndorf-Watenbüttel | 16.02.2014 | 00:19  
45
Frank Dr. Schröter aus Lehndorf-Watenbüttel | 17.02.2014 | 11:41  
11
wolfgang weber aus Braunschweig - Innenstadt | 17.02.2014 | 17:09  
7
Anton Tsiporin aus Lehndorf-Watenbüttel | 29.04.2014 | 10:26  
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