Anzeige

„Ich nehme auf mich wenig Rücksicht“

Pia Zimmermann (Linke), im Parteibüro der Linken. Foto: regios24/Helge Landmann

Pia Zimmermann kandidiert für den Bundestag.

Von Jörg Kleinert, 10.03.2017.

Wolfsburg. Noch einmal vier Jahre Berlin – danach ist Schluss. Zumindest mit der parlamentarischen Arbeit als Bundestagsmitglied. Ganz von der Politik loslassen wird die Wolfsburgerin Pia Zimmermann, Spitzenkandidatin der niedersächsischen Linken für die Bundestagswahl, indes auch nach 2021 nicht. „Ich werde mich nach meiner Berliner Zeit weiter um politische Dinge kümmern“, sagt die 60-Jährige, die im Oktober 2013 erstmals für ihre Partei in den Deutschen Bundestag einzog.

Einstimmig hatten die Linken-Mitglieder die Sozialpolitikerin im Januar im Wolfsburger CongressPark während ihrer Aufstellungsversammlung auf Listenplatz 1 gesetzt. Mehr noch: Erstmals in der Geschichte der niedersächsischen Linken steht mit Pia Zimmermann eine Frau an der Spitze der Landesliste.

Rente, Gesundheit, Pflege – das sind die Themen, die nicht nur im Bundestagswahlkampf ihrer Partei eine Rolle spielen werden. Als pflegepolitische Sprecherin der Fraktion und Mitglied im Gesundheitsausschuss thematisiert Pia Zimmermann die Notwendigkeit einer großen Pflegereform, um die Situation der Pflegebedürftigen, ihrer Angehörigen und die der Beschäftigten in Pflegeberufen zu verbessern.

Seit 1972 ist Pia Zimmermann Gewerkschafterin, das politische Abc lernte sie bei den „Falken“ – die Sozialistische Jugend Deutschlands. Dort lernte die gebürtige Braunschweigerin auch den heutigen Bundesaußenminister Sigmar Gabriel kennen. Von 1972 bis 1996 war sie Mitglied der SPD – „ich habe in der Partei aber nie eine Funktion übernommen“, sagt die 60-Jährige.
2000 trat Pia Zimmermann in die PDS ein, gründete den Kreisverband Wolfsburg mit. 2007 verschmolz die PDS mit der WASG zur Partei Die Linke. Von 2006 bis 2013 war die frühere Mitarbeiterin in der Behindertenhilfe Ratsfrau für die Wählergemeinschaft Wolfsburger Linke.

Pia Zimmermann ist eine Kümmererin. „Ich nehme auf mich wenig Rücksicht.“ Ihr falle das Abschalten äußerst schwer. „Mein Mann fragt immer, was das für ein Ding ist, das an meinem Ohr festgewachsen ist.“ Die Rede ist von ihrem Smartphone. Selbst im Urlaub, der seit nunmehr neun Jahren niemals länger als eine Woche dauert, lese sie ihre E-Mails oder reagiere auf alle Anrufe.
Und doch gibt es eine Pia Zimmermann abseits der Politik. Sie singt mit Leidenschaft im IG-Metall-Chor. „Immer dienstags. Dieser Termin ist mir heilig“, betont die Sozialpolitikerin. Dafür reist die pflegepolitische Sprecherin der Linken unter der Woche gar mit dem Zug aus Berlin an und fährt noch am späten Abend aus Wolfsburg zurück in die Bundeshauptstadt.

Pia Zimmermann bezeichnet sich als kreativ. „Ich habe zu Hause eine Werkbank mit allem Werkzeug das man benötigt, um Holz zu modellieren.“ Außerdem nähe sie gerne. Auch Gartenarbeit liebe sie, aus Zeitgründen kam die zuletzt indes zu kurz. „Die Wildkräuter haben immer gegen mich gewonnen“, sagt sie lachend. Das soll sich in diesem Sommer ändern. Pia Zimmermann plant einen langen Urlaub. Drei Wochen am Stück, vielleicht sogar vier. Viel gärtnern, nähen und singen wolle sie – und möglichst selten zum Smartphone greifen.


Nachgehakt - Zehn Fragen an die Linke-Politikerin

?Ich kandidiere für den Bundestag, weil…

!… ich dazu beitragen möchte, dass alle Menschen in Frieden leben können. Dazu gehört, dass man von Arbeit leben können muss, dass Bildung und Kultur keine Luxusgüter sind, dass gute Pflege ein Menschenrecht ist, dass medizinische Versorgung nicht vom Geldbeutel abhängt und dass Rassismus und Ausländerfeindlichkeit keine Rolle mehr spielen.


?Für meinen Wahlkreis will ich in Berlin vor allem erreichen, dass...

!…es einen soliden Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden/Kommunen gibt, der die kommunale Selbstverwaltung sicherstellt, und die Schuldenbremse abgeschafft wird. Geld ist genug da, es muss nur gerecht verteilt werden.


?Wenn ich in Berlin nur ein einziges politisches Projekt umsetzen dürfte, dann wäre das...

!…, dass kein Kind mehr in Armut leben muss und jede Rentnerin und jeder Rentner eine auskömmliche Rente bekommt.


?Immer mehr Menschen wenden sich von der Politik ab, weil...

!…sie sich nicht ernst genommen fühlen und ihnen viel genommen wurde. Hartz IV mit den menschenunwürdigen Sanktionen, prekäre Arbeitsplätze und Arbeit, von der ein Mensch nicht mehr leben kann, Zweiklassenmedizin und unbezahlbare Pflege und insgesamt die immer ungerechtere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums haben die Menschen sprachlos gemacht.


?Die Schlagzeile, die ich am liebsten über mich lesen würde, sollte lauten...

!…Die Linke hat durchgesetzt, dass der überwiegende Teil des Rüstungshaushaltes im Bereich Soziales und Familie eingesetzt wird.

?Mein politisches Vorbild sind...

!…Frauen wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin.


?Meine größte persönliche Stärke ist...

!…,dass ich für Stellvertreterpolitik nicht zu haben bin. Mir ist es wichtig, mit den Menschen vor Ort über ihre Probleme und Wünsche zu sprechen.


?Meine größte persönliche Schwäche ist...

!…,dass ich schlecht „nein“ sagen kann.


?Mein Lebensmotto lautet...

!…„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar“, das ist ein Zitat von Astrid Lindgren.


?Wenn ich nicht in den Bundestag gewählt werde, dann...

!… habe ich mehr Zeit für meine Familie. Außerdem werde ich in meinem Garten endlich mal wieder den Kampf gegen die Wildkräuter gewinnen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.