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Im trüben Schlamm gefischt

Von Marion Korth

Braunschweig. An alten Industriestandorten sind belastete Böden nichts Besonderes. Eine Altlast hat es allerdings in sich, sprengt, was Alter und Umfang angeht, den üblichen Rahmen. Die Rede ist von der Oker, genauer dem Okerschlamm. Die nB hat im Trüben gefischt.

„Die meisten Altlasten sind neueren Datums, aber hier kann man mit Fug und Recht von 1000 Jahren sprechen“, sagt Christiane Costabel, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Stadt. Mit jeder Hochwasserwelle, die Braunschweig über die Oker erreicht, mit dem Schlamm, den der Fluss mit sich schleppt, kommt auch Cadmium den Fluss hinunter. Eine Folge des Bergbaus im Harz. Innerste und Oker transportieren die Schwermetalle. Die Innerste ist mehr mit Blei belastet, die Oker mit Cadmium – nachzuweisen übrigens bis Bremen.
„Belastet ist die gesamte Okeraue“, sagt „Schlammexperte“ Andreas Romey. Für den Bereich Braunschweig ein recht klar zu umreißender Bereich. Andere Okeranrainer haben es mehr mit einem Flächenproblem zu tun. Je nachdem, wie weit sich Überschwemmungen ausbreiten, aber auch, wo der Fluss ursprünglich einmal geflossen ist.
Mit Bodenaustausch ist da jedenfalls nichts zu machen, mal abgesehen davon, dass kein Ende der Schwermetallfracht aus Goslar und Umgebung in Sicht ist. „Man wird das nicht bereinigen können“, sagt auch Christiane Costabel. Bleibt nur, mit der Belastung zu leben, und dafür muss man sie genau kennen.
„Da ist die Stadt schon weit vorn“, sagt Christiane Costabel. Umfangreiche Untersuchungen haben bestätigt, dass wirklich nur der Flussschlamm sowie die Überschwemmungsflächen erhöhte Cadmiumwerte aufweisen. „Dieses Band können wir genau bestimmen“, sagt Romey. Bereits ein paar Meter links oder rechts davon sei es mit der Belastung schlagartig vorbei.
Das wissen auch die Landwirte, die entlang der Oker wirtschaften. Zum letzten Hochwasser im September/Oktober hat die Stadt sie dennoch vorsorglich informiert, wie sie die Belastung möglichst gering halten und verhindern können, dass Cadmium in die Nahrungskette gelangt.
Menschen sei es schwer zu erklären, dass der Boden – Belastung hin oder her – einfach Boden ist, sobald er aber in einer Baggerschaufel liegt, es sich um Sondermüll handelt. Das Entsorgungsproblem hat sich der Stadt allerdings seit 1980 nicht mehr gestellt. „Seitdem haben wir der Oker keinen Schlamm mehr entnommen“, erläutert Romey. Einspülung und Abtrag von Schlamm hätten sich die Waage gehalten. „Allerdings haben wir 2007, 2008 eine Häufung von Hochwasserlagen gehabt“, sagt Romey. Kontrollen im Stadtgebiet sollen sicherstellen, dass dadurch keine neuen Schlammablagerungen entstanden sind, die den Wasserabfluss behindern.
Für die Zukunft setzt die Stadt auf Zusammenarbeit und hat angeregt, dass auch die anderen betroffenen Landkreise sowie das Land sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, zum Beispiel, was Untersuchungsmethoden und Maßstäbe angeht. So hat sich zum Jahreswechsel 2006/2007 bereits die Arbeitsgemeinschaft Schwermetall zusammengefunden, in der mehrere untere Bodenschutzbehörden zusammenarbeiten. Darüber hinaus wird angestrebt, Flächen als so genannte Bodenplanungsgebiete auszuweisen. Der damit verbundene Sonderstatus würde es erlauben, auf ohnehin belasteten Flächen Okerschlamm abzulagern, statt ihn über lange Entfernungen zu Sonderdeponien zu bringen. „Denn das macht aus Umweltsicht auch keinen Sinn“, erläutert Costabel.
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