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„Ich wollte schon gar nicht mehr ans Telefon gehen“

Über Wochen nervten Callcenter eine 72-jährige Rentnerin mit Werbeanrufen

Von Birgit Leute

Braunschweig. „Herzlichen Glückwunsch: Sie haben 400 Euro gewonnen. Den Gewinn zahlen wir Ihnen im Juli aus.“ Fast im Stundentakt meldeten sich bei Edith Müller (Name von der Redaktion geändert) Callcenter. Wochenlang war die 72-Jährige Opfer lästiger Telefonwerbung.

Morgens um neun Uhr, in der Mittagsruhe und sogar abends zur besten Fernsehzeit – ständig klingelte bei der Seniorin das Telefon. Statt ihrer Kinder und Enkel meldete sich aber nur eine blecherne Computerstimme oder ein aufdringlicher Callcenter-agent. „Guten Abend, Frau Müller. Sie haben doch nichts gegen eine Million auf Ihrem Konto, oder?“ lockte dieser geschickt.
Fast immer gelang es ihnen Edith Müller zu überrumpeln. Dem Stakkatotempo, in dem die Fragen auf sie einprasselten, war die leicht schwerhörige Seniorin einfach nicht gewachsen. Ob sie den Gewinn denn annähme, und ob sie denn weiterspielen wolle? Nur eine zufällig anwesende Nachbarin konnte sie daran hindern, auch noch ihre Kontonummer preiszugeben. Den Grund für ihr energische Einschreiten verstand Edith Müller damals noch nicht, auch nicht, woher der Verkäufer ihre Telefonnummer hat. „Ich hatte doch nie etwas mit denen zu tun“, wundert sie sich.
So ganz unschuldig ist Edith Müller nicht: In der Vergangenheit hatte sie durchaus an dem einen oder anderen Gewinnspiel teilgenommen, um – wie sie selbst sagt – „ihre kleine Rente aufzubessern“. Rund 50 000 Euro versprach ein Pflanzenversand für eine freigerubbelte Losnummer. Die schickte die Seniorin natürlich zurück – samt der ungewollten Einverständniserklärung, weiter mit Werbung überhäuft zu werden. Eine andere Firma lockte mit einer lebenslangen Zusatzrente, und auch an sogenannten Butterfahrten nahm die 72-Jährige das eine oder andere Mal teil.
Von da ab häuften sich auch die Anrufe. „Ich wollte schon gar nicht mehr ans Telefon gehen“, klagt sie heute rückblickend. Dennoch nahm sie beim nächsten Klingeln wieder ab. „Was sollte ich denn machen: Ich habe weder einen Anrufbeantworter, noch konnte ich im Display die Telefonnummer erkennen“, sagt sie entschuldigend.
Da auch unhöfliches Auflegen die lästigen Verkäufer nicht abhielt, griff Edith Müller zur letzten Maßnahme: Sie änderte ihre Telefonnummer und ließ sich aus dem Telefonbuch streichen. Kostenpunkt für die Seniorin:
60 Euro. „Für mich ist das viel Geld, aber jetzt habe ich endlich wieder Ruhe“, ist sie heute froh.
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