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Im Asse-Fall wird ermittelt

Eckbert Duranowitsch stellt Strafanzeige – Sechs seiner Ex-Kollegen bislang an Krebs gestorben

Von Daniel Beutler

Braunschweig. Gegen die ehemaligen Betreiber der Asse stellte Eckbert Duranowitsch am Montag um 10 Uhr bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung. Nur 30 Minuten später verkündete Staatsanwaltschaftssprecher Joachim Geyer, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Drei Jahre, von 1987 bis 1990, hat Duranowitsch für die technische Abteilung der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (DSF) im Salzbergwerk Asse gearbeitet. Dabei wurde er, so der Vorwurf, zu keinem Zeitpunkt darüber in Kenntnis gesetzt, dass er erhöhter Strahlung ausgesetzt war. Neun Jahre später ist er an Leukämie erkrankt und führt dies auf den bewussten Verstoß gegen Strahlenschutzbestimmungen durch die ehemaligen Betreiber zurück.
Die Anklage stützt sich dabei auf die Aussage von Professor Ganser von der Medizinischen Hochschule Hannover. Laut Ganser lässt sich aufgrund der Inkubationszeit der Leukämie-Art von Duranowitsch darauf schließen, dass die Krankheit durch ionisierende Strahlung während seiner Zeit auf der Asse hervorgerufen wurde.
Nachdem Duranowitsch bereits im Frühjahr rechtliche Schritte angekündigt hatte, setzte er dieses Vorhaben nun in die Tat um. Leicht ist dieser Schritt für den mittlerweile wieder genesenen, aber arbeitsunfähigen Duranowitsch nicht. „Die physische und psychische Belastung ist schon groß, und ich muss schon sagen, dass es mich betroffen macht, dass sich keiner meiner ehemaligen Kollegen zu Wort meldet“, sagte Duranowitsch. Von seinen knapp 100 Ex-Kollegen sind bereits sechs an Krebs gestorben und drei weitere sind aktuell daran erkrankt. Die hat auch die Staatsanwaltschaft schon im Vorfeld befragt, und weitere Fälle könnten durch ein von der Staatsanwaltschaft angekündigtes „Gesundheits-Monitoring“ entdeckt werden. Das soll im Zuge des Ermittlungsverfahrens an allen ehemaligen Asse-Mitarbeitern durchgeführt werden.
Aber trotz dieser Indizien und anderer Beweise, wie eine ausführlich dokumentierte Auflistung der verschiedenen Strahlenwerte in den Jahren 1987 bis 1990, ist die Ausgangslage der Klage alles andere als eindeutig.
„Im Zuge des Ermittlungsverfahrens gibt es einige Fragen zu klären. Zum Beispiel, ob der Tatbestand bereits verjährt ist, ob damals gültige Vorschriften nicht beachtet wurden. Und Herr Duranowitsch muss nachweisen, dass seine Erkrankung von seiner Arbeit auf der Asse herrührt und nicht einen anderen Ursprung, wie zum Beispiel Rauchen, hat“, erklärt Joachim Geyer. Vom Ermittlungsverfahren bis zur Anklage sei es aber noch ein „Quantensprung“, warnte Geyer vor Euphorie.
Euphorisch ist Duranowitsch keinesfalls. Er wirkte bedächtig, aber souverän, als er für die verschiedenen TV-Sender Rede und Antwort stand. Sachlich und ohne große Emotionen schilderte er seinen Standpunkt. „Mit meiner Strafanzeige will ich erreichen, dass diejenigen, die in der Zeit, in der ich auf der Asse II gearbeitet habe, Verantwortung für den Betrieb und insbesondere für den Strahlenschutz hatten, zu dieser Verantwortung auch heute noch stehen müssen. Mir wurde immer gesagt, dass meine Arbeit völlig ungefährlich sei. Es gab weder besondere Schutzvorkehrungen gegen die Strahlenbelastung, noch habe ich je ein Dosimeter getragen, mit dem meine radioaktive Belastung hätte gemessen werden können. Es geht mir natürlich auch um eine finanzielle Verbesserung meiner Lage. Ich habe meine Krankheit zum Glück überwunden, bin aber seitdem berufsunfähig. Da meine Krankheit jedoch von der Berufsgenossenschaft bis jetzt nicht als Berufskrankheit anerkannt wurde, bekomme ich noch nicht einmal eine entsprechende Rente.“
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