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Ideenreiche „Tasche“-Ermittler

Polizei setzt auf die Aufmerksamkeit der Bürger, um Taschendiebstahl zu erschweren.

Von Martina Jurk, 23.01.2013.


Braunschweig. Taschendiebe werden immer dreister und gerissener. Die Fälle nehmen zu. Deshalb wendet sich die Polizei mit einer bundesweit einmaligen Aktion an die Bürger.

Beamte der Ermittlungsgruppe „Tasche“ in Braunschweig hatten die Idee zu einer Plakatserie, die die Menschen für das Thema sensibilisieren soll. 1200 Plakate mit neun unterschiedlichen Motiven werden jetzt im Stadtgebiet in Geschäften, Diskotheken, Restaurants und Cafés, also an potenziellen Tatorten, angebracht. „Lassen Sie sich nicht das Geld aus der Tasche ziehen!“ oder „Die Umarmung wird teuer“ – die Slogans sollen mit den passenden Motiven zur Vorsicht mahnen. Die Täter seien auf den Inhalt der Taschen aus, die Opfer würden gar nicht sofort bemerken, dass sie bestohlen wurden, so die Ermittler.

Griffen die Täter 2010 in Braunschweig in 507 Fällen in fremde Taschen, waren es im vergangenen Jahr bereits 601 Fälle.

Mehrere Diebstahlmeldungen seien allein am vergangenen Wochenende bei der Polizei eingegangen – aus Clubs, aus dem Internetcafé, aus einem Supermarkt. „Gestohlen wurde aus den Taschen heraus, auch wenn diese am Körper getragen wurden“, konstatiert Polizeisprecher Joachim Grande.
Die Initiative zu der Plakataktion kommt von den Beamten der Ermittlungsgruppe „Tasche“ des Polizeikommissariats Mitte. Die Täterermittlung sei problematisch, die Diebstähle seien schwer nachweisbar. Landesweit liege die Aufklärungsquote bei zehn Prozent, erklärt Cordula Müller, Leiterin der Polizeiinspektion Braunschweig, das Dilemma der Beamten. Besonders erschwerend käme hinzu, dass die Täter auch international und organisiert tätig seien. Das BKA ermittelte 2010 einen Schaden durch Taschendiebstahl von 24 Millionen Euro bundesweit.
Joachim Borchers, Leiter der Ermittlungsgruppe „Tasche“, dazu: „Das spezielle Merkmal der Diebe ist das Phantomhafte, das Unbemerkte. Die Opfer bemerken den Schaden nicht sofort. So wie die Polizei Taschendiebe observiert, observieren die Diebe inzwischen auch die Polizei.“
Opfer seien vor allem Frauen beim Einkaufen. Joachim Borchers bescheinigt den Taschendieben ein „meisterhaftes Vorgehen“, das heißt, ihre Tricks würden immer raffinierter werden. Auch ältere Menschen mit einem Handicap, die mit einem Rollator unterwegs sind, Gaststättenbesucher, ältere Menschen, die an Bankautomaten Geld abheben, seien bevorzugte Opfer. „Schlimm ist, dass sich die Opfer hinterher große Vorwürfe machen und sehr betroffen sind. Mit der Plakataktion wollen wir erreichen, dass sie reflektieren, was passiert ist, wie es passiert sein könnte, sie sollen nachdenken und vorbeugende Maßnahmen ergreifen.“ Borchers rät, zum Beispiel zum Diskothekenbesuch ein billiges Handy, wenig Bargeld und keine Karten mitzunehmen.
Die Opfer abzulenken, Drängeln, Rempeln und aktuell Opfer hochzuheben oder zu umarmen nach einem Gaststättenbesuch seien gängige Tricks der Täter.
Sebastian Bock, der die Idee federführend initiierte, sagt: „Wir wollen den Menschen keine Angst machen, sondern sie auf die Möglichkeit hinweisen, Opfer werden zu können. Sie sollen vorsichtig werden.“
Die Geschäftsleute der Stadt unterstützen die Aktion, indem sie die Plakate in ihren Läden und Restaurants aufhängen.
Über einen QR-Code auf den Plakaten können sich Interessenten weitere Tipps der Polizei im Internet ansehen.
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