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„Immer häufiger blinder Hass“

Hausdurchsuchungen nach Krawallen – PK-Leiter hofft auf „Emotionen auf Normalmaß“.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 23.06.2013.

Braunschweig. Nach den Krawallen in der Neuen Straße am Abend des Aufstiegsspiels von Eintracht Braunschweig hat die Polizei jetzt Wohnungen von Verdächtigen durchsucht.

Rund 40 Beamte haben sechs Wohnungen in Braunschweig und im Umland nach Beweismaterial durchsucht. Zeitgleich standen die Polizisten am frühen Mittwochmorgen vor den Wohnungstüren. Hintergrund sind die Ermittlungen nach den gewalttätigen Krawallen in der Nacht zum 20. Mai in der Innenstadt.
Und die Fahndung geht weiter. „34 mutmaßliche Täter haben wir inzwischen identifiziert“, sagt Uwe Harms, stellvertretender Leiter des Polizeikommissariats Nord. Mit Fotos in der Öffentlichkeit sollen nun auch die restlichen Personen namentlich festgestellt werden.
In den Räumen des PK Nord hat unser Fotograf Thomas Ammerpohl die Gegenstände fotografiert, mit denen die Beamten beworfen wurden – darunter 25 Kilo schwere Tischplatten.
„Für mich sind das keine Fußballfans, sondern Gewalttäter, die sich selbst der Fanszene zurechnen“, sagt Harms. Und: „Es gibt keine Hinweise auf eine politische Motivation.“
Für den PK-Leiter ist das eine „unsägliche Diskussion“, die Frage: „Wie rechts ist eure Kurve?“ geht ihm ziemlich auf die Nerven. „Wir beobachten das sehr genau“, versichert er, „aber das Stadion wird weder zum Schauplatz politischer Agitationen gemacht, noch gibt es dort politische Propaganda.“ Wichtig ist ihm, dass die Emotionen – beispielsweise rund um Spiele gegen Hannover oder Wolfsburg – wieder auf ein „Normalmaß“ zurückgefahren werden. Konkurrenz sei ja in Ordnung, aber er erlebe immer häufiger blinden Hass. Er geht noch einen Schritt weiter: „Ich denke, wir sollten auch die Spieler motivieren, sich gezielt gegen verbale aggressive Stimmung zu stellen.“ Und auch über Alkoholausschank im Stadion werde geredet werden müssen.
Im Internet formulierte Vorwürfe, die Gewalt in der Neuen Straße sei erst durch den aggressiven Auftritt der Polizeibeamten entstanden, weist er zurück. „Wir haben erlebt, wie nach dem Spiel rund 4000 Fans in die Innenstadt zogen, das haben wir beobachtet und begleitet“, blickt er auf den 20. Mai zurück. Vom Bohlweg aus habe sich die Menschenmenge in der Innenstadt verteilt. „Gegen Abend hieß das für uns: normales Wochenende.“ Die zusätzlichen Einsatzkräfte, die für das Spiel angefordert waren, konnten zurück fahren.
„Doch dann sind auf der Polizeiwache Mitte Bilder von einer Beobachtungskamera auf dem Monitor aufgetaucht, und die Beamten sahen live, wie Tische und Stühle geschmissen wurden.“ Einige Polizisten seien daraufhin losgefahren, um die Situation zu klären. Sie seien so heftig angegriffen worden, dass sie sich zurückziehen und Verstärkung holen mussten. „Auf dem hinreichend bekannten Video im Internet ist die enorme Gewaltbereitschaft ja deutlich zu sehen“, sagt Harms. Jede Spekulation, die Beamten hätten die Stimmung verschärft, sei unsinnig. „Dass die Beamten schließlich Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt haben, um sich zu wehren, ist ja wohl logisch“, betont Harms.
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